Bier

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Publikation des Karl-May-Hauses, 2019

Bier ist ein alkohol- und kohlensäurehaltiges Getränk, das durch Gärung meist aus den Grundzutaten Wasser, Malz und Hopfen gewonnen wird. Für ein kontrolliertes Auslösen des Gärvorganges wird meistens Hefe, selten auch Milchsäurebakterien zugesetzt. Weitere Zutaten sind z. B. Früchte, Kräuter oder Gewürze. Der Alkoholgehalt von normalen Biersorten liegt in Deutschland und Österreich in der Regel zwischen 4,5 und 6 Prozent.

Über den Ursprung des Wortes Bier gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Vermutlich stammt es von biber (lateinisch "Getränk") ab. Ein nicht mehr gebräuchliches Wort für Bier ist das germanische Äl, wobei es sich um das noch ungehopfte Gebräu handelte.

in Karl Mays Werk

In Karl Mays Werken wird oft und gern Bier getrunken. Häufig wird dabei die spezielle Sorte oder Marke genannt. Eine besondere Mahlzeit stellt das Warmbier dar. In folgenden sind nicht alle, sondern nur die wichtigste "Bier-Zitate" aus dem Werk Mays aufgeführt.

in Die Fastnachtsnarren

"So was darf man Euch Frauenzimmern nicht auf die Nase binden. Ich glaube, das Mädel wäre im Stande, mir den ganzen Spaß zu Wasser zu machen."
"Ja, wenns Bier wäre, ließest Du Dirs wohl eher gefallen?"
"Das versteht sich; aber Chemnitzer Schloß müßte es sein; da laufe ich zwei Meilen darnach!"
...
"Laß Dir nichts weiß machen, Gevatter! Ich mache eine Wette mit um Alles, was Du willst, daß der meinige besser ist."
"'S ist aber nicht wahr! Ich setze auf der Stelle ein Faß Chemnitzer Schloßbier."

in Die drei Feldmarschalls

"Nur sachte da hinten,« antwortete Fährmann, »oder glaubt Er vielleicht, daß ich nur auf Ihn gewartet hab'?"
"Raisonnire Er nicht, sondern spute Er sich ein wenig, daß ich einen Krug Frisches bekomme!"
Bei dem Klange dieser tiefen, dröhnenden Stimme war der auf dem Kanapee Liegende zusammengezuckt, hatte aber seine Stellung ruhig beibehalten.
"Da hat Er Sein Bier," meinte Fährmann, den Krug vor den Gast hinstellend, "und nun wird Er wohl zufrieden sein!"
"Wenn der Trunk gut ist, ja, sonst aber kann Er Seine Brühe selber trinken!"
Er kostete, schnalzte wohlgefällig mit der Zunge und leerte dann das Gefäß in einem Zuge.
"Noch einen!" befahl er schmunzelnd.
"Nun, schmeckt's?"
"Besser als man es bei Ihm denken sollte!"

in Der Scheerenschleifer

"Hollah Wirthshaus! Schläfst Du etwa?"
"Geht Dich wohl nicht viel an, Bursche!"
"Meinst Du? Na, friß mich nur nicht! Hast Du ein Bier hier in Deiner alten Bude?"
"Ja."
"Aber was es taugen wird!"
"Es ist mehr als gut genug für Dich und Deinesgleichen."
"Bist wahrhaftig nicht auf das Maul gefallen, Alter! Ist es Broihahn?"
"Ja."
"So schaffe einen Krug, aber ohne Zucker und Zitrone!"
Der Wirth brachte das Verlangte.

