Die Nihilit-Expedition

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Die Nihilit-Expedition ist ein Roman von Robert Kraft, der 1909 im Rahmen der Kolportageromanreihe Die Augen der Sphinx im Verlag Heinrich Gotthold Münchmeyer erschienen ist.

Inhalt

Der Franzose Charles Leonard hat mit einem Fahrrad der Firma Cunning und Kompanie Australien von Adelaide nach Southport durchquert, um sich 1.000 Pfund Sterling zu verdienen. Dabei hat er die in eine Rüstung gehüllte Leiche eines riesigen Kriegers gefunden, der im Kampf 18 Eingeborene getötet hatte, bevor er selbst seinen Verletzungen erlegen war. Bei diesem Krieger hatte er Waffen aus einem unbekannten Metall befunden, das besonders widerstandsfähig ist und auf den Namen Nihilit getauft wurde. Die Firma Cunning will sich in den Besitz des Geheimnisses um das Nihilit bringen und rüstet eine Forschungsexpedition ins Innere Australiens aus, die offiziell aber nach neuen Weide- und Ackergründen forschen soll. Alle Teilnehmer der Expedition werden dabei aus den Reihen der Mitarbeiter der Firma Cunning rekrutiert, da der alte Cunning Angst davor hat, Fremde einzubeziehen, die ihn um das Geheimnis bringen könnten. An der Spitze der Expedition steht der deutsch-englische Ingenieur Artur Schwarz.

Die Expedition erreicht den Platz, an dem Leonard die Leichen entdeckt hatte, zu diesem Zeitpunkt besteht sie allerdings nur noch aus drei Personen: Charles Leonard, dem Ingenieur Artur Schwarz und dem Schlosser Ned Carpenter. Die restlichen Teilnehmer sind entweder den Strapazen erlegen oder mussten an Telegrafenstationen krank zurückgelassen werden. Schwarz, Carpenter und Leonard kommen aber kaum dazu, die riesenhafte Leiche zu untersuchen: Zuerst werden sie von Eingeborenen überfallen und dann von mehreren fremden Kriegern festgenommen. Diese bringen sie quer durch die australische Wüste in ein abgeschieden gelegenes Gebirge, in dem sich ihr Reich, Wulodschistan, befindet.

Dort leben die Wuloden, Nachfahren von vor undenklichen Zeiten eingewanderten Indiern, die in einem strengen Kastenwesen leben, an deren Spitze ein Erster Priester steht. Als Schutzgöttin des Tales beten die Wuloden die Göttin Sanja an, ein Wesen halb Tiger und halb Mensch. Um das Tal, das nur 50.000 Menschen ernähren kann, vor einer Hungersnot zu schützen, steht auf jedes Vergehen der Tod; viermal im Jahr werden daher zu Ehren von Sanja große Feierlichkeiten abgehalten, bei denen die für unwürdig erklärten Einwohner Selbstmord begehen, in dem sie sich in eine Schlucht stürzen.

Erst vor rund 30 Jahren haben sie durch die Gefangennahme eines inzwischen verstorbenen Engländers erfahren, dass sie nicht die einzigen Menschen auf der Erde sind und fürchten seitdem einen Angriff durch England, auf den sie sich vorbereiten. Unter anderem fordern sie Schwarz nun auf, ihnen Gewehre und Schießpulver sowie Fahrräder zum schnellen Durchqueren der Wüste herzustellen. Schwarz bekommt auch die Quelle des Nihilits gezeigt: Es handelt sich um die Ausdünstung eines Lavabeckens; über dieses werden die mit dem Wundermetall zu überziehenden Gegenstände gehalten, bis sich um sie eine Nihilit-Schicht gebildet hat.

Als das erste Fest zu Ehren der Sanja, dass die drei Gefangenen miterleben, abgehalten wird, lernen sie auch die Göttin kennen: Es handelt sich um eine in ein Tigerfell eingenähte Frau, mit denen die Wuloden von den Priestern getäuscht werden. Zu diesem Zweck betreiben die Priester auch eine Tigerzucht, die Tiere werden dabei mit den Leichen der zum Tode verurteilten gefüttert. Wie Schwarz später erfährt, ist die aktuelle Sanja Persine, die Tochter des früheren englischen Gefangenen und einer Wulodin und der Ingenieur verliebt sich in die junge Frau.

Während Schwarz für die Wuloden Gewehre, Revolver, Schießpulver und Fahrräder produziert, bereitet Leonard eine Revolution der Arbeiter gegen Krieger und Priester vor, die beim nächsten Sanja-Fest ausbricht. Der Erste Priester wird abgesetzt und Leonard erklärt sich zum König über das Tal. Als beim nächsten Fest drei Monate später allerdings, vermutlich durch eine Lebensmittelvergiftung, eine unbekannte Krankheit unter den Wuloden ausbricht stürzen diese Leonard und nehmen ihn, Schwarz, Carpenter und Persine gefangen. Mit Hilfe von Malek, einem Krieger, den Schwarz einst vor dem Tod gerettet hat, gelingt ihnen die Flucht aus dem Tal.

Der Roman schließt mit der Aussage, dass die Flüchtlinge nie die Zivilisation erreicht haben und zudem alle Spuren auf das seltsame Nihilit-Metall verschwunden sind: die Firma Cunning ist bankrott und deren Besitzer geflüchtet und die restlichen Expeditionsteilnehmer auf ihrem Rückweg von den Telegrafenstationen ums Leben gekommen. Lediglich das Tagebuch von Artur Schwarz, der darin die Erlebnisse der Nihilit-Expedition geschildert hat, ist erhalten geblieben.

Editionsgeschichte

Der Roman erschien erstmals 1909 im Rahmen der Romanheft-Reihe Die Augen der Shinx in den Lieferungen 42 bis 48 und als Buchausgabe in einem Band mit Novacasas Abenteuer. Weitere Buchausgaben als Einzelband erschienen 1922 sowie zwei Ausgaben 1924 bei Münchmeyer, eine erneute Doppelausgabe gemeinsam mit Novacasas Abenteuer erschien in dem Verlag 1925. Die letzte Ausgabe im Münchmeyer-Verlag erschien 1927 erneut in Heftform im Rahmen der Reihe Robert Kraft’s gesammelte Romane – Die Augen der Sphinx in den Lieferungen 45 bis 49.

1996 erschien eine Neuausgabe im Rahmen der Edition Ustad im Karl-May-Verlag.

1998 erschien ein Nachdruck der Münchmeyer-Ausgabe in fünf Heften bei Hobby-Nostalgie-Druck.[1]

1912/13 erschien eine russische Ausgabe unter dem Titel Iks-Metall bzw. Iks-Metall i drugije rasskasy in der Zeitschrift Na suse i na more.

Eine tschechische Ausgabe in zwei Bänden erschien 1995 unter dem Titel Expedice Nihilit, übersetzt von Vlamimír Sunda, 1997 wurde der Roman in Tschechien nochmals als einbändige Ausgabe verlegt.

Anmerkungen

  1. Thomas Braatz: Robert Kraft. Farbig illustrierte Bibliographie. Leipzig & Wien, 2006, S. 547 ff.