Das Geldmännle

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Handelnde Personen in
Das Geldmännle

Belgier
Weber Bernstein (nur erwähnt)
Frau Bernstein (nur erwähnt)
Hermann Bernstein
Hermann Bernsteins Großmutter (nur erwähnt)
Geldmännle
Herzle
Karlinchen
Marie
Musteranton
Musterwirt
Neubert
Anna Neubert
Pastor
Frau des Pastors
Frommhold Uhlig
Rosalia Uhlig
Wirtin Uhlig


Handlungsorte

Erzgebirge
Das "Bergle"

Die Erzählung Das Geldmännle wurde erstmals 1903 in dem Sammelband Erzgebirgische Dorfgeschichten veröffentlicht und vermutlich nicht viel eher geschrieben.

Inhalt

Eine Einleitung "informiert" über die sagenhafte Entstehung des "Bergles" (= Teil des Erzgebirges).

Dort wohnen das Herzle, deren Mutter Marie und die kluge Ziege Karlinchen. Eine Rückblende zeigt, wie vor zwanzig Jahren das "Geldmännle", ein Falschmünzer, das Bergle an den Musteranton, Herzles Vater, verliert. Doch bevor dieser sich an seinem Gewinn erfreuen kann, wird er vom "Frömmelt", dem Schwiegersohn des "Geldmännle", umgebracht. Zu Tode kommen dabei auch das Geldmännle selbst und dessen Tochter, Frömmelts Frau. Frömmelt, selbst ein Falschmünzer und Schurke, wird zwanzig Jahre später von seiner Tat eingeholt. Bei einer Beerdigung erleidet er einen Schock und wird von seinem Gewissen geplagt. Als seine Tochter Rosalia ebenfalls zu Tode kommt, bricht er zusammen und tötet sich selbst. Während also das Böse zugrunde geht, finden das liebreizende Herzle und der brave Dorflehrer Bernstein zueinander.

May sucht hier gezielt das Wortspiel mit dem Begriff "Muster"; auf Seite 508 bringt er das selbst so zum Ausdruck. Zur Erklärung: Die wenigsten Klöpplerinnen können frei aus der Hand arbeiten oder nur bei einfachen Mustern, in allen anderen Fällen wird nach Musterkarten gearbeitet. Auf diesen Karten wird bei Unikaten das Muster aufgezeichnet, bei Serien aber aufgedruckt. Dazu wurde von einem Kupferstecher das Muster auf eine Kupferplatte graviert, die man einfärbte und mit dem Rekel abwischte, um zum Druck die Karte auf die Platte zu "schlagen": oft wurde in Ermangelung einer Druckerpresse die Karte auf den Druckstock nur aufgelegt und dann mit einem breiten – und oft auch noch gefütterten – Holzstempel und einem Holzhammer so aufgeschlagen, dass die Karte die Druckerschwärze aus den eingravierten Riefen aufnahm. Später blieb der Ausdruck auch für den "normalen" Druckvorgang. Da der Preis für eine fertige Spitze nicht nur von der handwerklichen Ausführung der Arbeit abhing, sondern auch von ihrem Muster, und weil Muster nur von besonders begabten Klöpplerinnen oder extra dafür ausgebildeten Musterzeichnern ersonnen und aufgezeichnet werden konnten, sind die Karten urheberrechtlich geschützt und sehr kostbar. Daher hatten viele Musterzeichner auch gelernt, ihre Muster selbst zu stechen, so wie der Musteranton, und mitunter gar zu schlagen. – Wir haben also im Musterwirt nicht nur ein Musterexemplar eines Erzhalunken zu sehen, sondern ebenso den Wirt, der Musterkarten verlegt, der Musteranton dagegen ist nicht nur ein Musterexemplar eines anständigen und guten jungen Mannes, sondern auch ein Musterzeichner und Kupferstecher. Die auf jene Passage folgenden Darstellung der Schuldversklavung der Armen – Beispiele frühkapitalistischer Auswüchse – sind von einer bei May nur selten zu findenden Ironie geprägt und lassen doch an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Ganz ohne jede Ironie oder Zweideutigkeit folgt dann auf Seite 534 aus dem Munde des Lehrers[1] ein ganz klares Bekenntnis[2] zu dieser Kritik.

Anmerkungen

  1. Ein Lehrer in der Handlung ist bei May fast immer eine Spiegelung des Autors.
  2. "Ich bin ein Kind des Hungers und der Not; darum schreibe ich für mein liebes, armes Volk, für den hungernden Arbeiter! [...]"

Buchausgaben

In den Gesammelten Werken ist der Text unter gleichem Titel in Band 44 Der Waldschwarze zu finden.

Aktuelle Ausgaben => siehe Bücherdatenbank.

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.


Weblinks