Im Reiche des silbernen Löwen III (Schneider)

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Deckelbild Im Reiche des silbernen Löwen III

Im Reiche des silbernen Löwen III ist das Deckelbild Sascha Schneiders für Karl Mays gleichnamige Reiseerzählung.

Geschichte

Die Titelbilder Schneiders zu Karl Mays vierbändigem Im Reiche des silbernen Löwen bilden gewissermaßen eine Einheit, sind aber nicht in der Reihenfolge der Bände entstanden. Die Zeichnung zu Band III war die erste dieser vier.

Karton Um eine Seele

Der Karton Um eine Seele

Als Vorläufer dieses Bildes gilt Schneiders 1895 entstandener Karton Um eine Seele. Dieser gehört zu den Zeichnungen, die dem Künstler frühzeitig zu seinem Ruhm verhalfen. Der heutige Verbleib des Kartons ist unbekannt.[1]

Das Deckelbild Im Reiche des silbernen Löwen III

Eine erste Fassung der Titelzeichnung hatte Sascha Schneider wohl bereits Ende Juni 1904 fertiggestellt.
In einem Brief vom 27. Juni informierte er Karl May darüber:

III Band silberne Loewe! [...] Die oben angemeldete Zeichnung folgt morgen erst.[2]

Auf Differenzen bezüglich des Motivs weist der Inhalt von Schneiders Brief an May vom 2. August hin:

Warum geben Sie mir die letzte Zeichnung zurück?[3] Das will mir absolut nicht in den Kopf, ich verstehe Sie da nicht. – Ganz und gar nicht! – Wenn Sie fest darauf bestehen, dass ich diesen harmlosen Jungen verhüllen soll (denn anders geht das nicht; nackt ist nackt!), so will ich es meinetwegen tun, Sie nehmen mir aber dadurch jede Begeisterung für die Arbeit. Als business[4] habe ich die ganze Sache nicht aufgefasst, und sondern mein Bestes gegeben. Wollen Sie das anders?!
Ich behalte einstweilen das Blatt zu Hause, ohne einen Strich daran zu ändern, bis Sie anders darüber denken.[5]

Karl May begründet seine Ansicht am 8. August in einem Brief an Sascha Schneider:

Wenn mein Verleger[6] behauptet, daß ich 4 Millionen Leser habe, so befinden sich unter ihnen weit über 3 Millionen, welche von der Gegend zwischen Knie und Hüfte noch nichts wissen dürfen, wenigstens officiell! [...] Uns Beiden, Ihnen und mir und einigen tausend Anderen sind diese Sachen ja vollständig rein, aber denken Sie sich die unzähligen Anderen! [...]
May soll partout Unsittliches geschrieben haben! Damit will man mich unbedingt umbringen! Soll man nun von dem Umschlage reden, da man von dem Inhalte nicht mehr reden kann?[7]
Zeichnung Im Reiche des silbernen Löwen III

In seiner Antwort vom 9. August schrieb Schneider an May:

Auf Ihren lieben Brief hin will ich den kleinen Engel geschlechtslos machen; es ist aber eine Lächerlichkeit und nimmt mir sehr die Lust. Das ist es eben, was wenden Sie sich an 3 Millionen Rindviecher und Idioten. [...]
Meine Absicht war nicht für die Masse erklärende Illustrationen zu geben; wenn ich das nun tun soll und wenn der Verleger fürchtet, dass durch meine Beigabe die Hälfte der Esel versagt, so dass das "Geschäft" ein geringeres wird, so bin ich recht deprimirt und es fehlt mir die Lust zu Weiterem![8]

Sascha Schneider hatte 1905 zunächst geplant, die Zeichnung als Deckelbild für alle vier Bände des "Silberlöwen" zu verwenden, was im Brief vom 9. Januar an Karl May zum Ausdruck kommt:

Let me propose you anything. For the "silvern Lion", for all four volumes together, I will make only one leaf.[9][10]

Am 14. Januar überlässt Schneider brieflich die Entscheidung darüber dem Autor:

Bleibe ich dabei fortgesetzt weiter im grösseren Maassstabe, als für silbern. Löwe 4 Blätter zu zeichnen [...] and so on,[11] so kann ich nichts weiter sagen als: Geduld! [...]
Sagen Sie mir wie Sie denken: Kurz und bündig. Soll ich für verschiedene Bände eine Zeichnung machen [...] oder soll es dabei bleiben: für Silber. Löwe noch 3 [...][12]

Zwei Tage später teilt der Maler Mays Frau Klara in einem Brief folgendes mit:

Sagen wir also, damit Sie meinen guten Willen sehen, [...] silberner Löwe 4 Blätter. Eines davon ist ja schon in Ihrem Besitz, bleiben also noch 3. Von Band III silbern. Löwe, das noch nun schon seit Sommer in den Händen Schwabes sich befinden wird, habe ich noch keine Reproduction zu sehen bekommen, trotzdem ich ihn darum anging. Schreiben Sie ihm doch bitte auch darüber.[13]

Sascha Schneider zeichnete daraufhin tatsächlich neue Titelbilder zum ersten, zweiten und vierten Band.