in Ein Fürst-Marschall als Bäcker

Der Wirth brachte das Bier.
"Da hat Er Sein Theil!"
"Mein Theil? Ist Er bei Sinnen! Wie viele Tropfen gehen denn eigentlich in diesen Fingerhut, he? Und wie sieht das Zeug aus! Ist das Bier? Oder haben vielleicht Frösche in den Soff geheckt?"
"Es ist Bier, und damit pasta!"
"Werd's kosten!"
Er nahm das Glas an den Mund und that einen kleinen Zug, zog aber sofort ein Gesicht, als ob er Schwefelsäure verschluckt habe, und spuckte Alles wieder aus.
"Was soll das sein? Bier soll das sein? Weiß Er, was das ist? Ich will es Ihm gleich sagen: Wasser ist es, Scheuerwasser mit Essig, Aloe, Sauerampfer, Huflattich, Bilsenkraut, guter Heinrich, Teufelsdreck und Stubenkehricht. Was kostet so ein Vogelnäpfchen voll davon?"
"Fünf Pfennige."
"Fünf Pfennige? Na, es ist auch darnach!"
"Höre Er, sei Er höflicher, sonst wird Er einfach an die Luft gesetzt!"
"Mache Er keinen Summs, und behalte Er Seine Luft für sich! Hat Er vielleicht ein besseres Bier?"
"Hm! Kann Er es bezahlen?"
"Das geht Ihm den Teufel an."
"Das geht mich wohl etwas an! Da kommt oft so ein Vagabund, thut groß und dick, ißt und trinkt, und wenn es zum Treffen kommt, langen die paar Bettelpfennige nicht aus. Wer ist nachher der Geleimte, he? Ich, kein Anderer!"
"Na, thue Er nur nicht selber dicke! Er sieht mir gar nicht so aus, als ob Er um sehr viel geleimt werden könnte! Da gucke Er einmal her! Sieht Er diesen Strumpf, he?"
"Alle Wetter! Ist der voll Geld?"
"Was soll es sonst sein? Apfeltröpfe vielleicht?"
"Höre Er, da versteht Er sich aber ganz ausgezeichnet auf's Fechten!"
"Das will ich wohl meinen. Ich fechte, daß die Schindeln prasseln! Also, was hat Er noch für Bier?"
"Gose und Mumme. Das ist eigentlich nur für die Herren Honoratioren, wenn die mich einmal besuchen."
"Honoratioren? Wird auch viel Gescheidtes geben in diesem Neste! Schneider, Schuster, Ofenputzer, Löffelmacher, Ellenreiter, ja! Ist die Gose echt?"
"Natürlich!"
"Dummheit! Natürlich ist blos das Wasser, und das mag ich nicht! Ich meine, ob die Gose auch wirklich aus Goslar ist."
"Ja."
"Bringe Er mir eine!"
"Kann Er sie denn auch vertragen?"
"Warum?"
"Wer sie nicht gewohnt ist, dem geht es schlimm!"
"Na, da wird Er mir Seine Hosen auch nicht dazu borgen. Scheere Er sich hinaus, sonst helfe ich nach!"
...
"Kann ich ein Glas Bier bekommen?" frug er nach einer Weile.
Niemand antwortete.
"Gebt mir ein Glas Bier!" gebot er nach längerer Pause zum zweiten Male.
Kein Mensch rührte sich, seinen Wunsch zu erfüllen.
Er wartete noch einige Minuten, dann trat er an den Schänktisch und nahm ein Glas und eine Flasche, auf welcher das einladende Wort "Zitzemille" zu lesen war. Dieses beliebte Bier wurde in Naumburg gebraut und weit und breit versandt und getrunken. Er kehrte an seinen Platz zurück und schänkte sich ein. Da drehte der Wirth den Kopf abermals herum: "Hat Er Asche?"[1]
"Geht Ihm einen Dreck an!"
Diese Art zu antworten war dem berühmten Grobian denn doch zu sympathisch, als daß er den Sprecher noch länger hätte ignoriren können. Er musterte ihn aufmerksam und meinte dann: "Na, Er hat wenigstens einen vollen Tornister. Der gilt mir als Pfand, wenn Er nicht bezahlen kann."
Leopold fand solchen Geschmack an dem braunen Trank, daß die Flasche bald leer war. Er ging also zum Schänktische und holte sich eine zweite. Das bemerkte der Wirth und wandte ihm das Gesicht zum dritten Male zu: "Die zweite Bulle? Mache Er zwei Striche an die Thür! Die Kreide hängt dort an dem Stricke."
...
Dabei wurde wacker getrunken. Die "Zitzemille" mundete dem Fürsten so gut, daß er eine Flasche nach der andern ausstach. Dieses Bier aber war er nicht gewohnt, und als er gegen 10 Uhr mit dem Meister aufstehen mußte, um die Backstube vorzurichten, hatte sein Gang längst nicht mehr die gewohnte Sicherheit.
...
"... Heute geht es, wie auf der Extrapost. Aber pfui Teufel hat der Kerl ein Gesicht! Etwas Gescheidtes ist das nicht. Höchstens für einen Dreier Dünnbier wird er verlangen."
"Wart's ab! Es ist heute ein Glückstag für uns!"
Der Gast trat ein. Es war der Pflasterhändler.
"Gott zum Gruß! Giebt es hier ein gutes Bier?"
"Das will ich meinen!"

