Harem

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Harem (arabisch: حرم ha'ram Tabu, heilig, verboten) bezeichnete einen abgeschlossenen und bewachten Wohnbereich eines Serails oder Hauses, in dem die Frauen eines orientalischen Würdenträgers oder Familienoberhaupts lebten (im Gegensatz zu Selamlık, dem offenen Wohnbereich). Auch die für Nicht-Muslime verbotenen Bereiche in Mekka und Medina trugen die Bezeichnung harem-i şerif (Scherif/şerif = edel, vornehm).[1]

Der Harem in der Geschichte[Bearbeiten]

Osmanisches Reich[Bearbeiten]

Haremsdamen bei sommerlichen Vergnügungen an den Süßen Wassern Europas, in den Palastgärten am Goldenen Horn, Miniatur aus Hubannâme ve Zenannâme von Fâzıl-i Enderunî, Illustration des späten 18. Jahrhunderts[2]

Der Koran erlaubte den Muslimen maximal vier Frauen, aber eine beliebige Zahl von Nebenfrauen.[3]

Zitat des Chronisten Osman Ağa aus Temeschwar: "Bei uns fügen sich die Frauen gemäß unserem Glauben dem Gebote Allahs und dem Worte Seines Propheten. Wer es leisten kann, darf sich vier Ehefrauen nehmen und dazu soviele Kebsweiber halten, wie er eben vermag. Diesbezüglich haben unsere Frauen kein Wort der Widerrede zu verlieren." (Aus seinem Gespräch mit Prinzessin Lubomirska, Gattin von Fürst Sieniawski)[4]

Die Damen des Harems waren fast ausschließlich nicht-moslemischer Herkunft aus vielen Ländern, da es verboten war, Muslime zu versklaven.[5]

Der Harem war im Osmanischen Reich nicht allzu häufig anzutreffen. In den arabischen Provinzen gab es wahrscheinlich eine größere Verbreitung als in den europäischen und anatolischen. So hatten im 19. Jahrhundert in Nablus 16% der muslimischen Männer mehr als eine Frau, in Damaskus waren es 12%, in Istanbul hingegen nur 2%. Der Harem des osmanischen Sultans (harem-i hûmayûn[6]) war der größte seiner Zeit. Im Topkapı-Palast gab es über 300 Räume, die für den Harem von manchmal mehr als 800 (anno 1633) Frauen bereitstanden.[7][8]

Mustafa Kemal Atatürk, der Begründer der modernen Türkei, verbot für die Republik die Vielweiberei. Tunesien ist der zweite Staat in der islamischen Welt, in dem dies ebenfalls Gesetz wurde; ansonsten ist Polygamie in den islamischen Ländern erlaubt und wird auch praktiziert.

Als am 24. April 1909 Truppen der Jungtürken den Harem des abgesetzten Sultans Abdülhamid II. stürmten, den Obereunuchen an eine Laterne der Galatabrücke hängten und die Sklavinnen und Eunuchen freiließen, entstand ein für die neue Regierung schwer zu lösendes Problem. Soweit sie eruierbar waren, wurden die Familien der Sklavinnen aufgefordert, ihre Töchter aus Istanbul abzuholen und heimzubringen (meist in den Kaukasus). Doch für viele ehemalige Haremsbewohnerinnen blieb nur der Ausweg, sich für Geld im Abendland bestaunen zu lassen. Bei einer Völkerausstellung in Wien vor dem 1. Weltkrieg war eine solche Gruppe von Frauen und Eunuchen zu sehen.[9]

Andere Kulturen[Bearbeiten]

Im Kaiserreich China waren Polygamie und Harem ebenfalls zwar üblich, hier blieb dies aber fast ausschließlich auf den Adel beschränkt. Der Harem eines chinesischen Kaisers im 19. Jahrhundert setzte sich aus einer Kaiserin, zwei Gemahlinnen, elf Nebenfrauen und zahlreichen Konkubinen zusammen. Die Nebenfrauen wiederum waren in unterschiedliche Ränge unterteilt.

