Der Schut (Schneider)

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deckelbild Der Schut

Der Schut ist das Deckelbild Sascha Schneiders für Karl Mays gleichnamige Reiseerzählung.

Entstehung

Die Zeichnung für das Titelbild wurde 1905 im ungefähren Format von 65,0 x 39,8 cm angefertigt.

Am 11. April 1904 informierte Sascha Schneider Karl May brieflich darüber, dass er sich näher mit dem Orientzyklus beschäftigt habe:

Habe nun die hochinteressante Wanderung durch die Wüste, Kurdistan, Bagdad Stambul, Skipetaren, Schut & Balkanschluchten gelesen und mich, trotzdem mein Kopf mit meinem Kram überfüllt war, doch fabelhaft an den Werken erfreut.
Zu "illustrieren" sind gerade diese Sachen schwieriger, weil durch alle 6 Bände ein Gedanke durchgesponnen wird, doch wird es mir schon gelingen. Es sind Gesänge von der rächenden Gerechtigkeit.[1]

Für den Band Der Schut hatte Schneider zunächst ein anderes als das hier beschriebene Bild geplant, wie in seinem englisch geschriebenen Brief vom 9. Januar 1905 an May zum Ausdruck kommt:

Fehsenfeld will certainly enjoy that designe, this man wholly clad in iron. S[c]hut: or as I take it: St. George killing the dracon [sic!]. Hope, yourself will be pleased with.[2][3]

Karl May lehnte diesen Plan ab, woraufhin der Maler am 14. Januar in einem Brief an den Schriftsteller schrieb:

Mein St. George, killing the dragon,[4] erscheint Ihnen als kein würdiger Abschluss der 6 Bände. Wenn ich Sie recht verstanden habe. Very well, es soll ein anderes Blatt werden. Nehmen Sie es zu El Aschdar.[5]

Mit El Aschdar ist das vierte Kapitel von Karl Mays Reiseerzählung Am Jenseits überschrieben, Sascha Schneider meinte also dieses Buch. Die gleiche Ansicht vertrat er auch zwei Tage später in einem Brief an Mays Gattin Klara:

Das Blatt zum Schut hat gewiss den künstlerischen Wert wie die andern. Das[s] Ihnen rein gegenständlich dasselbe nicht als Krönung der 5 vorhergehenden[6] erscheint[,] verstehe ich jetzt ganz gut. Sie haben Recht. Die Idee zu diesem Blatt indessen ist nicht erst hier, vor kurzem, gefasst worden, sondern die Skizze lag schon seit einem Jahr in meiner Mappe. Als ich Ihnen noch vor W im Winter 1903 davon erzählte, waren Sie beide davon erfreut. Deshalb hat es mich jetzt geradezu gewundert gehabt, was Sie dagegen vorbrachten. Indessen haben Sie Recht, u[nd] ich werde zum "Schut" ein anderes Blatt zeichnen. Die Idee wird Ihnen sicher zusagen, und Sie sollen die Zeichnung bald erhalten. Die letzte, der St. Georg, soll dann zu El Aschdar bestimmt sein.[7]

Am 15. Februar schrieb Sascha Schneider in einem Brief an Karl May:

Ich bin schon dabei das letzte Blatt zum silbern[en] Löwen[8] zu zeichnen u[nd] will dann auch sogleich den Schut drannehmen. Hoffentlich werden Sie mit mir zufrieden sein. Ich sende beide Blätter gleichzeitig dann ab an Sie ab.[9]

Zehn Tage später informierte Schneider May brieflich über die Fertigstellung des Bildes:

Hier ist was ich versprach.
1) IV Band silberner Löwe:
[...]
2) S[c]hut; als Bucheinband jedenfalls wirksamer wie das Obige.
[...]
Vorsicht mit beiden Zeichnungen! Es sind unfixierte Stellen dabei. Die Schrift soll Schwabe selbst im Sinne der übrigen zu dazutun u[nd] zwar [...] zum Schut, weiss auf Gold.[10]

Am 28. Februar gab Karl May diese Nachricht an seinen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld weiter:

Heut hat mir der Künstler die Zeichnungen zum Schut und zu B[an]d IV "Silberlöwen" geschickt. Wenn Sie gestatten, sende ich sie direct an H. Schwabe, damit keine Zeit verloren geht, zumal diese köstlichen Blätter nicht ganz fixiert werden konnten und also durch das öftere Versenden leicht beschädigt werden könnten.[11]