in Vom Tode erstanden

Auch die alte Mission "Santa Barbara" erlitt ein solches Schicksal, welches mit ihrer ursprünglichen Bestimmung wenig Aehnlichkeit hat.
Ein Franzose aus dem Elsaß errichtete unten in einem der Flügel eine Brauerei, mauerte einen riesigen Kessel ein und fing an, ein Getränk zu kochen, welches er die Verwegenheit hatte, Bier zu nennen.
...
Die Mission "Santa Barbara" steht noch heut, und wer nach Sakramento kommt und hinaufsteigt, um in der Restauration des Amerikaners ein Glas Gerstenspüligt zu trinken, welches der elsasser Franzose unter dem stolzen Namen Bier zusammenkocht, der kann sich gar viel erzählen lassen von dem eingegangenen Lazareth des aufgeknüpften Apothekergehülfen aus Norfolk, Staat Nordkarolina.

in Waldröschen

"Haben Sie Wein?" fragte Alfonzo den Wirth.
"Nein," sagte dieser. "Bei mir trinkt man Absynth oder ein Glas Bier aus dem Elsaß. Aber wenn dem Herrn Marchese der Wein lieber ist, so werde ich welchen besorgen."

in Der verlorne Sohn

Dieser begrüßte den fremden Gast und fragte nach seinem Begehr, worauf dieser ein Glas Bier verlangte.
Der Schmied besorgte das Getränk und musterte den Neuangekommenen neugierig. Fremde waren in dem weit abgelegenen Dorfe selten. Er schien befriedigt zu sein, denn er setzte sich zu Arndt und fragte:
"Ist's recht, das Bier?"
"Nicht übel!" lautete die Antwort, indem der Trinker mit der Zunge schnalzte.
"Ja, wir schänken hier noch direct aus dem Fasse; da läßt es sich eher trinken, als aus den Röhren und Gummischläuchen, durch die es anderwärts zu laufen hat, ehe es in die Kehle kommt. ..."
...
"... Erst einen Platz in der Gesellschaft haben, dann soll er kommen!"
"Aber er muß mich doch zuweilen sehen, um neue Kraft und neuen Muth zu bekommen!"
"Ich möchte wissen, wozu. Er mag kräftig essen und ordentlich leben, dazu täglich sechs Liter bayerisches Bier; dann bekommt er Kraft und auch Muth, ohne Dich nur anzugucken. Bei Dir fände er nichts Nahrhaftes. ..."

in Deutsche Herzen - Deutsche Helden

"Ich heiße nicht so. Ihr habt mich falsch verstanden. Emeria ist mein Name."
"Ach so! Entschuldigung, Sennorita Amerika! Ich bin nämlich so weit – –"
"Emeria, nicht Amerika!" rief sie ihn an.
"Immer wieder anders! Na, meinetwegen. Habt Ihr Bier?"
"Ja. Habt Ihr Geld?"
"Ja."
"Ich habe nur Porter und Ale. Beides ist theuer."
"Das ist mir sehr gleichgiltig. Gebt mir Porter!"
...
"Mensch, Freund, Kollege und Zimmermann, wer hätte Dich erkennen können! Du hast Dich sehr verändert."
"Zu meinem Nachtheile wohl?"
"Das weiß ich noch nicht zu sagen. Ehe ich diese Entscheidung fälle, muß ich Dich genauer betrachten, und das geschieht am Allerbesten, indem wir ein Glas Bier mit einander trinken. Kannst Du das?"
"Natürlich. Du weißt ja, daß ich im schönen Bayernlande geboren bin, wo der Säugling schon Bier anstatt der Milch zu trinken bekommt."

in Der Weg zum Glück

"... Habt Ihr denn hier auch schon was trunken?"
"Und ob!"
"So seid Ihr allbereits bekannt. Zeigt mir doch gleich mal, wo ein Bier zu finden ist, aber nicht so ein wässeriges österreichisches, sondern ein kerniges aus dem lieben Bayernlandl daheim. Mir ists, seit ich daheim fortbin, als ob ich lauter Hausschwamm im Magen hätt. Das echte Bierl hat mir fehlt."
"Da komm nur mit," meinte Johannes. "Gar nicht weit von hier haben wir gestern eins trunken; das ist gar brav gewest."
...
Dort gab es zur größten Freude des Sepp ein wirklich echtes und gutes bayrisches Bier, wovon der durstige Alte gleich zwei Gläser austrank. Erst als er das dritte erhielt, begann er, langsam und gemächlich zu trinken.

