Cornelius Gurlitt

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Cornelius Gurlitt

Prof. Dr. Dr. Cornelius Gustav Gurlitt (* 1. Januar 1850 in Nischwitz; † 25. März 1938 in Dresden) war ein deutscher Architekt und Kunsthistoriker. Er war der Bruder des Pädagogen Ludwig Gurlitt und durch seine Frau Marie (* 1859; † 1949) der Schwager des Rechtsanwalts Oskar Gerlach.

Leben und Werk

Biografie

Cornelius Gurlitt wurde als drittes von sieben Kindern des Landschaftsmalers Louis Gurlitt in Nischwitz bei Wurzen geboren. Schon als Jugendlicher entschloss sich Cornelius Gurlitt, Architekt zu werden. Er veröffentlichteim Laufe der Jahre zahlreiche Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften, hielt Vorträge und schrieb Broschüren zur Architektur der Stadt Dresden. Sein unermüdliches Engagement für die Stadt und ihre Bau- und Kunstgeschichte führte 1878 zum Angebot einer Assistentenstelle im Kunstgewerbemuseum Dresden, die Gurlitt bis 1887 innehatte.

In den nächsten drei Jahren erschien mit einer dreibändigen Geschichte des Barock seine erste wichtige Arbeit. Im Jahr 1889 war Cornelius Gurlitt kurze Zeit Privatdozent an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg, bevor er 1893 als außerordentlicher Professor die Professur für Geschichte der technischen Künste an der drei Jahre zuvor gegründeten Königlich Sächsischen Technischen Hochschule in Dresden übernahm.

Erst 1899 wurde Cornelius Gurlitt zum ordentlichen Professor berufen. Für das Studienjahr 1904/05 wurde er zum Rektor der TH Dresden gewählt. Das nicht nur repräsentative Amt, das auf ein Jahr begrenzt war, hatte er nochmals 1915/16 inne.

Mit 70 Jahren endete Cornelius Gurlitts Tätigkeit als Professor (Prof. Dr. phil., Dr. theol. h. c., Dr.-Ing. E. h.) an der Technischen Hochschule Dresden. Im Jahr 1922 wurde er der Präsident der Freien Akademie des Städtebaus und später Ehrenpräsident des Bundes Deutscher Architekten, dessen Mitbegründer er war. Es folgten zahlreiche Buchveröffentlichungen.

Im Dritten Reich wurde Cornelius Gurlitt, der zu Beginn noch mit Adolf Hitler sympathisiert hatte, zum Halbjuden erklärt. Eine offizielle Würdigung zu seinem Tod 1938 erfolgte daher nicht. Cornelius Gurlitt liegt auf dem Dresdner Johannisfriedhof begraben.

Bibliografie (Auswahl)

  • Baukunst des Mittelalters. 1884.
  • Geschichte des Barockstiles, des Rococo und des Klassicismus in Belgien, Holland, Frankreich, England. 1887-1889.
  • Deutsche Turniere, Rüstungen und Plattner des XVI. Jahrhunderts. 1889.
  • Kunst und Künstler am Vorabend der Reformation : ein Bild aus dem Erzgebirge. 1890.
  • Die Deutsche Kunst des Neunzehnten Jahrhunderts. Ihre Ziele und Thaten. 1899.
  • Dresden. 1900.
  • Kirchen. 1906.
  • Konstantinopel. 1908.
  • Handbuch des Städtebaus. 1920.
  • Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Heft 16/1894 bis 41/1923.
  • Die Baukunst Konstantinopels. 1925.

Cornelius Gurlitt und Karl May

Erkundigung beim Ministerium

Am 27. November 1904 schrieb Cornelius Gurlitt – vermutlich auf Anregung Oskar Gerlachs oder Paul Schumanns – bezüglich Karl Mays Doktortitels an das sächsische Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts in Dresden:

Diesem Manne ist es unter anderem seitens des Dresdner Anzeigers [zum] Vorwurf gemacht worden, daß er sich als "Dr. phil." in Kürschners "Deutschem Litteratur Kalender" [...] haben führen lassen. Hierüber hat er sich in einem Inserat in hiesigen Blättern [...] ausgelassen. Von achtenswerter Seite hat man sich an mich gewendet mit der Bitte zu ermitteln, ob die May'sche Darstellung [...] auf Wahrheit beruhte. Es kann selbstverständlich den Gegnern der May'schen Schriftwerke nicht gleichgültig sein, zu wissen, ob wirklich diese und ihr Verfasser im h[och]l[öblichen] Ministerium die Antwort auf die Anfrage erhielt, deren er sich rühmt.