Die achte Auflage von Karl Mays Band 6 Der Schut erschien mit Schneiders Titelbild erst im Jahre 1904 in der Sascha-Schneider-Ausgabe.[12]

Kritiken

In der Einleitung zur Sascha-Schneider-Mappe ordnet Johannes Werner die Bilder zum Orientzyklus der ersten Gruppe zu. Zu Der Schut (Blatt 6) heißt es da:

Der Sieg ist errungen, die Dämonen sind vernichtet und tot, der Held richtet seinen dankerfüllten, vom Kampfe noch ernsten Blick nach Oben und hebt preisend den siegreichen Arm empor zum Reiche des Lichts.[13]

Arno Schmidt äußert sich in seinem Aufsehen erregenden Buch Sitara und der Weg dorthin unter § 35 kurz zu verschiedenen Blättern der Sascha-Schneider-Mappe, darunter auch zu diesem Bild:

Oder Nummer 6, Der Schut : wie da der kraushaarige Feiste, nur mit einem witte-kindischen Flamberg bekleidet, dessen Penis-Knauf in der Faust hält ! ( Daß er Uns, mit der freien Rechten, den späterhin & z. T. noch heut so beliebten 'Deutschen Gruß' beut, stellt auch diese Beziehung zwanglos her, und entspricht womöglich O[ld ]S[hatterhand]'[s] 'Ahnungen'. )[14]

Annelotte Range schreibt in ihrer Dissertation über Sascha Schneider zu diesem Titelbild:

Die Alternative [zu St. Georg] war dann ein nackter, frontalansichtiger Held, der [...] auf den Köpfen bezwungener Bösewichte steht. Von oben verheißt ihm ein göttliches Licht Unterstützung [...] Das Schwert, mittig vor den Körper gehalten, dient bei Schneider gleichsam als Schamschutz.

Die Autorin sieht Parallelen zu Schneiders Zeichnung in Max Klingers Dritte Zukunft/Eva und die Zukunft (1880), in Ferdinand Hodlers Wilhelm Tell' (1897) und in Hugo "Fidus" Höppeners Deutscher Sieg (1919).[15]

Sonstiges

St. George killing the dragon/St. Georg, den Drachen tötend, die oben genannte Zeichnung Sascha Schneiders, ist offenbar nicht erhalten. Hansotto Hatzig, der das Motiv als ein "ganz in Eisen gekleideter" Held beschreibt[16], datiert es in seinem Verzeichnis Sascha Schneiders Werke grob auf 1904-1905 und versieht die Angabe mit einem Fragezeichen.[17]

Anmerkungen

  1. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 70.
  2. Fehsenfeld wird sich gewiss freuen über dieses Bild, diesen Mann, der ganz in Eisen gekleidet ist. Schut: oder wie ich es nenne: St. Georg, den Drachen tötend. Hoffe, dass Sie selbst damit zufrieden sein werden.
  3. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 130 f.; dort auch die vorige Fußnote.
  4. Englisch: St. Georg, den Drachen tötend.
  5. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 132.
  6. Gemeint sind die Zeichnungen Durch die Wüste, Durchs wilde Kurdistan, Von Bagdad nach Stambul, In den Schluchten des Balkan und Durch das Land der Skipetaren.
  7. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 134.
  8. Gemeint ist Im Reiche des silbernen Löwen IV.
  9. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 137.
  10. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 141.
  11. Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz (Hrsg.): Karl May. Briefwechsel mit Friedrich Ernst Fehsenfeld. Erster Band 1891-1906. Karl-May-Verlag Bamberg–Radebeul 2007, S. 469. ISBN 978-3-7802-0091-4
  12. Hainer Plaul: Illustrierte Karl-May-Bibliographie. Unter Mitwirkung von Gerhard Klußmeier. Lizenzausgabe bei K. G. Saur München 1989, S. 163, Nr. 238.8. ISBN 3-5980-7258-9.
  13. Zitiert nach: Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 499.
  14. Arno Schmidt: Sitara und der Weg dorthin. Eine Studie über Leben, Werk & Wirkung Karl Mays. Reprint der Erstausgabe von 1963. S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 1985, S. 331. ISBN 3-10-070620-X
  15. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 73 f.
  16. Hatzig: Karl May und Sascha Schneider, S. 245, Anm. 30.
  17. Hatzig: Karl May und Sascha Schneider, S. 212.

Literatur