Geschichte der Karl-May-Hörspiele

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Radioproduktionen

Fast 30 deutschsprachige Radioproduktionen basierend auf oder inspiriert von den Werken Karl Mays sind bekannt. Schon in den 1920er Jahren wurde May für das Radio vertont. Wie viele Vertonungen bis vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist unklar, da viele Stücke nicht archiviert wurden und nicht mehr vorhanden sind.

Seit den 1950er Jahren strahlte der WDR hauseigene Radioproduktionen aus. So liefen 1955 die WDR-Produktionen "Der Schatz im Silbersee" und "Winnetou" in mehreren Folgen über den Äther: Hansjörg Felmy sprach den Winnetou. 1958 folgte im WDR-Hörfunk in 10 Teilen "Old Surehand", 1964 "Durch die Wüste".

In den 1980er Jahren wurden die Inszenierungen weniger werkgetreu, dafür mit viel Witz und Kreativität inszeniert. So inszenierte 1988 der Berliner Rundfunk "Old Shatterhand in Moabit", der ORF 1992 die fiktive Geschichte "Vom Wunsch, Indianer zu werden. Wie Franz Kafka Karl May traf und trotzdem nicht in Amerika landete" und der WDR 1998 das Feature "Hugh, ich habe gesprochen", in dem zwischen Hintergrundinformationen über Karl May auch Texte von ihm vorgelesen wurden.

Ein großer Erfolg wurde 2000 die Parodie "Ja uff erstmal!", in der die Rollen des WDR-Winnetou-Hörspiels aus den 1950er Jahren mit elf Künstlern der deutschen Comedy-Szene besetzt worden. Mit von der Partie waren u.a. Jürgen von der Lippe, Rüdiger Hoffmann, Dirk Bach, Hella von Sinnen, Mike Krüger und Bastian Pastewka.

Hörspiele

So manche Kindheit und Jugend der 1960er und 1970er Jahre wurde von Karl-May-Hörspielen geprägt. Die Vinyl-Platten oder Audiokassetten wurden so oft abgespielt, dass die Dialoge vor lauter Kratz- und Rauschgeräuschen kaum noch verständlich waren. Insgesamt sind in der Karl-May-Hörspieldatenbank über 300 Karl-May-Hörspielproduktionen in etwa 1.000 Versionen erfasst. Oft unterscheiden sich die Editionen durch Format wie Vinyl, MC oder CD, Cover, Sprecher, Länge oder Soundqualität wie Mono oder Stereo. So existieren zum Beispiel über 40 Hörspiel-Produktionen, die auf dem Orientzyklus basieren. Auf Winnetou I bis III kommen über 60 Hörspielvarianten. Nicht nur die populären Reiseromane wurden vertont, auch die frühen Jugenderzählungen und das Spätwerk Karl Mays.

Die Rollen wurden oft von bekannten Theaterschauspielern, Schauspielern der Segeberger Festspiele oder Synchronsprechern gesprochen. Viele Hörspiele erschienen in Reihen, was die Sammelleidenschaft des Publikums entfachte. Zu den frühesten Hörspielen gehören die Philips-Singles, die ab 1962 vor allem von Joseph Offenbach in Zusammenarbeit mit dem Karl-May-Verlag inszeniert wurden. 2006 erschienen die Klassiker dieser Hörspielreihe von "Winnetou" bis "Der Schut" erstmals auf CD bei Karussell. Insgesamt sind im Europa-Verlag zwischen 1968 und 1977 29 Hörspiele erschienen, bis heute geschätzt sind "Der Schatz im Silbersee" und die "Winnetou"-Trilogie vertont von Konrad Halver, der auch den Winnetou sprach. Die Stimme Old Shatterhands war die von Michael Poelchau. Zwischen 1971 und 1976 erschien eine 30-teilige Serie der Reise- und Abenteuerromane von Maritim. Kurt Vethake war zumeist für die Regie verantwortlich, Heinz Ingo Hilgers, in den 1960ern populärer Winnetou-Darsteller in Bad Segeberg, sprach den Winnetou, Eberhard Krug den Old Shatterhand oder Kara Ben Nemsi. Bis heute gaben ca. 40 verschiedene Sprecher Old Shatterhand und ungefähr genauso viele Winnetou ihre Stimme und 17 Personen erweckten Kara Ben Nemsi stimmlich zum Leben. Christian Brückner, berühmt als Stimme Robert De Niros, sprach 1980 den Part des Winnetou für das Hörspiel "Mein Freund Winnetou", das nicht auf Karl Mays Werken, sondern auf der gleichnamigen TV-Serie basierte.

Obwohl einige Fassungen mittlerweile auch auf CD erscheinen, sind die meisten Karl-May-Hörspiele auf MC oder Vinyl zu finden. Manche sind kaum noch zu bekommen, andere finden sich auf Trödelmärkten für wenig Geld. Ab Ende der 1990er Jahre zeichnet sich der Trend ab, Karl May nicht als mehr Hörspiel, sondern auf CD oder im MP3-Format als Hörbuch zu vertonen.

Umfassende Informationen zu den Karl-May-Hörspielen finden Sie in der Karl-May-Hörspieldatenbank.

Verschollene Radioproduktionen

Sämtliche Karl May Hörspiele die vor 1945 entstanden sind müssen als verschollen oder vernichtet betrachtet werden. Dies ergab eine Anfrage beim Deutschen Rundfunkarchiv Frankfurt/Babelsberg. Laut Auskunft des ORF existieren auch die beiden Hörspiele "Der schwarze Mustang" und "Unter Geiern" nicht mehr. Von "Unter Geiern" existiert jedoch ein kleiner Auszug im historischen Archiv. Laut Auskunft des SWF existieren von dem 1964 für den SDR produzierten Hörspiel "Winnetou" nur noch die Manuskripte. Das Hörspiel wurde gelöscht.

Sonstiges

Das erste Karl-May-Hörspiel stammt offenbar von Karl May selbst. Nach Auskunft Hermann Wiedenroths[1] existiert eine Tonwalze, auf der Karl May die Rolle des "Scheiks der Todeskarawane" aus seinem Drama "Babel und Bibel" spricht. Allerdings haben Tonwalzen nur eine Aufzeichnungsdauer von etwa zwei Minuten. Joachim Schmid wollte die beschädigte Tonwalze reparieren lassen; seitdem gilt sie als verschollen.[2]

Anmerkungen

  1. Karl May & Co. Nr. 91, S. 12 f.
  2. KMG-Nachrichten Nr. 152/Juni 2007.