Ministerialrat Geheimrat Dr. Karl Waentig bearbeitete von da an diesen Vorgang im Ministerium.[1]

An Cornelius Gurlitt wurde am 8. Dezember ein Schreiben des Ministeriums versandt, das der sächsische Kultusminister Paul von Seydewitz bereits am 3. Dezember unterschrieben hatte. Der Nachricht war eine Kopie des ablehnenden Bescheids vom 17. März 1903 an Karl May beigelegt. Im Schreiben an Gurlitt heißt es:

Das Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts nimmt keinen Anstand, Ihnen auf Ihr Schreiben vom 27/29. v[origen] M[onats][2] abschriftlich die an den Schriftsteller Karl May in Radebeul erlassene Verordnung, die Führung des Doktortitels betreffend, mit dem Bemerken zuzufertigen, daß ihm diesseits ein anderer Bescheid, insbesondere in der von ihm behaupteten Richtung nicht zugegangen ist, ermächtigt Sie auch, dies in geeigneter Weise in die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen.[3]

Mays Widersacher Rudolf Lebius erfuhr durch Kurt Emil Weiße, einem Klassenkameraden von Cornelius Gurlitts Sohn Willibald, von Karl Mays falschem Doktortitel. Diesen Titel erwähnte Lebius in seinem am 18. Dezember 1904 in der Sachsenstimme erschienenen Artikel Amtliches Material über Karl May.[4]

Später veröffentlichte auch Cornelius Gurlitt selbst Details zu Mays unrechtmäßigem Doktortitel, am 9. Februar 1905 im Dresdner Journal und zwei Tage darauf im Dresdner Anzeiger, jeweils unter Bezugnahme auf das ministerielle Schreiben.[5]

Mays Reaktion

Karl May reagierte an 12. Februar, indem er einen umfangreichen Brief an Geheimrat Gurlitt schrieb. Darin heißt es:

Sie können sich [ ...] denken, wie betroffen ich war, als ich auch Ihren Namen auf der Seite derer las, die ich mit gutem Grund nicht näher bezeichne. Und warum Sie? Meines "amerikanischen Doktortitels" wegen. Wie lächerlich! Den führe nämlich nicht ich, sondern die Firma Münchmeyer. Ich habe dieser Firma extra und mit grösstem Nachdruck verboten, mich Doktor zu nennen; sie hört trotzdem nicht auf und hat mich erst vor noch nicht langer Zeit in   s e c h s   Zeilen   v i e r m a l   "Herr Dr. phil. Karl May" tituliert. [...] Uebrigens, dass ich dem Herrn Minister mein Diplom zum hohen Bescheid eingeschickt habe, das war offen und ehrlich, rechtschaffen und redlich gehandelt, nach meiner Pflicht als sächsischer Untertan. Den von mir erwähnten Bescheid hat meine Frau mündlich erhalten, bei der betreffenden Audienz im Ministerium, und zwar von Ihrem, meinerseits so hochverehrten Kollegen, Herrn Regierungsrat und Professor Freiherrn von Welck. Wer in dieser Angelegenheit mit vollem Bewusstsein gelogen hat, ob Gurlitt oder May, ob Gerlach oder Lebius, das wird die Untersuchung ergeben. [...] was Sie für das Lebiussche Blättchen und seine über hundert Zeilen Lüge   "A m t l i c h e s   M a t e r i a l   ü b e r   K a r l   M a y"    hergeliehen haben, das war nicht blos das, was Ihnen gehörte [...], sondern auch Ihre "Magnifizenz", und diese durften Sie nicht solchen Zwecken dienstbar machen, denn sie ist nicht Ihr individuelles Eigentum, sondern ein ebenso heiliges wie köstliches Gemeingut, an welchem jeder Ihrer Herren Professoren partizipiert. Sie haben sie unbefleckt und unentweiht am Schlusse Ihres Jahres zurückzugeben.[6]

Am gleichen Tag ging ein Brief Karl Mays an einen unbekannten Chef-Redacteur des führenden deutschen Zentrumsblattes, worin er schrieb:

Jedermann kennt meinen Prozeß gegen die einstige Herausgeberin des polizeilich confiscierten "Venustempels". Frau Pauline Münchmeyer hat einen Rechtsanwalt; dieser Rechtsanwalt hat einen Schwager; dieser Schwager ist Herr Geh[eimer] Hofrath Professor Doktor Gurlitt, und als dieser Herr vor kurzem Rektor magnificus der königl[ichen] techn[ischen] Hochschule war, hielt er es für seine Pflicht, sich beim königl[ichen] Ministerium nach mir zu erkundigen. Die Auskunft wurde durch Herrn Lebius veröffentlicht. Diese Veröffentlichung entsprach nicht der Wahrheit. [...] Es ist bis heute keine Berichtigung, kein aufrichtiger Widerruf erfolgt, und die Leser halten mich jetzt noch für einen Lügner.[7]

Strafantrag?

