Ibrahim Pascha

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Ibrahim Pascha
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Deutsche Herzen - Deutsche Helden

Ibrahim Pascha gilt als Türke und Sohn von Melek Pascha, offenbar ohne es wirklich zu sein:

"[...], ich aber möchte doch nicht darauf schwören, daß Sie ein geborener Türke sind. Sie haben eine ausgesprochen französische Physiognomie; Sie sprechen ausgezeichnet Französisch und Deutsch; Sie befinden sich im Besitze deutscher Uhren - - verteufelt, verteufelt!«
[...]
"Verfluchter Kerl!" brummte der Pascha grimmig in den Bart. "Ob er wohl von meiner Geburt und von meinen Verhältnissen etwas ahnt! Daß mir auch grad diese Uhr abgenommen und von ihm gekauft werden mußte! Der hiesige Boden beginnt, mir unter den Füßen warm zu werden!"[1]

Er ist ein »Liebling des Sultans« im Alter von ungefähr 28 Jahren: »Er war in reiche türkische Tracht gekleidet und trug kostbare Waffen in dem feinen Kaschmirgürtel. Sein Gesicht war hager und zeigte scharf geschnittene Gesichtszüge. Die Nase war fast habichtsartig gebogen; von den dünnen, blutleeren Lippen hing ein dünner, schwarz gefärbter Schnurrbart zu beiden Seiten lang herab, so daß er die verächtlich nach unten gebogenen Mundwinkel bedeckte; die Augen waren klein, von unbestimmter Färbung, von blutigen Aederchen durchzogen und blickten spitz, kalt und mit grausamem Ausdrucke unter dem wimperlosen, gerötheteten Oberlide hervor. Die schmale, eckige Stirn verschwand fast ganz unter dem großen Turban, welchen der Mann trug.«

Florin (als Derwisch Osman auftretend) verstand es, Ibrahim Pascha seine Rache gegen die Familie von Adlerhorst anzuhängen: es gelang ihm, den Pascha zu überzeugen, dass Alban von Adlerhorst Ibrahim Paschas Vater ermordet habe. Ibrahim Pascha schwört der Familie daraufhin furchtbare Rache. Zwei Jahre später kann er dem angeblichen Derwisch den Vollzug melden: »Der Mörder ist eines unbeschreiblich qualvollen Todes gestorben«, die Familie von Adlerhorst ist in alle Welt zerstreut worden, alle Mitglieder mussten einen »fürchterlichen Schwur« ablegen, den Namen nicht mehr zu tragen und ihn auch nicht mehr zu erwähnen.

Viele Jahre später kann der Derwisch dem Pascha in Konstantinopel mit der Sklavin Tschita wieder ein Mitglied der Familie in die Hände spielen. Bevor deren Bruder, Hermann von Adlerhorst, sie zusammen mit Paul Normann befreien kann, reist Ibrahim Pascha mit Tschita und mit Zykyma, einer anderen Sklavin, als Agent nach Tunis. Er tritt dort als Smyrnaer Kaufmann Hulam auf. Oskar Steinbach, Hermann von Adlerhorst, Paul Normann und Lord Eagle-nest können seine dunklen Machenschaften - er will auf Anstiftung des Derwischs den Bei von Tunis in die Luft sprengen - durchkreuzen. Ibrahim Pascha muss fliehen. Dabei kann Tschita befreit werden. Als Gesandter des türkischen Großwesirs tritt er danach in Ägypten beim Stamm der Beni Sallah auf, die er zum Krieg gegen den ägyptischen Vizekönig aufzuwiegeln versucht. Auch hier kann Steinbach Ibrahim Paschas Pläne stören.

Zusammen mit seinem Komplizen Alexei Polikeff entkommt Ibrahim Pascha mit Hilfe des französischen Capitain Leblanc auf dem Dampfer La bouteuse. Dabei muss er Zykyma zurücklassen.

Geraume Zeit später taucht er als Bankier Abraham in Bad Wiesenstein auf, um dort Zykyma und Tschita zu suchen: er »war wohlbeleibt. Sein aufgeschwommenes Gesicht wurde von einem dichten Vollbarte eingerahmt, dessen tiefes Schwarz wohl mehr der Kunst als der Natur zu danken war. Der Backenbart wuchs ihm bis auf die Mitte der Wangen und fast bis zum Gesichtsknochen herüber, und unter den Augen bildete die Haut zwei wulstige, blau schimmernde Säcke, was dem Gesichte ein keineswegs ideales Aussehen verlieh. Allem Anscheine nach hatte der Herr sehr viel und sehr rasch gelebt! Er sah aus wie Einer, dessen Leidenschaften die Nerven zerrüttet haben. Seine Kleidung war elegant, von feinstem Stoffe und neuestem Schnitte, schien ihn aber hier und da zu geniren, als ob er eigentlich eine andere Tracht gewöhnt sei. Die Finger steckten voller kostbarer Ringe und an seiner dick goldenen Uhrkette hingen Berloquen, deren Werth gar manchem armen Teufel hätte Erlösung bringen können. Auf der Nase trug er einen goldenen Klemmer mit tiefblauen Gläsern. Vor diesen Gläsern und dem Barte war von dem ganzen Gesicht nur die Nase und die Stirn zu sehen.« Mit Hilfe des Agenten Albin Schubert kann er Zykyma und Tschita ausfindig machen. Ibrahim Pascha und seinem Komplizen gelingt es, den in Bad Wiesenstein gefangenen Florin zu befreien und die beiden Frauen in ihre Gewalt zu bringen. In Wirklichkeit aber sind die Schurken einem Plan Sam Barths aufgesessen, der - um einen beweiskräftigen Tatbestand für eine Gerichtsverhandlung herzustellen - Befreiung und Gefangennahme inszeniert hatte.

Als Ibrahim Pascha und Florin auf Burg Grafenreuth in die Hände Steinbachs geraten, erschießt Florin erst Ibrahim Pascha und dann sich selbst.

Anmerkungen

  1. Karl May: Deutsche Herzen - Deutsche Helden. Erstausgabe, Verlag H. G. Münchmeyer, 16. Januar 1886, S. 102 f., hier online.

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.