Das Leben ist ein Kampf (Gedicht)

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Eintrag im Gästebuch der Wolff-Malms

Das Leben ist ein Kampf war zeitweise der Wahlspruch und eine vielfach gebrauchte Widmung Karl Mays.

Text

Das Leben ist ein Kampf;
  Der Tod ist der Sieg;
Ich lebe, um zu kämpfen;
  Und ich sterbe, um zu siegen.[1]

Textgeschichte

in Von Bagdad nach Stambul

Der Spruch findet sich in variierter Form in Karl Mays Reiseerzählung Von Bagdad nach Stambul (1882/83; 1892), die zum Orientzyklus gehört. Darin heißt es in einer Betrachtung, die der Ich-Erzähler zu Mohammed Emins Tod anstellt:

Dieses einsame, hoch gelegene Grabmal erinnerte mich an das Felsenmonument, das wir dem Pir Kamek im Tale Idiz errichtet hatten. Wer hätte damals beim Begräbnisse des dschesidischen Heiligen ahnen können, daß Mohammed Emin auf so ferner, kurdischer Höhe seine letzte Ruhestätte finden würde! Es war mir so trüb und traurig zu Mute, und ich fühlte eine solche Leere in mir, als sei mit dem Freunde ein Teil meines eigenen Wesens von mir gewichen. Und doch sollte man am Grabe eines guten Menschen nie trauern; der Tod ist ja der Bote Gottes, der uns nur naht, um uns empor zu führen zu jenen lichten Höhen, von denen der Erlöser seinen Jüngern sagte: 'In dem Hause meines Vaters sind viele Wohnungen, und ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten.' Das Leben ist ein Kampf; man lebt, um zu kämpfen, und man stirbt, um zu siegen. Darum die Mahnung des Apostels: "Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, und ergreife das Leben, dazu auch du berufen bist!"[2]

Die hier zitierten Bibelsprüche finden sich bei Johannes 14,2:

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?

und im 1.Timotheus 6,12:

Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen.

in Am Rio de la Plata

In verkürzter Form findet sich das Zitat auf in Mays Reiseerzählung Am Rio de la Plata (1889/90; 1894), in sich der Bruder Jaguar folgendermaßen äußert:

"Er ist entschlafen, ehe der Priester kam," sagte er. "Requiescat in pace! Er ging von uns voller Vertrauen auf die Gnade des Allbarmherzigen. Leben heißt kämpfen; sterben heißt siegen. Preis sei Gott, der uns den Sieg verliehen hat durch Jesum Christum, unsern göttlichen Heiland!"[3]

in Am Jenseits

Noch kürzer ist der Spruch in Karl Mays Buch Am Jenseits (1899) enthalten, Das bereits zum Spätwerk des Schriftstellers gehört. Hier erinnert der Ich-Erzähler an Winnetou:

Und ehe ihn die tödliche Kugel traf, war er von einer ganz bestimmten Todesahnung ergriffen, die leider auch in Erfüllung ging[4]. Ahnung sage ich, denn er sprach sich nicht deutlich aus; aber später fiel mir ein Abend ein, an welchem wir ganz allein hoch oben in der Einsamkeit des Flintpasses saßen, ernste Gedanken austauschend, und dabei auch das Uebersinnliche berührend. Ich hatte das Gebet erwähnt; da sagte er:
"Ja, der große, gute Manitou[5] verlangt, daß man mit ihm rede, denn jedes Kind soll doch mit seinem Vater sprechen. Wenn man in Gefahr ist und ihn um Hilfe bittet, so sendet er seine Krieger herab, die für uns kämpfen. Mein weißer Bruder nennt diese Freunde Engel; ich sage Krieger, denn das Leben ist ja stets nur Kampf. Du hast auch zuweilen nicht Engel, sondern Schutzengel gesagt und nur von einem gesprochen; ich aber weiß, daß mehrere bei mir sind, so oft ihr Beistand nötig ist."[6]
Kostümfoto mit Widmung

als Widmung

Während der Rundreise 1897 besuchte das Ehepaar Karl und Emma May am 31. Mai 1897 die Familie Wolff-Malm in Wiesbaden.[7] In deren Gästebuch findet sich die früheste bekannte Fassung des Textes mit der Unterschrift

Wiesbaden,               Old Shatterhand.
den 31ten Mai 1897.     Frau Dr. May[8]

Am 18. Juni gleichen Jahres signierte May ein Kostümfoto, das ihn als Kara Ben Nemsi zeigt, mit diesem Spruch. Der Empfänger der Widmung ist unbekannt.[9]

Vermutlich für August von Miller zu Aichholz war eine gleichlautende Widmung, die Karl May am 24. März 1898 in Linz niederschrieb.[10][11]

Am 17. Oktober 1898 versah May ein Exemplar des Buches Old Surehand III, das er dem Schüler Egon Erwin Kisch schenkte, mit diesem Spruch.[12]

Auch Hetty Heide war vermutlich im Besitz eines May-Autographs mit diesem Wahlspruch.[13]

Es ist davon auszugehen, dass Karl May diesen Vierzeiler noch häufiger verwendet hat.

Nachdem May am 30. März 1912 verstorben war, erinnerte Marie Hannes in ihrem Nachruf an eben diesen Spruch.[14]

Sonstiges

Gruppenbild mit Gedicht

Die Fischer-Schwestern aus Wien schickten Karl May nach dem 20. März 1898 ein Gruppenfoto von sich, dem dieses Gedicht beigefügt ist.

Am 14. April 1910 veröffentlichte Egon Erwin Kisch in der Bohemia einen Artikel über Karl May, in dem er auch von dessen Widmung berichtete:

Mir als dem Sprecher der Schüler, hat er zum Andenken den dritten Band "Old Shurehands" geschenkt, in dem sich sein Bild mit der Silberbüchse, dem Trapperhut, den Ledermoccasins und Henrys Revolver vorfindet. Auf die erste Seite schrieb er einen Spruch und setzte seinen Namen darunter. Der Spruch ist wirklich überaus schön. Er stammt von – Goethe.[15]

Im Werk von Johann Wolfgang von Goethe lässt sich dieses Zitat allerdings nicht wörtlich nachweisen.[16]

Anmerkungen

  1. M-KMG Nr. 33/1977, S. 3.
  2. Karl May: Von Bagdad nach Stambul. In: Karl Mays Werke, S. 43356 f. (vgl. KMW-IV.3, S. 171 f.).
  3. Karl May: Am Rio de la Plata. In: Karl Mays Werke, S. 46722 f. (vgl. KMW-IV.7, S. 249).
  4. Siehe: Karl May, "Winnetou", Band III.
  5. Gott.
  6. Karl May: Am Jenseits. In: Karl Mays Werke, S. 63680 f. (vgl. KMW-V.1, S. 340).
  7. Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz: Karl-May-Chronik II. Sonderband zu den Gesammelten Werken. Karl-May-Verlag BambergRadebeul 2005, S. 48. ISBN 978-3-7802-0170-6.
  8. M-KMG Nr. 33/1977, S. 3.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 55.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 130.
  11. Steinmetz, Autograph, S. 14
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 172.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 94, 175.
  14. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 614.
  15. M-MKG 62/1984, S. 10 f.
  16. Im Gedicht "Einlaß" (Westöstlicher Divan) findet sich allerdings die Stelle: "Denn ich bin ein Mensch gewesen, / und das heißt ein Kämpfer sein."

Literatur