Nach Erhalt des May'schen Briefes wandte sich Cornelius Gurlitt am 21. Februar erneut an das Kultusministerium. Er legte diesem Schreiben seinen Journal-Artikel und den Brief Mays bei.

Ich gestatte mir die Bitte, das Königliche Ministerium wolle sich darüber schlüssig machen, ob wegen des letzteren gegen Herrn May Strafantrag wegen Ehrenbeleidigung zu stellen sei, die mir in Beziehung auf mein Amt als Rektor der Technischen Hochschule zugefügt worden ist. [...] Zu Herrn Lebius und der "Sachsenstimme" habe ich keinerlei Beziehungen. Es ist mir unbekannt, durch wen der Herr Kenntnis des Ministerialschreibens erhielt. [...] Nicht unerwähnt lassen möchte ich, daß, wie ich höre, die Angelegenheit des Herrn May bereits staatsanwaltlicher Behandlung unterliegt.

Mit dem Vorgang wurde hierauf der Geheime Regierungsrat Dr. Georg Friedrich Eckart Schmaltz betraut.[8]

Auf den 25. Februar datiert eine von Paul von Seydewitz unterzeichnete Antwort des Ministeriums an Gurlitt. Darin heißt es, man halte es

nach Lage der Sache nicht für angezeigt, gegen den Schriftsteller Carl May in Radebeul Strafantrag wegen Beleidigung zu stellen.[9]

In einem Offenen Brief Karl Mays vom 1. März 1905 an Hermann Cardauns äußerte sich der Schriftsteller über vermutete Zusammenhänge zwischen Pauline Münchmeyer, Hermann Cardauns und anderen seiner Gegner. Dabei spielte er auch auf Cornelius Gurlitt an:

Sollte die Verbreitung dieser "Unsittlichkeiten" [die Cardauns in Mays Kolportageromanen gefunden hatte] ein so großes Verdienst um unser Volk und seine Seele sein, daß man sogar Geh[eime] Hofräte resp. einen Rektor magnificus in Bewegung setzen darf, wenn es gilt, mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln den Fortbestand der   g e-   resp.   e r w e r b s m ä ß i g e n   U n s i t t l i c h k e i t   zu erzwingen?[10]

Karl Mays Brief an Geheimrat Gurlitt vom 12. Februar war ohne Antwort geblieben, weshalb sich May am 3. März an die Staatsanwaltschaft beim Dresdner Landgericht wandte:

Der intellectuelle Vater dieses Artikels [Amtliches Material in der Sachsenstimme] ist ganz unbedingt Dr. Gerlach [...] Herr Gurlitt aber ist der Schwager dieses Advokaten. Er wird in dem Artikel als der Gewährsmann dieses Verfassers genannt und hat bis heute noch nicht widerrufen. [...] Es widerstrebt mir, gegen eine Magnificenz, Geheimen Hofrath, Prof. Dr. phil. und Ritter vieler Orden Strafantrag zu stellen. [...] Wenn dann die nächste Generation den Querstrich macht und die Summen zieht, so wird sich zeigen, ob ich wirklich derjenige gewesen bin, als den mich diese Leute hinzustellen belieben, vom Herrn Geheimen Hofrath an, bis hinunter zu Münchmeyers Pauline.[11]

Eine Antwort darauf ist nicht bekannt.

Erwähnungen

Nachdem Karl May Rudolf Lebius 1910 wegen Beleidigung (geborener Verbrecher) verklagt hatte, nannte Lebius in einem Schriftsatz vom 22. März neben etlichen anderen auch Cornelius Gurlitt als Zeugen. Gurlitt, der über Mays literarische und sonstige Verfehlungen hätte Auskunft geben sollen, wurde aber nicht vernommen.[12]

Eine weitere Erwähnung Cornelius Gurlitts findet sich in einem Brief Lu Fritschs an Klara May vom 4. September 1910:

Tante, liebste, Du schreibst, ich könne Onkels Doktordiplom sehen – hoffentlich hast du mich nicht mißverstanden – mir liegt doch persönlich daran nichts – nur dachte ich, man kann doch mal genauere Angaben irgendwo einflechten, damit Pöllmann, Gurlitt etc. blamiert sind.[13]

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 426 f.
  2. Das zweite Datum bezeichnet vermutlich den Eingang von Gurlitts Schreiben im Ministerium.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 432.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 437.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 457.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 457-459.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 459 f.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 463 f.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 465.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 471.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 473-475.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 60.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 300.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.

Weblinks