Christus oder Muhammed (Schneider)

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Christus oder Muhammed, 1904

Christus oder Muhammed, auch Christus und Muhammed oder Orangen und Datteln genannt, ist das Deckelbild Sascha Schneiders zu Karl Mays Sammelband von kleineren Reiseerzählungen Orangen und Datteln.

Entstehung

Die Zeichnung war nach Friede auf Erden die zweite, die Schneider als Titelbild für Mays Reiseerzählungen schuf. Sie wurde von Karl May erstmals am 15. März 1904 in einem Brief an seinen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld erwähnt:

Ich habe Herrn Krais gebeten, auf das Titelblatt von Band 10 zu setzen:
"Buchschmuck von Sascha Schneider",[1]
denn die Zeichnungen zu Bd. 30 und 10 sind bestellt. Sie werden bis Ende dieses Monats fertig werden [...][2]

Am 20. März schrieb May erneut an Fehsenfeld:

Die Zeichnung für "Friede" wird Donnerstag[3] fertig, für "Orangen" noch in diesem März.[4]

Einen Tag später schickte Sascha Schneider seine Zeichnung zu Und Friede auf Erden! an May und schrieb dazu:

Wenn Sie dies erhalten, so stellen Sie sich freundl[ichst] vor (was Ihrer Phantasie nicht schwer fallen dürfte), dass der ergebenst Unterzeichnete bereits an Datteln & Orangen sitzt und mit fieberhaftem Eifer an der Vollendung des zweiten Bandes schuftet.[5]

Am 23. März schrieb Schneider wieder einen Brief an Karl May:

Wenn Orangen & Datteln 3 Bände haben, so weiss ich, was für die beiden anderen zu zeichnen ist.
Hier stehen sich Christus und Mohammed gegenüber. 2. Band: Christus & Moh[ammed] im Kampf (kein Ringerkampf!). 3. Band: Christus in Gloriole erhebt den besiegten
Moh[ammed].
[6]

Bekanntlich besteht Mays Orangen und Datteln nur aus einem Band. So entstand nur diese eine Zeichnung dazu, vermutlich vor dem 26. März. Auf diesen Tag ist nämlich eine Postkarte Schneiders an May datiert, auf der es heißt:

Vorzüglich! So ist also Band 10 erledigt [...][7]

Am 31. März informierte Sascha Schneider Karl May brieflich über fotografische Aufnahmen seiner ersten beiden Titelbilder:

Photos gelungen, die Dunkelheiten sollen beim Druck noch mehr zur Geltung kommen.
Kann ich vom Druckabzug, bevor die Auflage gedruckt wird, nicht ein Exemplar bekommen? Es ist wichtig, damit der Drucker informiert werden kann.
[...] Mein Name mag diesmal, bei beiden Blättern klein (bei Friede auf Erde unten), (bei D. & O. oben) und geschmackvoll angebracht werden; jedoch voll ausgeschrieben (Sascha Schneider).[8]

Knapp drei Wochen später, am 20. April, wendete sich Karl May dahingehend an Friedrich Ernst Fehsenfeld:

Herr Schneider ist in Sorge um das Gelingen von "Friede auf Erden" und Christus und Muhammed. Wir hatten um Probeabzüge gebeten, um sein künstlerisches Gewissen zu beruhigen. [...] Er läßt bitten, ja nicht eher zu drucken, als bis er die Proben gesehen hat![9]

Trotz einiger drucktechnischer Schwierigkeiten[10] erschien die siebente Auflage von Karl Mays Band 10 Orangen und Datteln mit dem Titelbild Christus oder Muhammed wie geplant im Jahre 1904 in der Sascha-Schneider-Ausgabe.[11]

Kritiken

In der Einleitung zur Sascha-Schneider-Mappe ordnet Johannes Werner das Bild der vierten Gruppe zu, die er mit folgenden Worten kommentiert:

Das Ziel allen Kampfes ist bei May wie Schneider: Vernichtung des Bösen, Sieg des Lichts, Frieden auf Erden. Diese Ideen gelangen in einer Anzahl von einzelnen Blättern zum Ausdruck, die zum Teil ganz an die Art der ersten Zeichnungen Schneider's erinnern, zugleich aber seine künstlerische Vertiefung und Vervollkommnung offenbaren.

