Hermann Schlichting

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Hermann Schlichting war ein Redakteur in Dresden, der bei der Dresdner Rundschau tätig war.

Hermann Schlichting und Karl May

Im Dezember 1904 sandte Karl May ein angeblich von Max Dittrich verfasstes Manuskript an Hermann Schlichting. Dieser war – ebenso wie May selbst – von Rudolf Lebius angefeindet worden. In dem beigelegten Brief schrieb May:

Wahrscheinlich erinnern Sie sich meiner als alten Abonnenten. Kurz vor meiner letzten, 2jährigen Orientreise abonnierte ich persönlich bei Ihnen gleich auf mehrere Jahre, um mir von meiner Frau von Zeit zu Zeit Ihr Blatt nachsenden zu lassen. Da haben wir uns in Ihrer Redaction gesehen. Ich glaube also ziemlich genau zu wissen, was Sie wollen und wie Sie sich stehen. Da lese ich nun, was Herr Lebius über Sie sagt, und ich denke an ein kleines Manuscript meines alten, guten Max Dittrich, welches er veröffentlichen wollte, auf mein Anrathen aber unveröffentlicht bei mir liegen ließ. Ich sende es Ihnen, nicht damit Sie es abdrucken, sondern nur, damit Sie es durchlesen und mir dann wiedersenden. Ich halte es einfach für meine Menschenpflicht, Ihnen zu zeigen, wer und was Herr Lebius eigentlich ist. Ich füge kein Wort hinzu und erkläre nur, daß die Originale der angeführten Briefe Ihnen bei mir zur Einsicht und Verfügung stehen.[1]

Auf diesen Brief hin besuchte Hermann Schlichting Karl May am 29. Dezember in dessen Villa "Shatterhand" in Radebeul. Mays zweite Frau Klara notierte dazu in ihrem Tagebuch:

[...] er stellt uns seine Zeitung zur Verfügung.[2]

Am 18. März 1905 erschien in der Dresdner Rundschau Schlichtings Artikel über Rudolf Lebius unter dem Titel Ein ganzer Kerl. Darin wurden vier Bettelbriefe Lebius' an Karl May – ohne dessen Namen zu nennen – zitiert, ebenso die anonyme Erpresserkarte sowie ein Schreiben an Max Dittrich.[3]

Dittrich hatte eine Beleidigungsklage gegen Lebius eingereicht und diese auch nicht zurückgezogen, als Rudolf Lebius behauptete, erst eine Postkarte Dittrichs an Hermann Schlichting habe ihn zu seinem inkriminierten Artikel Wer sind die Hintermänner der Dresdner Rundschau? (Sachsenstimme, 27. März 1905) veranlasst. Schlichting widersprach dieser Darstellung am 26. September in einem Brief an Klara May. Er habe Dittrichs Karte erst erhalten,

nachdem längst der Schandartikel des Lebius gegen Herrn Dietrich [sic] in der jetzt eingegangenen "Sachsenstimme" erschienen war. [...] Die qu.[4] Postkarte enthielt lediglich die Notiz, daß Herr D[ittrich] den Lebius wegen Verläumdung pp.[5] verklagen werde, nichts weiter.[6]

Weitere Kontakte zwischen Hermann Schlichting und den Mays sind nicht bekannt.

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 436 f.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 444.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 483.
  4. Vermutlich lateinisch quaedam: gewisse.
  5. Lateinisch perge, perge: und so weiter.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 539.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.