Die Bibel warnt die Juden im 5. Buch Mose 17,17 zwar vor der Vielehe. Dennoch hatte König Salomo nach 1. Könige 11,3 einen Harem von siebenhundert Haupt- und dreihundert Nebenfrauen, unter denen sich nach 1. Könige 9,24 auch eine Pharaonentochter befand[10]. Dass Salomo sie und andere heidnische Frauen besaß, führte zu Diskussionen mit der jüdischen Priesterschaft.

Die ägyptischen Pharaonen hatten ebenfalls einen Harem. Aufgrund des religiös bedingten Inzests war die Königin, also die Hauptfrau, oft die eigene Schwester. Prinzessinnen eroberter oder zu Verbündeten gemachter Länder wurden als Friedenspfand in den Harem des Pharao gebracht. Ein vermögender vornehmer Ägypter konnte sich ebenfalls einen Harem mit Sklavinnen halten.

Auch in schwarzafrikanischen nicht-islamischen Ländern gab und gibt es teilweise noch immer die Institution der Vielweiberei, so z. B. in der Republik Südafrika.

bei Karl May[Bearbeiten]

Harem
im Werk Karl Mays

Das Buch der Liebe
Leïlet
Scepter und Hammer
Deutsche Herzen - Deutsche Helden
Durch Wüste und Harem/Durch die Wüste
Im Reiche des silbernen Löwen II
Die "Umm ed Dschamahl"
Am Jenseits

Durch Wüste und Harem
Durch die Wüste

Karl May hat den ersten Band der Fehsenfeld-Reiseerzählungen ursprünglich "Durch Wüste und Harem" übertitelt, um damit besonders auf den morgenländisch-abenteuerlichen Inhalt hinzuweisen. Der Titel wurde auf Drängen des Verlegers Fehsenfeld ab der 4. Auflage (16.-20. Tausend) im Jahre 1895 in Durch die Wüste geändert.

Weil es im Harem harmlos zugeht, Pikanterien, die Moralprediger aus Titel und Text herauslesen könnten, sowieso ausbleiben, reiten die Helden ab 1895 nur noch "Durch die Wüste".[11]

Dennoch bedient der Autor seine Leser mit den gängigen abendländischen Klischees der Haremswirtschaft:

In der Erzählung "Leïlet" befreit der Ich-Erzähler die Geliebte seines Bruders, Warde, aus der Sklaverei des Harems von Abrahim-Arha (in der späteren Fassung im Band "Durch Wüste und Harem" bzw. "Durch die Wüste" sind es Kara Ben Nemsi, die Montenegrinerin Senitza und Abrahim-Mamur).

Im Roman "Scepter und Hammer" wird der Harem von Manu-Remusat mit dem Eunuchen Selim, der Harem von Hamd-el-Arek und der des Vizekönigs (Khediven) genannt. Aus diesem versucht Katombo vergeblich, seine Schwägerin Sobeïde zu befreien; sie begeht Selbstmord, um dem Begehren des Khediven zu entgehen.

Im ersten Band des Orientzyklus "Durch die Wüste" beschreibt Kara Ben Nemsi den Besuch des Harems von Scheich Mohammed Emin bei den Haddedihn:

In der Nähe seines Zeltes stand ein zweites. Als wir dort eingetreten waren, bemerkte ich drei Araberinnen und zwei schwarze Mädchen. Die schwarzen waren jedenfalls Sklavinnen, die anderen aber jedenfalls seine Frauen. Zwei von ihnen rieben zwischen zwei Steinen Gerste zu Mehl, die dritte aber leitete von einem erhöhten Standpunkte aus diese Arbeit. Sie war offenbar die Gebieterin.[12]

Und in einer Fußnote im selben Band merkt Karl May an:

Das arabische Wort Harem bedeutet eigentlich "das Heilige, Unverletzliche" und bezeichnet bei den Muhammedanern die Frauenwohnung, welche von den übrigen Räumen des Hauses abgesondert ist.
Zykyma und Tschita im Harem

