Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger

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Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger
HOT Anzeiger.jpg
Titel: Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger
Untertitel: Tageblatt für Hohenstein-Ernstthal,
Oberlungwitz, Gersdorf, Lugau, Wüstenbrand,
Ursprung, Mittelbach, Hermsdorf, Bernsdorf,
Langenberg, Falken, Meinsdorf u. s. w.
Verlag: Richard Decker (1898-1902)
Horn & Lehmann (1902-1913)
Herausgeber: Heinrich August Schneutzlich (1873-1880)
Hermann Meyer (1880-1893)
Richard Decker (1893-1902)
Emil Lehmann und Emil Horn (1902-1919)
Gustav Hohenstein (1919-1922)
Redaktion: Richard Decker (1898-1902)
Emil Horn (1902-1909), Oscar Clemens Meyer
Emil Horn und Dagobert Culp (1909-1913)
Zeitraum: 1873 bis 1922
Erscheinungsweise: Tageszeitung
Primärtexte: Brief an Horn, 6. 8. 1910
Vorwort zu Karl May gegen Lebius, 21. 8. 1910
Brief an Horn, 23. 8. 1910
Brief an Horn, 26. 8. 1910
May contra Frisch, 31. 8. 1910
Sekundärtexte: Karl May, 27. 8. 1899
In Bezug auf ..., 29. 8. 1899
Nochmals Karl May, 10. 10. 1899
"Babel und Bibel", 9. 12. 1906
Karl Mays Werke, 23. 12. 1906
Winter: Auf!, 26. 2. 1907
Winter: So ist es!, 6. 9. 1907
Sensationelle Enthüllungen über Karl May?,
 24. 12. 1909
Die Karl May-Affäre, 13. 1. 1910
Charlottenburg (Privat-Telegramm),
 13. 4. 1910
Das bereits gestern ..., 14. 4. 1910
Karl May, 15. 4. 1910
Karl May, 16. 4. 1910
Karl May und das Zentrum, 20. 4. 1910
Das May-Lebiussche Verfahren eingestellt,
 28. 4. 1910
Karl Mays Beichte, 21. 5. 1910
Erklärung, 3. 7. 1910
Der Schriftsteller Karl May, 29. 7. 1910
a.: Karl May u[nd] die brennende Blume,
 7. 8. 1910
Oeffentliche Schöffengerichts-Verhandlung
 May-Lebius-Krügel
, 10. 8. 1910
Lebius: Berichtigung, 16. 8. 1910
Karl May gegen Lebius, 21. 8. 1910
Gift und Galle ..., 25. 8. 1910
M. Pierre: An Karl May [Gedicht], 30. 8. 1910
Ein neuer May-Prozeß ..., 27. 9. 1910
Prozeß May – Lebius, 20. 12. 1911
Ein Prozeß des ..., 29. 12. 1911
Eine Ortsbesichtigung im Karl May-Prozeß
 in Hohenstein-Ernstthal?
, 12. 1. 1912
Karl May †, 2. 4. 1912
Karl May †, 3. 4. 1912
Die Beerdigung Carl Mays ..., 5. 4. 1912
Merker (?): Karl May's Werke, 7. 4. 1912
Das hinterlassene Vermögen Mays,
 14. 4. 1912
Merker (?): Zum Tode Karl May's, 20. 4. 1912
Gurlitt: Karl May †, 28. 4. 1912
Merker (?): "Karl May und kein Ende!",
 5. 5. 1912
Schmid: Karl May's literarischer Nachlaß,
 21. 7. 1912
Mangels: Karl May, 18. 8. 1912
Horn: Erklärung, 8. 1. 1913
Nachfolger: Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt und Anzeiger


Der Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger war eine Zeitung in Hohenstein-Ernstthal.

