Boxeraufstand

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Unter dem Boxeraufstand (1900) versteht man eine fremdenfeindliche chinesische Bewegung, genannt „in Rechtschaffenheit vereinigte Milizen“ (Wade-Giles: I-ho t´uan). Die Bezeichnung Boxer ist die Verallgemeinerung des Namens im Englischen und bezieht sich auf eine der ersten Boxergruppen, die sich selbst "in Rechtschaffenheit vereinigte Faustkämpfer" (Yìhéquán) nannte.

Vorgeschichte

Die Entstehung der Boxerbewegung wurde im Wesentlichen durch vier Faktoren beeinflusst: (1) den westlichen Imperialismus der "ungleichen Verträge", durch den sich alle größeren europäischen Staaten sowie die USA und seit 1895 auch Japan von China juristische und wirtschaftliche Privilegien erzwangen ; (2) den innerchinesischen Konflikt zwischen Reformern und Konservativen am Kaiserhof; (3) die gleichfalls auf den ungleichen Verträgen beruhende Sonderstellung der christlichen Mission im Landesinneren, wo die Missionare mit Hilfe der ausländischen Konsuln in lokale Streitigkeiten intervenierten; (4) die durch eine Reihe von Naturkatastrophen Ende der 1890er Jahre in Nordchina ausgelöste Krisenstimmung. Ob der ausländische Handel (Import) tatsächlich viele Menschen arbeitslos gemacht und damit den Boxeraufstand mit ausgelöst hat, ist dagegen umstritten.

Die Boxer machten die Ausländer, in zweiter Linie die chinesischen Christen für die Störungen der natürlichen Umwelt und der sozialen Harmonie verantwortlich. Sie forderten, die Feinde Chinas mit Gewalt zu beseitigen, um diese Harmonie wieder herzustellen. Dabei traten sie als Unterstützer der herrschenden Qing-Dynastie (Mandschu-Dynastie) auf. Eine ihrer bekanntesten Parolen lautete: "Unterstützt die Qing und vernichtet die Fremden."

Dennoch versucht der kaiserliche Hof bis ins Frühjahr 1900, die Boxer zu unterdrücken. Wegen der lockeren Organisationsstruktur der Boxer scheiterten die Versuche jedoch. Erst als die Ausländer daraufhin die Regierung in Peking massiv unter Druck setzten, änderten Kaiserinwitwe Cixi und ein Teil der hohen Beamtenschaft ihre Meinung und begannen, in den Boxern Verbündete gegen die Ausländer zu sehen.

Der Boxeraufstand

Im Mai 1900 erreichte die Bewegung die Umgebung der Hauptstadt Peking, und es begannen die Attacken gegen Ausländer, chinesische Christen sowie gegen die an die Küste führenden Bahnlinien.

Am 10. Juni marschierte ein 2.066 Mann starkes internationales Expeditionskorps unter dem Befehl des britischen Admirals Edward Hobart Seymour in Tianjin ab, um die Gesandtschaften in Peking zu schützen. Es wurde jedoch von den Boxern aufgehalten (14.-18. Juni) und musste umkehren. Die rund 473 Ausländer, 451 Soldaten und über 3.000 chinesische Christen in Peking hatten sich mittlerweile im Gesandtschaftsviertel verbarrikadiert. Hier waren sie von der Kommunikation mit den ausländischen Stützpunkten an der Küste abgeschnitten, da die Boxer die Telegraphenleitung abgeschnitten hatten.

Angesichts dieser Situation stellten die alliierten Truppen ein Ultimatum zur Übergabe der stark befestigten chinesischen Küstenforts von Dagu. Am 17. Juni, 75 Minuten vor Ablauf des Ultimatums, eröffneten die Chinesen das Feuer und in der Folge wurden die Forts von den Alliierten erstürmt. Auf die Nachricht von der Erstürmung hin erließ der Kaiserhof am 21. Juni ein Edikt an seine Untertanen, das einer Kriegserklärung an die Alliierten gleich kam. Bereits am 20. Juni war der Gesandte der deutschen Reichsregierung, Baron Klemens von Ketteler, in Peking auf offener Straße von einem mandschurischen Bannersoldaten erschossen worden. Kaiserliche Truppen kämpften nun offiziell an der Seite der Boxer. Umgekehrt hat keiner der westlichen Staaten China den Krieg erklärt.