Mehrere Romanfiguren Mays äußern scharfe Kritik an der Institution Harem. Diese Berichte und Zeugnisse, von Karl May vor allem den betroffenen Frauen in den Mund gelegt, seien es Christinnen oder Musliminnen, dienen nach Ansicht einiger Karl-May-Exegeten dazu, der Kritik an seinen Darstellungen des Harems und insgesamt des Islams den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aber auch Kara Ben Nemsi lässt der Autor über Hannehs geistige Weiterentwicklung sinnieren:

Wie fern lag ihr die Indolenz jener unzähligen Orientalinnen, welche den ganzen Zweck und Inhalt ihres Lebens nur darin suchen, in der geistigen Öde des Harems körperlich möglichst rund und schwer zu werden! Und was für ein kluges und energisches Frauchen war diese kleine Hanneh geworden![13]

Zykyma bezeichnet im Kolportageroman "Deutsche Herzen - Deutsche Helden" diesen als "Hölle", als "elendeste Knechtschaft" und als "entsetzlichste Tiefe der Verdammniß".[14] Sie wird dort von Ibrahim Pascha gemeinsam mit Tschita von Adlerhorst gefangengehalten. Diese war ursprünglich für den Harem des Sultans bestimmt. Ihren späteren Befreier sieht Zykyma erstmals an den Süßen Wassern Europas, einem beliebten Ausflugsort der Haremsbewohnerinnen Istanbuls (siehe Illustration von Fâzıl-i Enderunî).

Hadschi Halef Omars Ehefrau Hanneh nennt im Roman "Am Jenseits" die "ganz armselige Haremswirtschaft [...] eine große und ganz unverzeihliche Beleidigung aller Frauen".[15]

Im "Buch der Liebe", bei dem Karl May im Münchmeyer-Verlag als Autor und Redakteur mitgearbeitet hat, wird der Harem in der 1. und 3. Abtheilung des Werkes erwähnt:

[...] und wenn Amerika beabsichtigt, einen Theil seiner weiblichen Aerzte nach China und dem Oriente zu schicken, um ihnen mittelst ihrer medicinischen Kenntnisse den Zutritt in die Harems zu verschaffen, so können wir diese Ausdehnung des Feldes weiblicher Thätigkeit nur willkommen heißen.[16]
Auch besuchen sie [sc. die Türkinnen] sich gegenseitig in ihren Harems. Die Besuchende läßt dann zum Zeichen der Anwesenheit einer fremden Frau ihre Pantoffeln vor der Thüre stehen, und so lange dieselben stehen bleiben, darf selbst der Herr des Hauses den Harem nicht betreten.[17]

Sonstiges[Bearbeiten]

Mays "Harem"

Seine erste Gattin Emma und die gemeinsame Freundin Klara, die Gattin Richard Plöhns, bezeichnete Karl May scherzhaft als "seinen Harem". Dazu wurde auch ein passendes Foto zusammen mit Agnes Seyler angefertigt, in dem die drei Damen in weiße Gewänder gekleidet posierten. Dieses Foto erhielt Karl May aus Deidesheim auf seiner Orientreise zugesandt.[18]

Rezeption[Bearbeiten]

Die Institution der islamischen Polygamie und insbesondere des Harems übte im christlichen Europa im 18. und 19. Jahrhundert eine starke Faszination aus. In der Malerei des Orientalismus war die Darstellung von Haremszenen ein beliebtes Sujet. Jean-Auguste-Dominique Ingres (* 1780; † 1876) oder Jean-Léon Gérôme (* 1824; † 1904) malten erotisch gefärbte Fantasien, in denen der Harem von zumeist nackten Odalisken bewohnt war, die nur darauf warteten, ihrem Gebieter zu Willen zu sein.

