Der Schuh des Manitu

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Filmdaten
Deutscher Titel: Der Schuh des Manitu
Originaltitel: Der Schuh des Manitu
Produktionsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2001
Länge (PAL-DVD): 82:18 Minuten /
EL: 88:39 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Altersfreigabe: FSK 6
Stab
Regie: Michael Herbig
Drehbuch: Michael Herbig
Rick Kavanian
Alfons Biedermann
Murmel Clausen
Produktion: Michael Herbig
Michael Wolf
Musik: Ralf Wengenmayr
Kamera: Stephan Schuh
Eddie Schneidermeier (EL)
Schnitt: Alexander Dittner
Besetzung
  • Michael Herbig: Abahachi/Winnetouch/Grauer Star (EL)
  • Christian Tramitz: Ranger
  • Rick Kavanian: Dimitri
  • Sky du Mont: Santa Maria
  • Marie Bäumer: Uschi
  • Hilmi Sözer: Hombre
  • Siegfried Terpoorten: Jim
  • Oliver Wnuk: Jack
  • Tim Wilde: John
  • Robinson Reichel: Joe
  • Irshad Panjatan: Listiger Lurch

Der Schuh des Manitu ist eine Western-Parodie des Comedians Michael Bully Herbig, in der die Karl-May-Filme der Sechzigerjahre und andere bekannte Westernfilme und -serien liebevoll auf die Schippe genommen werden.

Handlung

Der Film parodiert insbesondere die Winnetou-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker in den Hauptrollen als Winnetou beziehungsweise Old Shatterhand. Weiterhin bedient er sich gewisser Anleihen aus dem Genre des Italo-Westerns.

Der parodistische Effekt ergibt sich im Film zum einen daraus, dass zwischen dem Winnetou-Pendant Abahachi und Ranger (der Name mag sich auf das Filmmotiv des "Lone Ranger" beziehen), der Spiegelfigur zu Old Shatterhand, ein Konfliktpotenzial aufgebaut wird, weil Ranger eigentlich keine Lust hat, ständig mit Abahachi durch die Steppe zu reiten, sich anzuschleichen, etc., mit einem Wort er "mit der Gesamtsituation unzufrieden" ist, wie eines der bekanntesten Zitate des Films lautet. Zum anderen lebt der Film von der Einführung eines homosexuellen Zwillingsbruders von Abahachi mit Namen Winnetouch, der von Michael Herbig in einer bayerisch-tuntig-tuckigen Weise gespielt wird, die zum Markenzeichen vieler Herbigschen Parodien wurde. Diese Figur, Besitzer der Schönheitsfarm "Puder Rosa Ranch", durchbricht Fingernägel feilend und Prosecco nippend die "knallharten" Formelemente des Italo-Westerns.

Die Handlung des Filmes beginnt damit, dass sich die Blutsbrüder Abahachi und Ranger beim Schoschonen-Häuptlingssohn "Falscher Hase" Geld leihen, um damit beim Ganoven Santa Maria ein Lokal zu kaufen, doch dieses entpuppt sich nur als umfallende Filmkulisse. Der Häuptlingssohn flieht daraufhin mit dem Geld, wird aber von Santa Maria erschossen. Der Schoschonenhäuptling hält Abahachi und Ranger für die Mörder seines Sohnes, doch können diese dem Marterpfahl entkommen. Um an Geld zu gelangen, suchen die Flüchtigen nach Teilen einer Schatzkarte, die ihnen den Weg zu einem versteckten Edelstein weisen soll. Banditenboss Santa Maria hat davon Wind bekommen und verfolgt die Flüchtigen, ebenso wie die Schoschonen, die anstelle des nicht vorhandenen Kriegsbeils einen Klappstuhl ausgegraben haben. Diesen tauschen sie an der Bahnstation samt Pony gegen eine Draisine ein, um ebenfalls ein "Feuerross" zu besitzen. Ein Prellbock zwingt zum Halt, ein durchrasender Zug zerstört die Draisine. Nach einigen Abenteuern gelangen schließlich alle zum "Schuh des Manitu", einer Felshöhle. Bevor der Schurke in der Teergrube versinkt, kommt es zunächst zum Streit mit anschließender Versöhnung von Abahachi und Ranger und zu einem Stepptanz.

Hauptfiguren

Abahachi, der Apachenhäuptling, dürfte nicht nur eine Verballhornung von "aber hatschi", sondern vom Namen her vor allem eine doppelte Anspielung sein auf Winnetou und das Halbblut Apanatschi, einen Original-Karl-May-Film der 60er Jahre, wie auch auf eine andere Figur aus Karl Mays Büchern: Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah, meist gespielt von Georg Thomalla, später dann auch von Ralf Wolter sein. Der Name seines Blutsbruders Ranger erinnert an den beliebten Darsteller Stewart Granger, der in drei Karl-May-Verfilmungen Old Surehand verkörperte. Winnetouch, Abahachis schwuler Zwillingsbruder, persifliert eindeutig Winnetou höchstpersönlich, seine zur Beauty-Farm umgebaute Puder Rosa Ranch ist eine Anspielung auf die Ponderosa-Ranch der Familie Cartwright aus der TV-Western-Serie Bonanza.