Geschichte

Das Blatt wurde im Sommer 1873 als Anzeiger für Ernstthal, Hohenstein, Oberlungwitz, Gersdorf und Umgegend durch Heinrich August Schneutzlich (* ?; † 1919) gegründet. Es erschienen drei Ausgaben pro Woche. Gedruckt wurde im Kretzschmar-Haus am Ernstthaler Markt. Später wurde die Zeitung in Wochenblatt und Anzeiger für Ernstthal umbenannt. 1876 wurde die Druckerei in die Bahnstraße 7 verlegt.[1]

1880 übernahm Hermann Meyer das Blatt; die Druckerei zog in die Bahnstraße 64. Im Juli 1887 bezog die Druckerei ihren letzten Standort in der Bahnstraße 3.[2]

1893 wurde die Zeitung Wochenblatt und Anzeiger für Ernstthal vom Buchdruckereibesitzer Karl Richard Decker (* 1866; † 1930) übernommen. Ab 1. Januar 1898 (nach der Vereinigung von Hohenstein und Ernstthal) erschien sie unter dem neuen Titel Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger. Ab sofort erschien sie an jedem Werktag.[3]

Am 1. Oktober 1902 übernahm die Buchdruckerei Horn und Lehmann die Verlagsrechte am Anzeiger.[4] Ab 1909 erschien an den Abenden der Werktage die Ausgabe für den folgenden Tag.[5] Nach Emil Lehmanns Tod verkaufte Emil Horn 1919 die Druckerei und die Zeitung an Gustav Hohenstein.[6] Horn behielt aber die Schriftleitung, Dagobert Culp war von da an für Lokales, Inserate und Reklame zuständig.[7]

Gustav Hohenstein konnte 1921 das Blatt aus finanziellen Gründen nicht mehr halten und bot es Alban Frisch vom konkurrierenden Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt an. Am 30. September 1922 erschien die letzte Ausgabe des Anzeigers, am 1. Oktober wurden die beiden Blätter zum Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt und Anzeiger zusammengeschlossen.[8]

Der Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger und Karl May

Erster Angriff der Frankfurter Zeitung

Während Karl May seine lange Orientreise unternahm, veröffentlichte die liberale Frankfurter Zeitung am 3. Juni 1899 einen Artikel, der sich kritisch mit May und seinen Werken auseinandersetzte. Vorausgegangen war diesem die Entfernung May'scher Bücher aus mehreren bayerischen Schulbibliotheken im Frühjahr des Jahres. Der Artikel selbst störte sich an der Roheit und der tendenziösen Verherrlichung des bigotten Christenthums in Mays Werken und fügte hinzu,

daß Karl May die fernen Länder, die er so anschaulich schildert, mit keinem Fuß betreten hat.

Tenor des Artikels war der Satz:

Wir halten also die ganze Karl May-Literatur für keine erfreuliche Erscheinung.

Dieser Artikel der Frankfurter Zeitung wurde am 27. August 1899 im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger zustimmend nachgedruckt mit der Bemerkung, dass der aus Ernstthal stammende Karl May bei den hiesigen Einwohnern noch in guter Erinnerung ist.[9]

Karl Mays Schwester Wilhelmine Schöne suchte daraufhin am 28. August die Redaktion des Anzeigers auf und gab an, dass sie in Besitz einer Postkarte Karl Mays aus Ägypten sei, wodurch sie seine Reisen belegen könne. Das Blatt veröffentlichte am folgenden Tag eine kurze Bemerkung über diesen Besuch und äußerte die Ansicht, dass die Ansichtskarte [...] von der letzten Kaiserreise[10] herrührt.[11]

Am 10. Oktober 1899 druckte der Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger einen ausführlichen Artikel der Deutschen Wacht vom 6. Oktober nach, in dem sowohl die Polemik der Frankfurter Zeitung als auch Mays unter dem Pseudonym Richard Plöhn veröffentlichte Antwort Karl May und seine Gegner dargestellt, zitiert und kommentiert wurde.[12]

