Ein Förster hat 'mal 'nen Burschen

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Ein Förster hat 'mal 'nen Burschen ist eine Anekdote aus der Rubrik Allerlei der von Karl May redaktionell betreuten Zeitschrift Schacht und Hütte. Sie wurde in Heft 1 abgedruckt.

Text

Ein Förster hat ’mal ’nen Burschen, der sehr vergeßlich gewesen ist und auch sonst nicht zu den Wunderkindern gehört hat. Einst nun schießt der Förster einen Eber, schneidet ihm den Kopf ab und läßt ihn in eine Serviette wickeln.
"Hans", spricht er, "Du könntest doch in’s Dorf gehen und dem Herrn Pastor den Kopf hintragen. Du weißt, er ißt die Schweinsköpfe so gern."
"Schön, Herr Förster! Aber wie spreche ich denn?"
"Na, Du alter großer sechsundzwanzigjähriger Bengel wirst doch wohl wissen, was Du zu sagen hast, wenn Du mit einem Schweinekopf zum Herrn Pastor kommst."
"Wahrhaftig, Herr Förster, ich weiß es nicht. Das Reden fällt mir so wie so schwer, und nun vollends bei einem Manne, der studirt hat, da hört's ganz und gar auf."
"So passe auf! Also wenn Du ins Pfarrhaus kommst, da gehst Du die Treppenstufen 'nauf."
"Ja."
"Da kommst Du ins Haus."
"Ja."
"Links ist die Stubenthür."
"Ja."
"Da pochst Du an."
"Ja."
"Der Herr Pastor spricht: "Herein!"
"Ja."
"Da gehst Du in die Stube und sagst: "Guten Tag, Herr Pastor."
"Ja."
["]Da schickt der Herr Förster 'nen Schweinskopf."
"Ja."
"Und wenn er Rebhühner schießen wird, so soll er auch welche kriegen."
"Ja."
"Hast Du's verstanden?"
"Ja."
Der Förster packt den Burschen beim Ohre und spricht, ihn schüttelnd:
"Aber 's Donnerwetter soll Dich reiten, wenn Du die Geschichte vergissest!"
"Will mir's schon merken!" sagt Hans und trollt sich mit seinem Packete von dannen. Als er über die Wiesen geht, sieht er seine Herzallerliebste, welche über dem Heuwenden ist. Er spaziert natürlich hin zu ihr, läßt sich’s ein halbes Stündchen dort gefallen und geht dann weiter.
Als er in das Dort kommt und das Pfarrhaus von Weitem sieht, bleibt er nachdenklich stehen.
"Da hat man's! Nun habe ich bei der Liese die ganze Litanei vergessen. Wenn mir’s nur einfiele, denn nach Hause darf ich nicht wieder gehen um noch 'mal zu fragen. Das würde ein schönes Donnerwetter – Halt, das war mit dabei, Donnerwetter, und das Andere kommt nun auch. Also Donnerwetter, Schweinskopf, Pastor, Rebhühner, Förster, Guten Tag – ach, 's wird schon gehen!"
Er steigt also zuversichtlich die Stufen hinauf, pocht an die Thür und tritt auf das "Herein!" des Pastors in die Stube.
"Guten Tag, Herr Schweinskopf, da schickt der Herr Pastor den Herrn Förster, und wenn er Rebhühner schießen wird, da sollen Sie das Donnerwetter kriegen!"

Herkunft

Der Text basiert auf einer Anekdote, die 1853 in Nummer 432, XVIII. Band, der Zeitschrift Fliegende Blätter abgedruckt wurde. Sie findet sich am 24. Juni 1866 auch in No. 25 des V. Jahrgangs von Hans von Hackelberg's Erzählungen. Ein Blättchen zur Unterhaltung und Belehrung. Die Fassung in Schacht und Hütte ist deutlich umfangreicher ausgearbeitet. Diese Überarbeitung könnte von Karl May selbst auf Basis der Fliegende-Blätter-Fassung durchgeführt worden sein, da er aus dieser Zeitschrift mehrere Texte für Schacht und Hütte entnommen hat.

Literatur