Carl Ball

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Carl Willi Ball (* 1873; † nach 1928) war Kapellmeister und ein Leser, der in freundschaftliche Beziehung mit Karl May getreten war.

Leben[Bearbeiten]

Hinweise auf Balls Biografie sind bisher vor allem aus der Korrespondenz mit May bekannt.

Carl Ball war verheiratet mit Hedwig geb. Thusneck.

1899 war er Musikleiter in Stade. Spätestens ab 1908 wirkte Ball als Stabstrompeter und Militärkapellmeister beim Ulanen-Regiment Henning v. Treffenfeld in Salzwedel. 1911 bezeichnete er sich als K[öni]gl[icher] Musikmeister.[1]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Carl Ball Kriminalkommissar.

Carl Ball und Karl May[Bearbeiten]

Grußschreiben[Bearbeiten]

Seinen ersten Brief an Karl May schrieb Carl Ball im Dezember 1899. In der Antwort erfuhr er, dass sich May auf einer Orientreise (seiner einzigen) befände und der Zeitpunkt seiner Rückkehr ungewiss sei.[2]

Einen Geburtstagsgruß sandte Ball am 24. Februar 1908 an Karl May:

Gestatten Sie, bitte, einem Ihrer allergetreusten Leser, Ihnen zu Ihrem morgenden 66. Geburtstage die herzlichsten Glück- u. Segenswünsche zu übersenden. – Ihr prächtiges Ave Maria habe ich mit großer Freude in allen Vereinen singen lassen, die mir als Dirigent unterstellt waren.[3]

Grüße von der Amerikareise[Bearbeiten]

Während ihrer Amerikareise versahen Karl und Klara May viele ihrer Bekannten mit Ansichtskarte. Unter den zahlreichen Karten, die am 28. September 1908 von Niagara Falls (Kanada) aus verschickt wurden, ging eine an Carl Ball.[4] Ball bedankte sich am 1. Dezember für diese Postkarte und fügte an:

Ich hörte, daß Sie vor einigen Jahren [nämlich 1898] gelegentlich eines Besuches bei Herrn Graf v. Grote (Schloß Breese) Salzwedel berührt hätten; sollte Sie Ihr Weg mal wieder nach hier führen, dann darf ich doch um Ihren werten Besuch ebenfalls bitten?[5]

Besuch in Radebeul[Bearbeiten]

Auf einer Reise nach Hirschberg besuchte Carl Ball am Morgen des 8. März 1909 zum ersten Mal Karl und Klara May in der Villa Shatterhand" in Radebeul. Ball sprach mit Klara May über die gemeinsame anhaltische Heimat, betrachtete Henrystutzen, Silberbüchse und Bärentöter aus der Nähe und rauchte mit Karl May eine Zigarre, Marke "Old Shatterhand". Außerdem bekam er von May ein silbernes abessinisches Geldstück und die mit persönlicher Widmung versehene Komposition "Ave Maria" geschenkt.[6]

Nach seiner Heimkehr schrieb Carl Ball am 30. März an Karl May in einem Brief:

Als ich nun nach hier her zurück kam, mußte ich in unserem kleinen May-Zirkel auf tausend Fragen Antwort geben. [...] Die größte Freude wurde natürlich durch die Mitteilung hervorgerufen, daß demnächst der 4. Band von Winnetou u. die beiden Bände "Im fernen Westen""Im fernen Osten" erscheinen würden.[7]

Im nächsten (bekannten) Brief an May vom 29. Oktober stellte Carl Ball zwei Fragen. Zum einen plante er, in eine Loge einzutreten und fragte nach Karl Mays Meinung zu den Freimaurern. Zum anderen:

Wo kauft man die Zigarre "Marke Old Shatterhand"?[8]

Leider sind Mays Antworten darauf nicht überliefert.

in Gartow[Bearbeiten]

Carl Ball, dessen Kapelle am 1. Dezember 1910 in Gartow konzertieren werde, sprach Karl May am 21. November in einem Brief auf dessen dortigen Reise-Erlebnisse an.

[Dort,] wo wir alle, es giebt daselbst noch mehrere May-Anhänger, fröhlich beisammen sein werden.

Zu diesem Zweck bat Ball um ein Porträtfoto.[9]

Im Hotel Krug in Gartow schrieb Ball im Kreise von May-Lesern am 2. Dezember eine Postkarte an Karl May, die außerdem von Wilhelm Anton Krug, August Herbst, Ernst Röhrs und deren Ehefrauen unterzeichnet wurde.[10][11]

in Dresden und Radebeul[Bearbeiten]

Am 21. Februar 1911 kündigte Carl Ball Karl May brieflich an, dass er Anfang August bei der Dresdner Hygiene-Ausstellung mit seiner Kapelle ein Konzert geben wird, bei dem er auch Hugo Moesgens Dance american mit dem Titel Winnetou spielen werde. Außerdem plante er, in dieser Zeit auch Mays in Radebeul zu besuchen.[12]