Willy Winter

1906 erschien Karl Mays einziges vollendetes Drama Babel und Bibel. Maximilian von Witzleben schrieb dazu eine Rezension, die am 13. Juni 1906 im Hildesheimer Kurier zu lesen war. Der in Hohenstein-Ernstthal tätige Lehrer Willy Winter bemühte sich 1906 vergeblich, diesen Artikel im Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt zu veröffentlichen, und übergab ihn an Oscar Clemens Meyer vom Anzeiger.[13] Dort erschien am 9. Dezember ein Nachdruck der Besprechung Maximilian von Witzlebens.[14]

Zu Karl Mays 65. Geburtstag veröffentlichte Willy Winter am 26. Februar 1907 den Artikel Auf! im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger, in dem auf Mays Herkunft aus Ernstthal Bezug genommen wurde. Außerdem verurteilte Winter darin die Presseangriffe auf May.[15]

Zur Fischer-Ausgabe des Romans Die Liebe des Ulanen äußerte sich Willy Winter am 6. September 1907 in seinem Anzeiger-Artikel So ist es! Er merkte an, dass dieser und die anderen Kolportageromane Karl Mays

zum Zwecke größeren Umsatzes ohne sein Wissen und Wollen verändert (...] wurden zu schlüpfrigen Hintertreppenromanen.[16]

Zu den Lebius-Prozessen (1)

Am Heiligabend 1909 erschien im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger unter der Spitzmarke Sensationelle Enthüllungen über Karl May? ein erster Bericht über die Angriffe Rudolf Lebius' in seinem Berliner Blatt Der Bund. Zu dieser Zeit befand sich Lebius in einem Prozess gegen den sozialdemokratischen Vorwärts und die Deutsche Metallarbeiter-Zeitung, bei dem Karl May als Zeuge auftreten sollte. Um diesen Zeugen unglaubwürdig zu machen, veröffentlichte Rudolf Lebius im Bund vom 19. Dezember den Artikel Hinter die Kulissen sozialdemokratischer Prozeßführung, in dem er Karl Mays Vorstrafen ausgeschmückt und übertrieben darstellte. Seinen anonym erschienenen Text sandte Rudolf Lebius u. a. auch an den Anzeiger.[17] Dieser druckte den Artikel jedoch nicht nach, sondern äußerte vorsichtig:

Was nunmehr von seinen [nämlich Mays] Taten, insbesondere in Gemeinschaft mit einem gewissen Krügel erzählt wird, klingt so phantastisch, daß man eine Bestätigung erst abwarten muß.[18]

Über den von Karl May verlorenen Beleidigungsprozess gegen Rudolf Lebius am 12. April 1910 vor dem Schöffengericht Berlin-Charlottenburg (geborener Verbrecher) berichtete der Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger in seiner Ausgabe vom 13. April. In dem Bericht, der unter der Rubrik Depeschen vom 12. April erschien, wurden Mays Vorstrafen genannt und die Bemerkung ergänzt:

Außerdem wurde festgestellt, daß er auch als Literat ein Räuber, Dieb und Hochstapler ist.[19]

Am folgenden Tag erschien ein längerer Artikel dazu, in dem die Straftaten Karl Mays ausführlich dargestellt und durch mehrere (von Louis Krügel und Rudolf Lebius erfundene) erweitert wurden. Außerdem ist Mays Erwiderung auf die Erörterung dieser Verbrechen vor Gericht abgedruckt:

"Wenn das alles wahr wäre, was hier gegen mich vorgebracht worden ist, so würde ich nicht mehr leben. Dafür gibt es noch immer einen Revolver. Es ist richtig, daß ich Strafen verbüßt habe, aber nicht die, die mir hier vorgeworfen wurden.[20]