Erwähnenswert ist auch die Anspielung auf Uschi Glas, die in "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" ein Indianermädchen gespielt hat, bei der Namensgebung für die verführerische Filmschönheit Uschi. Der Indianer-Großvater heißt Grauer Star. Möglicherweise stand bei ihm der weise, weißhaarige Klekih-petra aus Winnetou I Pate. Unverkennbar ist bei dieser Rolle auch die Parodie von Elvis Presley ("Grauer Star has left the building"), was gerade durch den Rocktitel "Tomahawk-a-lula" deutlich wird. Szenen mit dieser Rolle sind nur in der langen Fassung enthalten.

Der Name des Geschäftsmann Santa Maria ist an die Bösewichte Santer aus Winnetou I und aus Der Ölprinz angelehnt. Sein Handlanger Hombre entstammt vermutlich dem US-Western "Man nannte ihn Hombre", ebenfalls ein Film aus den späten 1960er Jahren.

Der Restaurantführer Dimitri ist kein stilechter Grieche. Eventuell dient er eher als Stellvertreter für einen Mexikaner, zumal seine Taverna in Mexiko liegt. Möglich wäre auch eine Anlehnung an den Film "Ein Rabbi im Wilden Westen". Es könnte sich auch um eine Anspielung auf südländische Typen in den Italo-Western handeln. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass einige aus der Bullyparade bekannte Köpfe im Film untergebracht werden mussten.

Auch Karl May selbst hat am Ende des Filmes einen Auftritt. Er hält dabei sein Buch Der Schatz im Silbersee - in dem ebenfalls wie im Film eine Draisine eine Rolle spielt - in der Hand.

Weitere Anspielungen

Die Handlung lehnt sich eng an Karl May-Produktionen wie dem Film Der Schatz im Silbersee an. Das immer wiederkehrende Grundmuster dabei ist: Böse Weiße hauen gute Weiße übers Ohr. Die Indianer halten die Guten zunächst für böse und graben das Kriegsbeil (hier: den Klappstuhl) aus, wobei es zu Gefechten um einen verborgenen Schatz kommt. Alles zum Guten wenden können letztlich nur Winnetou und Old Shatterhand. Hier sind es stellvertretend Bullys Figuren Abahachi und Ranger, die weniger heldenhaft als vielmehr ständig in diverse Fettnäpfchen tretend die Probleme lösen.

Anleihen bei anderen Filmklassikern und kulturellen Ereignissen der sechziger Jahre gibt es auch: Der Schoschonenhäuptling Listiger Lurch hält ein Kaninchen im Arm, so ähnlich wie einst Ernst Stavro Blofeld in James-Bond-Filmen seine Katze im Arm hielt oder Joseph Beuys einen Hasen, als er bei einer Kunstaktion dem toten Hasen die Bilder erklärte. Weitere Parodien beziehen sich auf Italo-Western von Sergio Leone, auf Kevin Costners "Der mit dem Wolf tanzt" und auf die Bergwerksfahrt in der Lore aus dem zweiten Indiana Jones-Film. "Der Schuh des Manitu" nutzt somit Versatzstücke aus unterschiedlichen Genre-Bereichen, wie auch die Rhein-Zeitung vom 16. Juli 2001 bemerkte:

"Einerseits wendet sich die Komödie an Menschen, die das genügsame TV-Zeitalter mit drei Programmen erlebt haben und die mit Geschichten von Karl May (auch er hat einen kurzen Auftritt) und Serien wie Shiloh Ranch und Rauchende Colts sozialisiert wurden. Wie in Spaghetti-Western wurde auch hier im spanischen Almeria gedreht, und es gibt jede Menge stoppelige Männergesichter mit Kippen oder Mundharmonika im Mund, die à la Clint Eastwood und Charles Bronson posieren. Gerade in den vielen witzigen Details, Zitaten und Kalauern fühlt man sich gar an Asterix-Comics erinnert."

Bullyparade - Der Film

Im Jahr 2017 erscheint zum 20jährigen Jubiläum der Bullyparade ein fünfteiliger Episodenfilm unter der Regie von Michael Herbig mit einer weiteren Winnetou-Parodie, in der anstelle von Abahachi und Ranger diesmal Winnetou und Old Shatterhand einen Auftritt haben.

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