Dazu lud Karl May ihn in einem nicht erhaltenen Brief ein, wofür Carl Ball sich am 26. März bedankte. Weiterhin schrieb er:

Wenn es wirklich Leutchen geben sollte, die mich deswegen, weil ich den Winnetou-Dance mit in mein Programm aufnehme, für einen Schwachkopf halten, so mögen sie das immerhin tun. Ich tröste mich da wie jener biedere altmärker Bauer mit dem Gedanken: "Was scheert mich Euch!"[13]

Die Konzerte von Carl Balls Kapelle auf der Hygiene-Ausstellung in Dresden fanden vom 3. bis 7. August statt. Eines davon (wohl das am 6. August) besuchten Karl und Klara May und luden danach den Kapellmeister und seine Frau Hedwig zum Abendessen zu sich ein. Danach wurden durch Klara May Fotos gemacht. In seinen Erinnerungen berichtete Carl Ball darüber:

Karl May war sprühender Laune, und setzte sich bei einer der Aufnahmen meine Militärmütze auf. Es waren ungemein frohe Stunden. Doch auch Ernst überschattete sie: Karl May erzählte von der häßlichen Feindschaft und Hetze, die gegen ihn von allen Seiten eingesetzt hatte.

Später trug May noch Stellen aus Ardistan und Dschinnistan und aus Babel und Bibel vor.

"Nun fehlen mir nur noch die Harfenklänge", sagte er bedauernd, "die aus dem Innern des Turmes erklingen sollen, wie dies im Text angedeutet ist. Wenn ich doch jemand fände, der mir diese Harfenklänge komponierte!" – Je länger wir uns in dieses tiefangelegte Werk versenkten, desto mehr faßte bei mir im stillen der Gedanke Wurzel: zu versuchen, ihm diese Harfenklänge selber zu komponieren.

Zum Abschied überreichte Karl May dem Kapellmeister ein Exemplar von Babel und Bibel und eine Sascha-Schneider-Mappe.[14]

Balls Harfenklänge[Bearbeiten]

Carl Ball führte seinen Plan tatsächlich aus. Am 23. Oktober 1911 war seine Komposition vollendet;[15] ihr Titel lautete:

Harfenklänge
zu Karl May's arabischer Fantasia:
"Babel und Bibel"
komponiert v. C. Ball, Kgl. Musikmeister.[16]

Aber erst am 16. Dezember schickte Ball sein Werk an Klara May. Er schrieb dazu:

Es würde mir zur großen Freude gereichen, wenn ich unserem genialen Karl May, dem Freunde aller guten Menschen, der seiner ganzen großen Gemeinde – um nicht zu sagen: fast der ganzen Welt – so herrliche Weihnachtsgaben brachte, mit diesen "Harfenklängen" ein kleines Angebinde unter den Weihnachtsbaum legen dürfte.[17]

Karl May erhielt am Heiligabend 1911 tatsächlich die Harfenklänge als Weihnachtsgeschenk. In seinen Erinnerungen schrieb Carl Ball dazu:

Der Wiener Komponist, Professor Mandl, der gerade im Haus Shatterhand zum Besuch weilte, [...] spielte ihm die Harfenklänge am Christfest auf dem Klavier vor. Frau Klara schrieb mir, der Dichter habe sich sehr gefreut.[18]

In Wirklichkeit besuchte Richard Mandl die Mays erst am 22. Februar 1912 und spielte erst da die Komposition.[19]

Von weiteren Kontakten zwischen Carl Ball und dem Ehepaar May bis zu Karl Mays Tod am 30. März 1912 ist nichts bekannt.

Im Jahre 1915 sandte er jedoch eine kriegsbegeisterte Feldpostkarte an Klara May. Darin heißt es:

Wie manchmal schon sind meine Gedanken – sei's im Kampfgetöse oder beim kl[einen] Lagerfeuer – zu ihm geflogen![20]

1928 veröffentlichte Carl Ball im Karl-May-Jahrbuch seine Erinnerungen an Karl May unter dem Titel Harfenklänge zu "Babel und Bibel".

Das Stück wurde samt den transkribierten Anmerkungen vollständig in Karl May und die Musik faksimiliert.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Lorenz/Kühne: Karl May und die Musik, S. 245.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 324.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 356.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 437.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 457.
  6. Ball: Harfenklänge. Zitiert nach: Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 503 f.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 512.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 573.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 359.
  10. Klußmeier/Beck: "Sitz im Hotel...", S. 85ff.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 371.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 423.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 436 f.
  14. Ball: Harfenklänge. Zitiert nach: Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 482 f.
  15. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 506.
  16. Lorenz/Kühne: Karl May und die Musik, S. 245.
  17. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 519.
  18. Ball: Harfenklänge. Zitiert nach: Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 527.
  19. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 527.
  20. Lorenz/Kühne: Karl May und die Musik, S. 244 und 271 f.

Literatur[Bearbeiten]

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.