in Der Geist des Llano estakado

Als er zurückkehrte, hatte er zwei Flaschen und zwei Biergläser in der Hand.
"Sapperment, das ist günstig!" rief Frank. "Bier! Ja, das laß ich mir gefallen! Beim edlen Gerschtenschtoff öffnen sich am leichtesten die Schleusen männlicher Beredsamkeet. Wird denn hier in Texas ooch schon welches gebraut?"
"Sehr viel sogar. Sie müssen wissen, daß es in Texas vielleicht über vierzigtausend Deutsche gibt, und wo der Deutsche hinkommt, da wird sicherlich gebraut."
"Ja, Hopfen und Malz, Gott erhalt's! Brauen Sie die liebe Gottesgabe selber?"
"Nein! Ich lasse mir, so oft es paßt, einen Vorrat aus Coleman City kommen. Prosit, Herr Frank!"
...
"Setzt Euch nieder, Sennor!" antwortete Helmers in demselben Jargon. "Was wollt Ihr trinken? Ein Bier oder einen Schnaps?"
"Bleibt mir mit Eurem Bier vom Leibe! Ich mag von solcher deutschen Brühe nichts wissen. Gebt mir einen kräftigen Schnaps, aber nicht zu wenig. Verstanden?"

in Der blaurote Methusalem

"Unmöglich! Bedenken Sie, zehntausend Li! Das ist ja unbegreiflich!"
"Es ist im Gegenteile leicht erklärlich. Zehntausend Li sind nach deutschem Gelde ungefähr sechzig Mark."
"Also die Flasche zwei Mark?"
"Ja."
"Die daheim fünfzehn Pfennige kostet!"
"Wir sind nicht daheim. Wir haben deutsches Bier getrunken, irre ich mich nicht, aus der Waldschlößchenbrauerei zu Dresden. Dieses Bier muß den Aequator zweimal passieren. Haben Sie denn noch nie so fern von der Heimat unser Bier gekostet?"
"Nein."
"Nun, dann ist es eben kein großes Wunder, daß Sie sich um die betreffenden Preise nicht bekümmert haben."
...
Er bot den Reisenden sogleich Zimmer an; Degenfeld aber lehnte ab und fragte nur, ob Bier zu haben sei. Er hatte keins, erbot sich aber, welches aus dem nahen Klubhause holen zu lassen, und bald bekamen sie einen vortrefflichen Bergedorfer Gerstensaft vorgesetzt, den sie sich aus dem Stammglase des Blauroten munden ließen.

in Die Sklavenkarawane

"Was? Wie? Ein Deutsches seinte Sie?"
"Ja, freilich!" antwortete der Graue in derselben Sprache.
"Woher?"
"Aus Bayern."
"O, das seinte schön, das seinte gut! Ich warrr geweste auch in Land, bayrisches."
"So! Das g'freut mich halt außerordentlich, wann's meine Heimat kennen."
"Ja, ich seinte gebliebte in München, wo ich hatt trunkte Bier, Sedlmeirisches; ich hatt dazu gegeßte Rettich, schwarzigen, und Würstel, senftigte."
"Ja, a gutes Bier mit Rettich und auch Würstel, das ist bei uns zu haben; darauf versteht man sich bei uns in Bayern. ..."

in Das Vermächtnis des Inka

Nur als einer der Kellner, ein ebenso kleiner Bursche wie er selbst, zu ihm trat, um ihn zu fragen, was er wünsche, blickte er auf und fragte im reinsten Spanisch:
"Haben Sie Bier? Ich meine nämlich Cerevisia, wie es lateinisch heißt."
"Ja, Señor, Bier haben wir, die Flasche zu sechs Papierthalern."
"Bringen Sie eine Flasche, eine Ampulla oder Lagena auf lateinisch."
Der Kellner sah ihn verwundert an, brachte Flasche und Glas und goß das letztere aus der ersteren voll. Der Gast trank aber nicht und sah nicht von den Büchern auf.

in Der schwarze Mustang

"... Plauen is mir nämlich sehr ans Herz gewachsen, denn dort habe ich bei Anders im Glassalon mein schönstes Bier getrunken und meine besten Schweinsknöcheln à la omelette gegessen; voigtländische Klöße, so grüngenüffte, waren, gloobe ich, ooch dabei. ..."