Eine Richtigstellung zu diesem Bericht erschien bereits am 15. April 1910 nach Hinweisen aus dem Leserkreise. Diese bezogen sich allerdings nur darauf, dass Karl May seinerzeit nicht vom Militär, sondern nur durch die Gendarmerie, den Ernstthaler Turnern und der Hohensteiner Feuerwehr gesucht wurde. Außerdem wurde der Grund von Louis Krügels Desertion berichtigt. Der kurze Artikel gipfelt in dem Satz:

So schlimm, wie die ganze Angelegenheit aufgebauscht wurde, hat sie sich in vielen Fällen nicht zugetragen.[21]

Ein alter Schulgenosse Karl Mays, dessen Name nicht genannt wurde, trat im Anzeiger vom 16. April für den Schriftsteller ein. Im Text heißt es:

Karl May als einen geborenen Verbrecher oder Räuberhauptmann zu bezeichnen, dürfte wohl der Wahrheit nicht entsprechen. [...] Sein früherer Lebenswandel darf ihm nicht als Schlechtigkeit ausgelegt werden, er läßt ihn vielmehr als Abenteurer erscheinen.[22]

Am 20. April zitiert der Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger ausführlich einen Artikel der Augsburger Postzeitung, in dem Karl May vor allem gegen Angriffe aus dem christlichen Lager verteidigt wurde. Außerdem ist eine Notiz über die von May eingelegte Berufung gegen das Charlottenburger Urteil beigefügt.[23]

Dass das Verfahren gegen Rudolf Lebius eingestellt wurde, meldete der Anzeiger am 28. April und erwartete den Erfolg von Mays Berufung.[24]

Der Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger vom 21. Mai 1910 brachte eine Besprechung von Egon Erwin Kischs Interview mit Karl May, das am 15. Mai in der deutschsprachigen Prager Zeitung Bohemia erschienen war.[25]

Karl May ./. Emil Horn

Bereits am 20. Mai 1910 erteilte May dem Rechtsanwalt Max Hermann Haubold eine Prozess-Vollmacht in der Privatklage gegen Emil Horn wegen Beleidigung am Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal.[26]

Vorausgegangen waren der Klage die beiden Artikel vom 13. und 14. April im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger, dessen Chefredakteur Emil Horn zu dieser Zeit war.[27] Gegen den zweiten Artikel stellte May anfangs nur einen Strafantrag.[28] Erst am 13. Juni reichte Haubold für May gegen Horn auch eine Privatklage ein, die am 14. Juni im Amtsgericht einging. In diesem Schreiben bat Mays Anwalt außerdem darum,

die zur Zeit schwebenden Privatklagsachen des Karl May gegen Krügel und gegen Horn an einem Schöffensitzungstag zur Verhandlung zu bringen und erst im Juli 1910 Hauptverhandlungstermin anzuberaumen.[29]

Am 29. Juni informierte Max Hermann Haubold das Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal darüber, dass es außergerichtliche Vergleichsverhandlungen zwischen Karl May und Emil Horn gäbe, und bat darum, von Erlaß eines Beschlusses über Eröffnung des Hauptverfahrens [...] zur Zeit noch Abstand zu nehmen.[30]

Die Erklärung des zustande gekommenen Vergleichs reichte Haubold am folgenden Tag beim Amtsgericht ein. Darin zog die Redaktion des Hohenstein-Ernstthaler Anzeigers ihre unwahren Behauptungen zurück, sie bedauerte deren Verbreitung und verpflichtet sich, in ähnlichen Fällen vorher sich beim Privatkläger nach dem wahren Sachverhalt zu erkundigen sowie Karl Mays Klagekosten zu tragen. May zieht daraufhin seine Klagen und Strafanträge zurück.[31] Am 3. Juli erschien die Erklärung im Anzeiger.[32]

Von diesem Zeitpunkt an stand der Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger vollständig auf Karl Mays Seite.[33] Am 14. Juli wurde das Verfahren gegen Emil Horn offiziell eingestellt.[34]

Zu den Lebius-Prozessen (2)

Ein Anzeiger-Artikel vom 29. Juli wies darauf hin, dass Karl May eine Massenklage gegen alle Zeitungen vor Gericht bringen wolle, die ihn als geborenen Verbrecher bezeichnet hatten.[35] Dazu kam es allerdings nicht.