Speziell zu Christus oder Muhammed heißt es da:

Blatt 10 stellt in trefflich gelungenem Kontrast der Charaktere einen hoheitsvollen ernsten Christus neben den finsteren, zum Schwerte greifenden Mohamed. [sic][12]

Arno Schmidt äußert sich in seinem Aufsehen erregenden Buch Sitara und der Weg dorthin unter § 35 kurz zu verschiedenen Blättern der Sascha-Schneider-Mappe, darunter auch zu diesem Bild:

10, Orangen : der 'Herr mit dem dicken-kahlen Kopfe', der Wohlbesäbelte, der 'aus Haaren' emporschwillt.[13]

Im Nachwort des Herausgebers in der Reprintausgabe von Winnetou IV schreibt Roland Schmid unter Verwendung von Euchar Albrecht Schmids Aufsatz Aus Sascha Schneiders Werkstatt[14] zu Christus oder Muhammed:

Schneider war Meister der Kontrastwirkung; diese Schwarzweiß-Zeichnung gehört zu seinen besten Kunstwerken. Links das Kreuz – rechts der Halbmond; Christus mit langem Blondhaar und kurzgeschnittenem Bart – Muhammed (später trägt seine Züge Abu Kital) mit kahlem Scheitel und dunklem Vollbart; das lichte Auge des Erlösers – die gesenkten Lider des Eiferers; die milde, verstehende, verzeihende Haltung des Nazareners (man beachte die rechte Hand, die fern ist von jeder Abwehr!) – der drohende Griff des Fanatikers zum Schwert. – Güte und Gewalt...[15]

Die erste Nummer der Schriftenreihe des Karl-May-Museums beschäftigt sich mit Sascha Schneider. Klaus Hoffmann äußert sich darin zu dieser Titelzeichnung:

Das Motiv für "Orangen und Datteln" hält sich an die religiösen Leitlinien des Buches: Christus, hoheitsvoll und friedfertig, weist den finsteren, zum Schwert greifenden Mohammed in die Schranken.[16]

Annelotte Range schreibt in ihrer Dissertation über Sascha Schneider zum Bild Orangen und Datteln:

Schneider nimmt das Motiv [der May-Erzählung Christus oder Muhammed] auf und präsentiert beide Religionsstifter nebeneinander auf dem Buchdeckel. Mohammed, kahlköpfig, von untersetztem, gedrungenem Körperbau, finster und gewaltbereit, die Hand am Schaft des Krummsäbels, erweist sich schon rein äußerlich als der Unterlegene. Christus dagegen ist von vollkommener körperlicher Schönheit. Ruhig und gelassen steht er neben dem "Kontrahenten". Ein Blick genügt, um den Aggressiven zu zügeln.

Die Autorin sieht in Raffaels Weide meine Lämmer (1515/16) und in Bertel Thorvaldsens Christus (1821) Vorbilder für Sascha Schneiders Zeichnung.[17]

Sonstiges

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Anmerkungen

  1. Dieser Bitte Mays wurde nicht nachgekommen.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Briefwechsel mit Fehsenfeld I, S. 435 f.
  3. Gemeint ist der 24. März.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Briefwechsel mit Fehsenfeld I, S. 436.
  5. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 58.
  6. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 60.
  7. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 64.
  8. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 66 f.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Briefwechsel mit Fehsenfeld I, S. 441.
  10. Siehe dazu den Brief Carl Hermann Schwabes an Fehsenfeld vom 16. Juni 1904 in: Sudhoff/Steinmetz: Briefwechsel mit Fehsenfeld I, S. 442.
  11. Hainer Plaul: Illustrierte Karl-May-Bibliographie. Unter Mitwirkung von Gerhard Klußmeier. Lizenzausgabe bei K. G. Saur München 1989, S. 177, Nr. 250.7. ISBN 3-5980-7258-9.
  12. Zitiert nach: Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 503.
  13. Arno Schmidt: Sitara und der Weg dorthin. Eine Studie über Leben, Werk & Wirkung Karl Mays. Reprint der Erstausgabe von 1963. S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 1985, S. 332. ISBN 3-10-070620-X
  14. In: Karl-May-Jahrbuch 1928, S. 16-19.
  15. Roland Schmid: Nachwort des Herausgebers. In: Karl May: Winnetou IV. Reprint. Karl-May-Verlag Bamberg 1984, S. A15.
  16. Klaus Hoffmann: Karl May und Sascha Schneider – eine Künstlerfreundschaft. In: Rolf Günther/Dr. Klaus Hoffmann: Sascha Schneider & Karl May — Eine Künstlerfreundschaft. Karl-May-Stiftung Radebeul 1989, S. 52. ISBN 3-910035-03-5
  17. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 78.
  18. Brief an Klara May vom 20. November 1914; Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 317.

Literatur