Hermann Cardauns

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Hermann Cardauns

Bernhard Hermann Cardauns (* 8. August 1847 in Köln; † 14. Juni 1925 in Bonn; Pseudonym als Schriftsteller: Heinrich Kerner) war ein deutscher katholischer Historiker, Schriftsteller und Journalist. Er war der Chefredakteur der katholischen Zeitschrift Kölnische Volkszeitung.

Seit 1899 griff er Karl May in Vorträgen und Zeitungsartikeln an, obwohl er ihn noch 1892 wohlwollend rezensierte.

Biografie

Cardauns begann 1865 17-jährig seine Studien der Geschichtswissenschaft an der Universität Bonn. Dort trat er in den K. St. V. Arminia ein und war drei Semester im Vorstand, zuletzt im Wintersemester 1867/68 als Senior. Im Wintersemester 1866/67 war Cardauns vorübergehend an die Universität München gewechselt.

1869 wurde Cardauns Mitarbeiter der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1872 wurde er in Bonn im Fach Mittelalterliche Geschichte habilitiert. Als Dozent hatte er dort anerkannte Erfolge. Zu den Teilnehmern seiner Seminarübungen gehörte Ludwig von Pastor, der spätere Biograph der Päpste.

Unter dem Eindruck des Kulturkampfs errechnete sich Cardauns nur geringe Ausssichten auf eine Professur – sein in gleichen Jahr habilitierter Bundesbruder in der Arminia, Georg von Hertling, musste 17 Jahre auf eine Berufung warten. Cardauns verzichtete auf die venia legendi (Lehrbefugnis) und ging 1876 bis 1907 als Chefredakteur zur Kölnischen Volkszeitung, die in der Folge das führende rheinische Zentrumsblatt wurde. Cardauns war damit einer der Leiter der deutschen Tagespublizistik. Er übernahm das Amt mitten in den heftigsten kirchenpolitischen Auseinandersetzungen, als ein verantwortlicher Redakteur stets mit einem Fuß im Gefängnis stand. Seine drei Schwestern waren als Ordensfrauen des Sacré Coeur bis zu ihrem Lebensende aus dem Reich ausgewiesen.

Neben der Tagespublizistik hatte Cardauns weitergehende wissenschaftliche und schriftstellerische Interessen. Er war ein bedeutender Kopf (Wilmont Haacke in NDB) und ein defensor fidei (Verteidiger des Glaubens; Karl Hoeber). Cardauns nahm zu Lebzeiten die erste Stelle unter Karl Mays Feinden ein. Er hatte die Öffentlichkeit vor den Reiseberichten Mays gewarnt, die nicht auf Selbsterlebtem beruhten: "Der Schriftsteller war niemals in jenen fernen Ländern, die er so anschaulich und farbenprächtig beschrieben hat." May reagierte ebenfalls öffentlich auf das Heftigste.

1894 bis 1901 diente Cardauns seiner Vaterstadt Köln als Stadtverordneter, lehnte aber eine weitergehende politische Laufbahn ab. Er war Mitbegründer der Görres-Gesellschaft, leitete seit 1885 die Herausgabe der Vereinsschriften und wurde später Generalsekretär. Seine Leistungen für die Katholische Sache fanden verdienten Anerkennung, als Cardauns 1902 Präsident des Katholikentags wurde.

Anfang Mai 1907 legt Cardauns sein Amt als Hauptredakteur der Kölnischen Volkszeitung nieder.

Cardauns war verheiratet und hatte sieben (manchen Quellen zufolge: acht) Kinder, darunter den im Ersten Weltkrieg als Kompaniechef gefallenen Sohn Ludwig Cardauns, ebenfalls Historiker und Habilitant an der Universität München.

Auseinandersetzung mit Karl May

Cardauns begann 1899 gegen May zu schreiben. Sein Artikel "Ein ergötzlicher Streit", der am 5. Juli 1899 in der Kölnischen Volkszeitung erschien, hatte die Artikelserie von Fedor Mamroth gegen May zum Anlass und wurde von Mamroth in seinem letzten Artikel in der Causa May zitiert. Während es in dem erwähnten Zeitungsartikel noch hieß, Herrn May mit dem Pariser Schwindler [gemeint ist Léo Taxil] auf dieselbe Stufe zu stellen, fällt uns nicht ein, ging Cardauns, nachdem er von Mays Kolportageromanen und deren "pornographische[n] Riesenkapital[en]" erfahren hatte, massiv gegen den Schriftsteller vor. Cardauns hielt 1901/02 Vorträge über Literarische Kuriosa, in denen May neben Taxil gestellt wurde. In dem 1902 erschienenen Artikel Herr Karl May von der anderen Seite, der eine erweiterte Ausarbeitung dieser Vorträge ist, warf er ihm Heuchelei vor:

hat er [May] es fertig gebracht, gleichzeitig in 'Missionsarbeit' und im Gegentheil zu machen. Seine reinliche und seine unreinliche Periode folgen sich nämlich nicht, sondern sie fallen zusammen, mindestens für den Zeitraum 1882-87.