Im Gegensatz dazu bieten osmanische Künstler wie Abdülcelil Çelebi Levni, Buharî oder Fâzıl-i Enderunî (siehe Abb. Haremsdamen) realistisch anmutende Haremsszenen, in denen die Bewohnerinnen in Alltagssituationen und bekleidet dargestellt sind.[19]

Die misslungene Befreiung zweier in einen türkischen Harem verschleppten Europäerinnen und die Großmut des Haremsbesitzers stehen im Mittelpunkt von Mozarts Oper "Die Entführung aus dem Serail". Diese Oper war für Lord Eagle-nest im Roman Deutsche Herzen - Deutsche Helden der Anreiz, selbst eine Entführung zu probieren.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Leslie P. Peirce: The imperial harem: women and sovereignity in the Ottoman Empire. Oxford University Press Inc., New York 1993, ISBN 0-19-507673-7, S. 5.
  2. Madeline C. Zilfi: Women in the Ottoman Empire: Middle Eastern women in the early Modern Era. Leiden 1997, S. 163.
  3. Koran, Sure 4, Verse 1-3; Sure 23, Verse 1-6.
  4. Osman Ağa: Zwischen Paschas und Generälen. Bericht des Osman Ağa aus Temeschwar über die Höhepunkte seine Wirkens als Diwansdolmetsch und Diplomat. Übersetzt, eingeleitet und erklärt von Richard Franz Kreutel/Friedrich Kornauth, aus der Reihe Richard Franz Kreutel (Hrsg.): Osmanische Geschichtsschreiber. Band 5, Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 1966, S. 36.
  5. Roswitha Gost: Die Geschichte des Harems. Verlag Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96044-4, S. 171-175.
  6. Peirce: The imperial harem: women and sovereignity in the Ottoman Empire. S. 5.
  7. Peirce: The imperial harem: women and sovereignity in the Ottoman Empire. S. 122.
  8. Bertrand Michael Buchmann: Österreich und das Osmanische Reich. Eine bilaterale Geschichte. WUV-Universitätsverlag, Wien 1999, ISBN 3-85114-479-1, S. 69.
  9. Gost: Die Geschichte des Harems. S. 261-263.
  10. S. auch Stefan Heym: Der König David Bericht, 1972.
  11. Christian Heermann: Winnetous Blutsbruder. Karl-May-Verlag, Bamberg 2002, ISBN 3-7802-0161-5, S. 251.
  12. Karl May: Durch die Wüste. Band 1 der Gesammelten Reiseromane, Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1892, S. 217.
  13. Karl May: Im Reiche des silbernen Löwen. Deutscher Hausschatz, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, XXIV. Jg., Nr. 10, S. 170.
  14. Karl May: Deutsche Herzen - deutsche Helden. 1885-1888, 4. Lieferung, Textfassung der Erstausgabe auf der Internetseite der Karl-May-Gesellschaft.
  15. Karl May: Am Jenseits. 1899, 1. Kapitel – Eine Kijahma, Textfassung der ersten Buchausgabe auf der Internetseite der Karl-May-Gesellschaft.
  16. Karl May: Das Buch der Liebe. Verlag Heinrich Gotthold Münchmeyer, Dresden 1876, 3. Abtheilung: Liebe und Sociation, S. 282.
  17. Dieter Sudhoff (Hrsg.): Das Buch der Liebe, Karl-May-Verlag, Bamberg/Radebeul 2006, 1. Abtheilung, S. 119 f.)
  18. Amira Sarkiss: Karl Mays Orientreise 1899/1900. In: Lothar und Bernhard Schmid (Hrsg.): In fernen Zonen. Karl Mays Weltreisen. Karl-May-Verlag, Bamberg/Radebeul 1999, ISBN 3-7802-0082-1, Bild auf S. 73.
  19. Fariba Zarinebaf-Shahr in: Jonathan Dewald (Hrsg.): Europe, 1450 to 1789; Encyclopedia of the Early Modern World. Charles Scribner's Sons, 2004, Band 3, S. 132.

Weblinks[Bearbeiten]

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