Im Zusammenhang mit der Zeichnung zum ersten Band wird das Bild zum dritten in einem weiteren Brief Schneiders an May (datiert auf den 14. Juli) erwähnt:

Silberner Löwe, Band I: Ahriman, der Fürst der Schatten, derselbe der dann im 2ten Band in meiner Zeichnung abgetan wird, wenigstens an der Gurgel genommen wird. Denn in meinem Blatt z[um] IIIten ist er wieder munter und kommt als Tod.[14]

Bereits 1904 war die vierte Auflage von Karl Mays Im Reiche des silbernen Löwen III als erste auch in der Sascha-Schneider-Ausgabe mit dem hier betrachteten Titelbild herausgegeben worden.[15]

Ölbild Um eine Seele

Die Ölgemälde Um eine Seele

Laut Hansotto Hatzig[16] hat Sascha Schneider sowohl 1920 als auch 1922 eine Fassung des ursprünglichen Kartons Um eine Seele als Ölgemälde geschaffen. Nach Hatzigs Verzeichnis Sascha Schneiders Werke (1967) war das erste Ölbild im Besitz von Johannes Mühlberg in Dresden, während das zweite sich in Schneiders Nachlass fand und somit in den Besitz von Lilly Gorutschko-Schneider bzw. ihrer Tochter Lydia kam.

Kritiken

zu Um eine Seele

Hermann Hesse (* 1877; † 1962) äußert sich in einem Brief vom 10. November 1897 an seine Mutter über das Bild:

Dieser Tage sah ich [...] eine Mappe mit Kartons von Sascha Schneider. Es hat mich noch nie ein Stück bildender Kunst so plötzlich und stark ergriffen. – Da ist ein Blatt "Um eine Seele", wo ein ernster, schöner Engel und ein häßlicher gemeiner Satan über eine Leiche hinweg sich ansehen.[17]

Hansotto Hatzig schreibt in seinem Beitrag zur Karl-May-Forschung zu dem Karton:

Der Kampf zwischen Engel und Teufel um den Menschen beginnt. [...][18]

Annelotte Range schreibt in ihrer Dissertation über Sascha Schneider zu dieser Zeichnung:

Das Ringen zwischen Engel und Teufel um die Seele des Verstorbenen [...] wird nun zum eigenständigen Bildthema. [...] der Engel [verwehrt] dem Teufel den Zugriff auf den Toten.[19]

zu Im Reiche des silbernen Löwen III

In der Einleitung zur Sascha-Schneider-Mappe ordnet Johannes Werner die Bilder zur Silberlöwen-Tetralogie der dritten Gruppe zu. Zu Im Reiche des silbernen Löwen III (Blatt 23) heißt es da:

[...] der Sieg ist noch nicht erkämpft. [... Es ist] hier ein Nachlassen der Kraft eingetreten, der Mensch ist im Kampfe zeitweilig unterlegen, zusammengebrochen, dem Tode nahe. Der Dämon scheint wieder Herr der Lage und greift schon mit gierigen Händen nach seinem Opfer. Da tritt [...] die Lichtgestalt des Engels des Herrn schützend und rettend dazwischen.[20]

Auch Arno Schmidt äußert sich 1963 in Sitara und der Weg dorthin unter § 35 kurz zu verschiedenen Blättern der Sascha-Schneider-Mappe, darunter auch zu diesem Bild:

Ist Nr. 23 ein 'Jüngling' ? ; man 'weiß gar nicht recht'![21]

Range äußert sich in oben genannter Schrift auch zu dem Deckelbild:

Das Titelbild des dritten Bandes [...] nimmt Bezug auf die handlungstragende und lebensbedrohende Typhus-Erkrankung, von der die beiden Reisenden, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar, in ebendiesem Band befallen und kuriert werden. Während der deutsche Effendi sich langsam erholt, steht das Leben seines treuen Begleiters auf Messers Schneide. [...] Eine knabenhafte Engelsgestalt verwehrt dem im Hintergrund lauernden Tod den Zugriff auf den am Boden Darniederliegenden [...][22]

Anmerkungen

  1. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 35, Anm. 121.
  2. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 95.
  3. May hatte die nackte Engelsfigur des ursprünglichen Deckelbildentwurfs zu "Im Reiche des silbernen Löwen III" missbilligt.
  4. Englisch: Geschäft.
  5. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 99 f.; dort auch die vorletzte Anmerkung.
  6. Gemeint ist Friedrich Ernst Fehsenfeld.
  7. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 102.
  8. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 105.
  9. Lassen Sie mich [Ihnen] etwas vorschlagen. Für den "Silbernen Löwen", für alle vier Bände zusammen werde ich nur ein Blatt machen.
  10. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 130; dort auch die vorige Anmerkung.
  11. Englisch: und so weiter.
  12. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 132 f.
  13. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 135.
  14. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 158.
  15. Hainer Plaul: Illustrierte Karl-May-Bibliographie. Unter Mitwirkung von Gerhard Klußmeier. Lizenzausgabe bei K. G. Saur München 1989, S. 261, Nr. 352.4. ISBN 3-5980-7258-9.
  16. Hatzig: Karl May und Sascha Schneider, S. 216 f.
  17. Zitiert nach: Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 36.
  18. Hatzig: Karl May und Sascha Schneider, S. 26.
  19. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 35.
  20. Zitiert nach: Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 501.
  21. Arno Schmidt: Sitara und der Weg dorthin. Eine Studie über Leben, Werk & Wirkung Karl Mays. Reprint der Erstausgabe von 1963. S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 1985, S. 332. ISBN 3-10-070620-X
  22. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 89.

Literatur