Eine weitere größere Schrift gegen May ist Die "Rettung" des Herrn Karl May von 1907, in dem Cardauns sich mit Mays Prozessen, besonders dessen Sieg vor dem Reichsgericht, und deren Rezeption in den Medien beschäftigt.

Bewertung

Cardauns Auseinandersetzung mit May ist wohl nur vor dem Hintergrund des Falls Taxil und des Kulturkampfes zu verstehen. Günter Scholdt schreibt:

[...] wenn katholische Literaturreformer im Kampf gegen ungeliebte Tendenzen, denen früher zu begegnen der Solidaritätsdruck des Kulturkampfes verhindert hatte, die Gunst der Stunde [die Angriffe Mamroths] nutzten, so war dies, abgesehen von den verwendeten platten moralischen Klischees und persönlicher Unlauterkeit, zunächst einmal ihr gutes Recht.[1]

Christoph F. Lorenz meint, dass Cardauns May angriff, um Schaden vom katholischen Lager abzuwenden, denn der vermeintlich als "Pornograph" enttarnte May galt als "katholisierender" Schriftsteller, der mit Empfehlungsschreiben mehrerer Bischöfe Werbung machen ließ.[2] Cardauns hätte deswegen in May einen Heuchler wie Taxil gesehen, von dem die katholischer Seite sich unbedingt distanzieren müsste:

Cardauns war viel zu sehr Parteipolitiker und Journalist, um sich die in jahrzehntelangem Kleinkrieg gegen die preußische Kulturkampfbürokratie erprobte Strategie der 'Vernichtung' eines schwachen Gegners im Falle May versagen zu können.

Mays veröffentlichte Reaktionen auf Cardauns Angriffe waren ambivalent. In seinem dritten offenen Brief An den Dresdner Anzeiger heißt es über Cardauns, er sei

ein hyperultramontaner Redaktionspapst[, der] sich einbilde, der Herr und Meister der ganzen katholischen Priester- und Laienschaft zu sein. Man lacht schon längst über seine verfahrenen Taxiliaden [...] [Er ist] bekannt als größster Hetzer seiner Zeit.

Im Text Die "Rettung" des Herrn Cardauns versuchte May einerseits, Cardauns lächerlich zu machen: Er habe einen juristischen Babyverstand, sei ein goldiges Baby [...], dem ein Soxhlet-Hütchen in den Mund gehört, die Münchmeyersche Soxhletflasche und der Hanswurst der Frankfurter Zeitung. Andererseits fragt May in einem pathetischen Abschnitt "Warum hassen sie mich? Warum hasst mich Herr Cardauns?" Es gibt aber auch aggressive Attacken gegen Cardauns: Er sei Fischers journalistischer Schutzpatron, der Verleger und Verbreiter, der Requisiteur und Kulissenschieber dieser beispiellosen Hanswurstiade [gemeint ist die 'Karl-May-Hetze'], dessen Henkerartikel gegen May dessen Prozesse erschwert hätten. Lorenz meint dazu:

Mit Hermann Cardauns war Karl May erstmals ein Mann feindlich entgegengetreten, dem er sich in keiner Weise gewachsen fühlen konnte [...] [und] über [dessen] wirkliche Absichten [er] im Unklaren wahr[sic!]. Die Beziehung Taxil-May-Kulturkampf war ihm, dem in politischen Dingen eher Unbedarften, nicht einsehbar.

Literarisch spiegelte May Cardauns als den Henker Ghulam el Multasim.

Werke

  • Alte Geschichten von Rhein
  • Die Görresgesellschaft 1876-1901
  • Fünfzig Jahre Kölnische Volkszeitung, 1910
  • Aus dem Leben eines Redakteurs, 1912
  • Fünfzig Jahre Kartellverband (1863-1913), Festschrift zum goldenen Jubiläum des Verbandes der Katholischen Studentenvereine Deutschlands, Kempten/München 1913
  • Geschichten aus dem alten Köln, 1920

Jugendbücher

Diese Bücher erschienen unter dem Pseudonym Heinrich Kerner:

  • Walter der Erzpoet, 1887
  • Die Abenteuer des Johann Rensch, 1888
  • Der Stadtschreiber von Köln, 1900

Schriften zu Karl May

schriftliche Reaktionen Mays

Einzelnachweise

  1. Günter Scholdt: Karl-May-Forschung und Karl-May-Gesellschaft. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1987, S. 286 (Onlinefassung). Vgl. dazu auch Andreas Graf: Der Verlag von Heinrich Theissing. Karl May und die katholische Publizistik. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1995, S. 96-99 (Onlinefassung).
  2. Exemplarisch für solche Verteidigungsaktionen sind ein Leserbrief von Cardauns an die Frankfurter Zeitung vom 12. November 1901 und eine Auseinandersetzung mit der Neuen Saarbrücker Zeitung in der Kölnischen Volkszeitung vom 5. Mai 1902; abgedruckt in Kosciuszko: Im Zentrum der May-Hetze, S. 92 bzw. S. 19–21.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.


Weblinks