Am 6. August 1910 erschien ein offener Brief Karl Mays an Emil Horn im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger. Darin beschrieb der Schriftsteller, wie er Rudolf Lebius kennen lernte und dieser sich später zu seinem Erzfeind entwickelte. Weiterhin bekannte May sich zu seinen tatsächlich verübten Straftaten, wies aber darauf hin, dass viele der genannten von Louis Krügel erfunden worden waren.[36]

Der Anzeiger vom folgenden Tag brachte einen mit a. signierten Bericht über John Ojijatekha Brant-Sero, den neuen Gegner Mays. Darin wird dieser Mohawk-Indianer dargestellt als einer, der

für Geld auf deutschen Vogelwiesen herumtanzt, den Mörder, Räuber und Brandstifter spielt und dann, weil er seine Schulden nicht bezahlen kann, in die Arme des Herrn Lebius eilt.[37]

Ein ausführlicher Bericht über die Oeffentliche Schöffengerichts-Verhandlung May-Lebius-Krügel erschien am 10. August 1910 im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger. Dargestellt sind darin die Vorgeschichte, die Verhandlung und der Vergleich im Prozess zwischen Richard Krügel und Karl May vor dem Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal. Der Text enthält außerdem die Passage:

Inzwischen befinden sich die beiden Stadtteile in einer noch nie dagewesenen Aufregung. Die Stimmung ist ganz ausschließlich nur für Karl May. Es gibt Stimmen, welche verlangen, daß Lebius gelyncht werde.[38]

Nach einem Artikel im Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt vom 14. August wurde dieser Bericht des Anzeigers

noch am Abende des Verhandlungstages in mehreren hundert Exemplaren von Herrn May in alle Welt geschickt,

so auch an das Meißner Tageblatt, das den Bericht ironisch kommentierte.[39]

Eine Gegendarstellung Rudolf Lebius' zu Karl Mays offenem Brief vom 6. August erschien am 16. August im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger. Darin behauptete er, May hätte ihn gebeten, die Broschüre Karl May und seine Schriften von Max Dittrich zu verlegen, und alle in der Sachsenstimme veröffentlichten Artikel gegen May rührten nicht von ihm her.[40]

Karl May ließ am 21. August 1910 im Anzeiger unter dem Titel Karl May gegen Lebius ein umfangreiches vor dem Notar Oskar Dierks Beeidigtes, notarielles Protokoll veröffentlichen. Darin beschrieb Richard Krügel seine Kontakte mit Rudolf Lebius und dessen Aktivitäten gegen May.[41]

Karl May ./. Alban Frisch

Die Ausgabe des Hohenstein-Ernstthaler Anzeigers vom 23. August brachte einen weiteren offenen Brief Karl Mays an Emil Horn, in dem er auf Lebius' Berichtigung reagierte. May stellte hier aus seiner Sicht die Kontakte zu Lebius und dessen Angriffe dar. Außerdem berichtete er über seine Beleidigungsklage gegen den Redakteur des Hohenstein-Ernstthaler Tageblatts, Dr. Alban Frisch.[42] Im Tageblatt erschien daraufhin am folgenden Tag eine Antwort darauf, in der der Anzeiger als Mays Leiborgan bezeichnet wurde. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass seitens des Amtsgerichts Hohenstein-Ernstthal noch keine Klage-Zustellung erfolgt sei.[43] Schon am 25. August entgegnete der Anzeiger darauf:

Wir haben schon bei früheren Gelegenheiten erklärt, daß wir das "Tageblatt"   n i e   e r n s t   g e n o m m e n   h a b e n,   leider können wir es auch jetzt noch ernst nehmen und fürchten, überhaupt   n i e   in die Lage zu kommen, unsere liebe Konkurrenz als vollwertig anzusehen.[44]

Ein nächster offener Brief Karl Mays, der ebenfalls auf den Tageblatt-Artikel vom 24. August Bezug nahm, erschien am 26. im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger. May nahm darin den Anzeiger in Schutz und erwähnte zum wiederholten Male seine inzwischen eingereichte Klage gegen Alban Frisch.[45]

Die Reaktion des Tageblatts auf diese beiden Artikel erschien am 26. und 27. August 1910 und stellte wiederum dessen ablehnende Haltung zu Karl May dar.[46]

Zur Klage gegen Alban Frisch veröffentlichte der Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger am 31. August ein von Karl May eingesandtes Schreiben mit dem Titel May contra Frisch, in dem nochmals seine Position und die Gründe für die Privatklage dargestellt wurden.[47]

Über den weiteren Verlauf des Gerichtsverfahrens, das in einem (nicht veröffentlichten) Vergleich endete,[48] berichtete der Anzeiger nicht.

Zu den Lebius-Prozessen (3)

Am 20. Dezember 1911 erschien im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger eine kurze Notiz über Karl Mays Sieg in der Berufungsverhandlung (geborener Verbrecher) gegen Rudolf Lebius.[49]

Einem weiteren Prozess zwischen May und Lebius ist ein Anzeiger-Artikel vom 12. Januar 1912 gewidmet. Unter der Spitzmarke Eine Ortsbesichtigung im Karl May-Prozeß in Hohenstein-Ernstthal? wird eine nicht näher bezeichnete Berliner Meldung kommentiert, nach der eine Räuberhöhle im Walde bei Hohenstein-Ernstthal (nämlich die heutige Karl-May-Höhle) gesucht werden sollte.[50]

Nach dem Tod Karl Mays am 30. März 1912 wurden die gerichtlichen Untersuchungen eingestellt.

Nachrufe und Nachträgliches zu Karl May

Obwohl Karl Mays Witwe Klara das Ableben ihres Gatten bis nach der Beisetzung am 3. April 1912 geheim halten wollte, erschien bereits am 2. eine kurze Notiz darüber im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger.[51]

Ein ausführlicher Nachruf mit einer sonst unbekannten Fotografie Mays folgte am nächsten Tag. Darin wurde ein kurzer Überblick über Karl Mays Leben und Werk gebracht, wobei die Prozesse nicht ausgespart wurden. Der Text schließt mit den Worten:

Uns Hohenstein-Ernstthaler Bürgern war er nicht nur einer der bedeutendsten Heimatsöhne, sondern gilt uns auch als ein Vorbild wahrer Menschenliebe und starken Kampfesmutes, eine Eiche, welche das Sturmgewitter von Jahrzehnten nicht zu stürzen vermochte![52]

Am 5. April wurde im Anzeiger über Karl Mays Beerdigung berichtet und erwähnt, dass dabei auch der Hohenstein-Ernstthaler "Turnerbund" [...] eine Kranz aufs Grab gelegt hatte.[53]

Zwei Tage darauf erschien ein umfangreicher Artikel Karl May's Werke, der mit mt. signiert war. Dahinter verbirgt sich vermutlich der Hohensteiner Lehrer und Kantor Gotthilf Ferdinand Theodor Merker (* 1855; † 1932). Im Text werden keine einzelnen Bücher Mays rezensiert, sondern die Grundgedanken seiner Werke dargestellt:

Karl May schreibt nicht für den Erfolg, er ist der größte Idealist, er schreibt für die Seele seiner Leser.[54]

