Egon Friedell

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Egon Friedell (* 21. Januar 1878 in Wien; † 16. März 1938 ebenda), Geburtsname Egon Friedmann, war ein österreichischer Schriftsteller, Kulturphilosoph, Religionswissenschaftler, Historiker, Dramatiker, Theaterkritiker, Journalist, Schauspieler, Kabarettist und Conférencier.

Nach dem Tod seines Vaters 1891 lebte Egon bei einer Tante in Frankfurt am Main. Nach mehr oder minder erfolgreichen Studien an verschiedenen deutschen Universitäten erhielt er 1899 nach juristischen Auseinandersetzungen mit seinen Verwandten das Erbe seines Vaters zugesprochen und konnte von nun an ohne finazielle Sorgen seinen Passionen nachgehen. Er bezog eine Wohnung in Wien 18, Gentzgasse 7, die er bis zu seinem Tode bewohnte. Von 1900 bis 1904 studierte Friedell in Wien neun Semester Philosophie. Er stieß während dieser Zeit zum Literatenkreis im Café Central.

Als am 16. März 1938 zwei SA-Männer vor Friedells Wohnung erschienen und nach dem "Jud Friedell" fragten, nahm er sich das Leben, indem er aus einem Fenster der im 3. Stock gelegenen Wohnung sprang. Verbrieft ist, dass er dabei nicht verabsäumte, die Passanten umsichtig mit dem Ausruf "Treten Sie zur Seite!" zu warnen.

Egon Friedell und Karl May

Auf Grund eines Rundschreibens von Ludwig Ullmann und Philipp Berger am 13. März 1912 an verschiedene Schriftsteller und Gelehrte, mit dem Karl Mays guter Ruf wiederhergestellt werden sollte, antwortete Friedell[1], wie auch 25 andere der Angeschriebenen.

Eine Woche später verstarb Karl May.

In seiner Kleinen Porträtgalerie geht Friedell im Kapitel zu Lord Macauley auch auf Karl May ein:

Ja, selbst wenn wir die Indianergeschichten Karl Mays lesen, dessen Namen kein Literarhistoriker ohne Schaudern aussprechen wird, wenn er ihn überhaupt ausspricht: so bemerken wir, daß auch hier der Erfolg der Ausfluß einer eigentümlichen und echten Fähigkeit war. Ein kindischer, undisziplinierter, banaler Geist zweifellos: aber dahinter schlug das Herz eines ewigen Schulknaben mit seiner absurden, aber starken Einbildungskraft, seinem ohnmächtigen, aber liebenswerten Idealismus. Man hat die Anklage erhoben, daß Karl May überhaupt nie in Amerika gewesen sei: sehr leicht möglich, aus seinen Dichtungen geht jedenfalls nicht hervor, daß er dort war; aber wozu auch? Er hatte ja nicht ein Amerika zu schildern, wie es wirklich ist, sondern jenes unmögliche, wie es sich aus den heroischen und törichten Phantasieblasen zusammensetzt, die die Sehnsucht der Pubertät wirft.

Anmerkungen

  1. Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 572.

Weblinks