Nun stellten sechs europäische Staaten, die USA und Japan ein Expeditionskorps für eine Intervention in China zusammen. Bei der Verabschiedung eines Teils der deutschen Truppen am 27. Juli hielt Kaiser Wilhelm II. seine berüchtigte Hunnenrede, die den Deutschen in England den Spitznamen „The Huns“ einbrachte. Die in Europa eingeschifften Truppen kamen allerdings zu spät, um noch am Entsatz Tianjins und Pekings teilzunehmen. Die ca. 20.000 Mann starke alliierte Truppe, die am 4. August in Tianjin abmarschierte, bestand in erster Linie aus britisch-indischen, russischen, japanischen und von den Philippinen nach China verlegten US-amerikanischen Truppen; Deutsche, Franzosen, Österreicher und Italiener beteiligten sich nur mit einigen Abteilungen Marineinfanterie.

Das Expeditionskorps erreichte am 13. August 1900 Peking, das bereits am folgenden Tag fiel. Am 15. August flohen die Kaiserinwitwe und ihr Rat aus Peking nach Sian/Shaanxi, begaben sich auf „Inspektionsreise“. Peking wurde von den Alliierten drei Tage lang geplündert.

Nach der Einnahme Pekings wandelte sich der Charakter des Krieges. In einem Edikt vom 7. September machte Cixi die Boxer für die militärische Niederlage verantwortlich und erteilte den Provinzgouverneuren die Anweisung, erneut Regierungsruppen gegen sie einzusetzen. Gleichzeitig begannen die alliierten Truppen damit, "Strafexpeditionen" gegen "Boxernester" durchzuführen und so den letzten Widerstand zu brechen. Bei ihren Operationen ließen sich die alliierten Truppen brutale Ausschreitungen gegen die chinesische Bevölkerung zuschulden kommen. Ihr Ziel bestand darin, Terror zu verbreiten und dadurch die Chinesen von zukünftig von einer Erhebung gegen die Ausländer abzuschrecken.

Insgesamt fielen 231 Ausländer und viele tausend christianisierte Chinesen den Boxern zum Opfer. Bei den Ausländern handelte es sich überwiegend um Missionare, die in den Städten Taiyuan und Baoding auf Betreiben des Gouverneurs Yuxian umgebracht wurden. Wie viele Tote der grausamen alliierten Kriegführung zum Opfer fielen, ist unbekannt.

Nach dem Aufstand - Das Boxerprotokoll

Das Verhalten der alliierten Interventionstruppen stieß in der Heimat nicht nur auf Zustimmung. Vor allem aus sozialistischen und liberalen, teilweise auch aus kirchlichen Kreisen wurden Vorbehalte gegen die Intervention geäußert. Besonders die Hunnenrede wurde im In- und Ausland heftig wegen der darin enthaltenen Äußerung kritisiert, kein Pardon zu geben und keine Gefangenen zu machen.

Seit dem Herbst 1900 verhandelte der erfahrene Diplomat Li Hongzhang als Abgesandter des Kaiserhofs über die Friedensbedingungen. Am 7. September 1901 wurde das so genannte "Boxerprotokoll" unterzeichnet. Es stellte fest, dass

  • die chinesische Regierung sich für die Morde an ausländischen Diplomaten (neben Ketteler auch der japanische Gesandtschaftssekretär Graf Sugiyama) entschuldigen und ein Denkmal für Ketteler errichten müsse,
  • Aufständische zu bestrafen seien (viele Todesurteile wurden verhängt),
  • die Beamtenprüfungen in allen Städten, in denen Ausländer getötet worden waren, für fünf Jahre ausgesetzt werden sollten,
  • China Reparationen in Höhe von 1,4 Milliarden Goldmark bis 1940 (70 Millionen Pfund Sterling) und
  • Entschädigungen an betroffene Ausländer zu zahlen hatte,
  • keine Waffen gekauft und eingeführt werden durften,
  • das Gesandtschaftsviertel in Peking ausschließlich für Ausländer reserviert und befestigt werden sollte,
  • die Dagu-Forts geschleift und ausländische Stützpunkte an der Bahnstrecke zwischen Peking und der Küste errichtet werden sollten,
  • ein modernes Außenministerium mit Vorrang vor allen anderen Ministerien einrichten musste,
  • ein kaiserliches Edikt bestätigt wurde, das ausländerfeindliche Organisationen bei Todesstrafe verbot,
  • der Kotau (tiefe Verbeugung, Ehrenbezeigung) für ausländische Diplomaten abgeschafft wurde (tiefe Demütigung, zusammen mit einer Militärparade in der verbotenen Stadt, die nur für chinesische Beamte geöffnet war).

Karl May und der Boxeraufstand

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Werke mit
Boxeraufstand

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Et in terra pax

Zu Joseph Kürschners chauvinistischem China-Sammelwerk lieferte Karl May die humane Reiseerzählung Et in terra pax und bemerkte dazu:

Mit dieser Art von Gong habe ich nichts zu tun.

Literatur

Weblinks