Mit den Worten Zum Tode Karl May's ist ein weiterer Artikel aus der Feder von mt. überschrieben, der am 20. April im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger veröffentlicht wurde. Dieser ist eine Antwort auf eine Parodie über Mays Eintritt in den katholischen Himmel, die in der Münchner Zeitschrift Jugend, Nr. 16/1912, erschienen war. mt. bezeichnete diesen ironischen Text als Herzenserguß eines Alles-besser-Wissers.[55]

Von dem Schulreformer Ludwig Gurlitt erschien am 28. April ein Artikel mit der Überschrift Karl May †, der zuerst im Hamburger Allgemeinen Beobachter erschienen war und später in die Broschüre Gerechtigkeit für Karl May! übernommen wurde. Gurlitt gab in dem umfangreichen Artikel Briefe Mays an ihn vollständig wieder und legte besonderen Wert auf die pädagogische Bedeutung der May'schen Werke.[56]

Der oben genannte mt. veröffentlichte im Anzeiger vom 5. Mai einen Artikel "Karl May und kein Ende!", in dem er verschiedene Texte für und gegen Karl May zitiert und einiges über die Berliner Karl-May-Vereinigung berichtet.[57]

Unter dem Titel Karl May's literarischer Nachlaß erschien im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger vom 21. Juli 1912 ein Artikel des späteren Karl-May-Verlegers Euchar Albrecht Schmid, der zuvor im Radebeuler Tageblatt abgedruckt worden war. Schmid ging in dem Artikel vor allem auf Mays Dramenfragmente Erlöst! (Ahasver), Kyros und Scheitana ein und zitierte daraus.[58]

Ein letzter ausführlicher Artikel Karl May erschien am 18. August im Anzeiger, verfasst vom Krefelder Oberlehrer Wilhelm Mangels und mit der Bemerkung (Nachdruck erbeten.) versehen. Darin wird Mays Lebensweg auf komprimierte Weise dargestellt.[59]

Sonstige Beiträge zu Karl May

  • Unter der Überschrift Karl Mays Werke erschien am 23. Dezember 1906 im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger anonym ein lobender Artikel über Karl May, in dem die Titel seiner Reiseerzählungen aufgezählt werden und besonders auf sein Spätwerk hingewiesen wird. Außerdem enthält der Text ein ausführliches Zitat aus dem Porträt Mays, das im Nachschlagewerk Bildende Geister. Unsere bedeutendsten Dichter und Schriftsteller der Gegenwart und Vergangenheit (Hrsg.: Fritz Abshoff) erschienen war.[60]
  • Im Anzeiger vom 30. August 1910 erschien ein fünfstrophiges Gedicht mit dem Titel An Karl May. Dieses war der Zeitung von M. Pierre [d.i. Marie Sauer ] aus dem schlesischen Glatz zugesandt worden.[61]
  • Eine kurze Notiz in der Ausgabe des Anzeigers vom 27. September 1910 informierte die Leser über den von May angestrengten Prozess gegen Expeditus Schmidt.[62]
  • Zu Mays Prozess gegen Pauline Münchmeyer, den er am 22. Dezember 1911 gewann, berichtete der Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger am 29. Dezember 1911.[63]
  • Eine kurze Notiz im Anzeiger vom 14. April 1912 informierte darüber, dass Karl May ein Vermögen von 5 Millionen Mark hinterlassen habe.[64]
  • Eine Erklärung Emil Horns, die am 8. Januar 1913 im Anzeiger veröffentlicht wurde, besiegelte den Vergleich in einem Beleidigungsprozess Rudolf Lebius gegen Emil Horn. Der Redakteur nahm die am 23. August 1910 in seinem Blatt gegen Lebius geäußerten Beschuldigungen zurück.[65]

