In den Schluchten des Balkan (Schneider)

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Deckelbild In den Schluchten des Balkan

In den Schluchten des Balkan ist das Deckelbild Sascha Schneiders für Karl Mays gleichnamige Reiseerzählung.

Entstehung

Die Zeichnung für das Titelbild wurde 1904 im ungefähren Format von 66,0 x 38,2 cm angefertigt.

Am 11. April 1904 informierte Sascha Schneider Karl May brieflich darüber, dass er sich näher mit dem Orientzyklus beschäftigt habe:

Habe nun die hochinteressante Wanderung durch die Wüste, Kurdistan, Bagdad Stambul, Skipetaren, Schut & Balkanschluchten gelesen und mich, trotzdem mein Kopf mit meinem Kram überfüllt war, doch fabelhaft an den Werken erfreut.
Zu "illustrieren" sind gerade diese Sachen schwieriger, weil durch alle 6 Bände ein Gedanke durchgesponnen wird, doch wird es mir schon gelingen. Es sind Gesänge von der rächenden Gerechtigkeit.[1]

Fertiggestellt und an May gesandt wurde die Zeichnung vermutlich am 27. November. Auf diesen Tag ist nämlich ein Brief Schneiders an Karl May datiert, in dem es heißt:

In den Schluchten des Balkan!
Also mag mein lieber Old Shatterhand tun; der Hydra die Köpfe einschlagen![2] Wie tobt der Kampf?[3]

Die achte Auflage von Karl Mays Band 4 In den Schluchten des Balkan erschien mit Schneiders Titelbild erst im Jahre 1906 in der Sascha-Schneider-Ausgabe.[4]

Motiv

Die von dem Jüngling bekämpfte Gestalt wird Hydra genannt. Sie ist ein neunköpfiges schlangenähnliches Ungeheuer der griechischen Mythologie. Wenn sie einen Kopf verliert, wachsen an dessen Stelle zwei neue. Die Hydra wird von Herakles (Herkules) erlegt.

Kritiken

In der Einleitung zur Sascha-Schneider-Mappe ordnet Johannes Werner die Bilder zum Orientzyklus der ersten Gruppe zu. Zu In den Schluchten des Balkan (Blatt 4) heißt es da:

Das Stadium, in dem der Mensch wehrlos den aus dem Finsteren heranfliegenden und versteckten Angriffen preisgegeben ist,[5] ist überwunden: die widrigen Mächte sind gefunden, der eigentliche Feind hat sich zum Kampfe Aug' in Aug' gestellt, der von dem starken Helden mit wuchtigen Schlägen geführt wird: Herkules kämpft gegen die Hydra der niedrigen Gesinnung und giftigen Gemeinheit. – Der Akt ist als Darstellung männlicher Vollkraft von besonderem Interesse.[6]

Annelotte Range schreibt in ihrer Dissertation über Sascha Schneider zu diesem Titelbild:

Die vielköpfige Hydra, deren Köpfe nachwachsen können, ist ein treffendes Bild für die weitverzweigte schurkische Plage, die den Balkan terrorisiert.[7] Unerschrocken tritt ihr ein Held von herkulischer Körperkraft entgegen. Die Gefahr, die für das Untier von der Keule in der erhobenen Rechten ausgeht, konterkariert die Linke durch die theatralische Geste, mit der sie die Draperie präsentiert, die die Blöße des frontal Ansichtigen verhüllt.[8]

Anmerkungen

  1. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 70.
  2. Gemeint ist hier wohl Karl Mays Antwort auf die Angriffe des Dresdner Anzeigers.
  3. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 122.
  4. Hainer Plaul: Illustrierte Karl-May-Bibliographie. Unter Mitwirkung von Gerhard Klußmeier. Lizenzausgabe bei K. G. Saur München 1989, S. 157, Nr. 232.8. ISBN 3-5980-7258-9.
  5. Gemeint ist Schneiders Titelbild Von Bagdad nach Stambul.
  6. Zitiert nach: Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 498.
  7. Gemeint ist die Bande des Schut.
  8. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 72.

Literatur

Weblinks