Anmerkungen

  1. Steinmetz: Lokalpresse, S. 52.
  2. Steinmetz: Lokalpresse, S. 52.
  3. Steinmetz: Lokalpresse, S. 53.
  4. Steinmetz: Lokalpresse, S. 54.
  5. Steinmetz: Lokalpresse, S. 55.
  6. Steinmetz: Lokalpresse, S. 56.
  7. Steinmetz: Lokalpresse, S. 58.
  8. Steinmetz: Lokalpresse, S. 56.
  9. Steinmetz: Lokalpresse, S. 59.
  10. Kaiser Wilhelm II. besuchte im Herbst 1898 Jerusalem, nicht aber Ägypten.
  11. Steinmetz: Lokalpresse, S. 60.
  12. Steinmetz: Lokalpresse, S. 60-62.
  13. Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz: Karl-May-Chronik IV. Sonderband zu den Gesammelten Werken. Karl-May-Verlag BambergRadebeul 2005, S. 115. ISBN 978-3-7802-0170-6.
  14. Steinmetz: Lokalpresse, S. 63 f.
  15. Steinmetz: Lokalpresse, S. 65.
  16. Steinmetz: Lokalpresse, S. 66 f.
  17. Steinmetz: Schatten in der Heimat, S. 51.
  18. Steinmetz: Lokalpresse, S. 69.
  19. Steinmetz: Lokalpresse, S. 70.
  20. Steinmetz: Lokalpresse, S. 71 f.
  21. Steinmetz: Lokalpresse, S. 75.
  22. Steinmetz: Lokalpresse, S. 75.
  23. Steinmetz: Lokalpresse, S. 76.
  24. Steinmetz: Lokalpresse, S. 77.
  25. Steinmetz: Lokalpresse, S. 77.
  26. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 153.
  27. Jürgen Seul: Old Shatterhand vor Gericht. Sonderband zu den Gesammelten Werken. Karl-May-Verlag Bamberg–Radebeul 2009, S. 518 f.
  28. Seul: Old Shatterhand vor Gericht, S. 519.
  29. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 174.
  30. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 189.
  31. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 190.
  32. Steinmetz: Lokalpresse, S. 79 f.
  33. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 202.
  34. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 209 f.
  35. Steinmetz: Lokalpresse, S. 81.
  36. Steinmetz: Lokalpresse, S. 81.
  37. Steinmetz: Lokalpresse, S. 84 f.
  38. Steinmetz: Lokalpresse, S. 85-88.
  39. Steinmetz: Lokalpresse, S. 93.
  40. Steinmetz: Lokalpresse, S. 93 f.
  41. Steinmetz: Lokalpresse, S. 94-98.
  42. Steinmetz: Lokalpresse, S. 98-100.
  43. Steinmetz: Lokalpresse, S. 100.
  44. Steinmetz: Lokalpresse, S. 101 f.
  45. Steinmetz: Lokalpresse, S. 102 f.
  46. Steinmetz: Lokalpresse, S. 103 f.
  47. Steinmetz: Lokalpresse, S. 105 f.
  48. Schmidt: Die Beziehungen, S. 90.
  49. Steinmetz: Lokalpresse, S. 110.
  50. Steinmetz: Lokalpresse, S. 112 f.
  51. Steinmetz: Lokalpresse, S. 113.
  52. Steinmetz: Lokalpresse, S. 114 f.
  53. Steinmetz: Lokalpresse, S. 117.
  54. Steinmetz: Lokalpresse, S. 117-119.
  55. Steinmetz: Lokalpresse, S. 120.
  56. Steinmetz: Lokalpresse, S. 121-123.
  57. Steinmetz: Lokalpresse, S. 124 f.
  58. Steinmetz: Lokalpresse, S. 127-129.
  59. Steinmetz: Lokalpresse, S. 129-132.
  60. Steinmetz: Lokalpresse, S. 64.
  61. Steinmetz: Lokalpresse, S. 104 f.
  62. Steinmetz: Lokalpresse, S. 106.
  63. Steinmetz: Lokalpresse, S. 112.
  64. Steinmetz: Lokalpresse, S. 119.
  65. Steinmetz: Lokalpresse, S. 133.

Literatur

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