in In den Schluchten des Balkan

"Ich habe in Stambul Leute aus Alemanja gesehen. Sie verkaufen Leinwand, Sacktuch und Messerklingen. Sie trinken Bier und singen Lieder dazu. ..."
...
"Was hast du zu trinken?"
"Einen Raki und ein sehr gutes Bier, welches ich euch empfehlen kann."
Also Bier hatte er! Hm! Das war ja überraschend.
"Wer hat es gebraut?" fragte ich.
"Ich selbst."
"Wie bewahrst du es auf?"
"In großen Krügen. Es wird täglich neues gekocht, da ich es meinen Leuten zu trinken gebe."
Das war nun freilich keine Empfehlung. Er mochte dies meinem Gesicht ansehen, denn er sagte:
"Du kannst es getrost versuchen. Es ist ganz neu, erst heute früh fertig geworden."
Er war also wohl der Ansicht, daß das Bier um so besser munde, je jünger es sei. Ich hegte eine ganz andere Meinung, bestellte aber doch von dem Trank; denn ich war neugierig, welch ein Gebräu man hier mit dem Namen Bier bezeichne.
Er brachte einen großen, gefüllten Krug und setzte denselben auf den Tisch.
"Trink!" munterte er mich auf. "Es gibt Kraft und verscheucht die Sorgen."
Ich nahm allen meinen Mut zusammen, ergriff den Krug mit beiden Händen und führte ihn zum Mund. Das Zeug roch nicht übel; ich tat einen kühnen Zug, noch einen und – trank weiter. Dünn war es, außerordentlich dünn, Münchener Gebräu, mit dem fünffachen Volumen Wasser vermischt, aber es schmeckte doch nicht übel. Es war ein Mittel gegen den Durst, weiter aber nichts.
Auch die Andern tranken und gaben dann ein befriedigendes Gutachten ab, vielleicht nur, weil ich kein abfälliges Urteil ausgesprochen hatte. Das freute den Wirt sichtlich. Sein finsteres Gesicht heiterte sich für einige Augenblicke auf, und er meinte in selbstbewußtem Ton:
"Ja, ich bin selbst Bierbrauer. Das tut mir hier niemand nach."
"Wo hast du das gelernt?"
"Von einem Fremden, welcher aus dem Bierland gebürtig war. Er hatte längere Zeit in Stambul gearbeitet und war eigentlich ein Schuster. Aber in jenem Lande brauen alle Bier, und darum verstand auch er es gut. Er war sehr arm und wanderte in seine Heimat zurück. Ich hatte Mitleid mit ihm und gab ihm für einige Zeit Herberge nebst Speise und Trank. Dafür hat er mir aus Dankbarkeit das Rezept des Bieres gegeben."
"Wie heißt das Land, aus welchem er stammte?"
"Ich habe mir den Namen ganz genau gemerkt. Es heißt Elanka."
"Du hast, wie es scheint, dir den Namen doch nicht ganz genau gemerkt."
"O doch! Er lautete wirklich Elanka."
"Oder wohl Erlangen?"
"Erla – – – Herr, du hast recht. So wie du sagst, so heißt das Land. Ich besinne mich. Das Wort ist nicht leicht auszusprechen. Kennst du es denn?"
"Ja, aber Erlangen ist nicht ein Land, sondern eine Stadt in Bawaria."
"Ja, ja, du weißt es ganz genau. Er war ein Bawarialy. Jetzt fällt es mir ein. Bawaria ist ein Teil von Alemanja, wo alle Leute Bier trinken. Sogar die Säuglinge schreien schon danach."
"Hat dir das dieser Schuster gesagt?"
"Ja, er tat es."
"Nun, ich kenne ihn nicht und weiß also auch nicht, ob er bereits in so früher Jugend Bier getrunken hat. Jedenfalls aber hat er dir bewiesen, daß dieser Trank den Menschen nicht undankbar macht. ..."

in Durch das Land der Skipetaren

"Ich bin aus Alemania."
"O, das kenne ich genau!"
"Wirklich? Das freut mich."
"Ja, es liegt neben Baweria[2], wo die Wolga fließt, und neben Iswitschera[3], wo die Tuna[4] in den Ak deniz adalary[5] mündet."
"Mit Freuden höre ich, daß du die Grenzen meines Vaterlandes kennst. Solche kenntnisreiche Leute gibt es hier sehr selten."
"Weil sie nichts lernen wollen und nichts merken können," antwortete er geschmeichelt. "Ich aber halte die Augen und die Ohren offen und lasse mir nie etwas aus dem Gedächtnis schwinden. Ich weiß noch mehr, noch viel mehr von deinem Vaterland."
"Das merke ich bereits."
"Euer Sultan heißt Gillem muzafer[6] und doch auch Gillem baryschdyrydschy[7]. Sein Großwesir ist Ismark bila satschly[8], und eure Kanonen werden Jakma ijneleri[9] genannt. Die Hauptstadt ist Münik, wo das beste Arpa suju[10] gebraut wird, von welchem du bei mir trinken kannst, so viel du willst, und in – –"
"Arpa suju hast du?" unterbrach ich ihn. "Das brauest du wohl selbst?"
Ich dachte, ob wohl auch hier der brave Bayer eingekehrt sei, um gegen sein Bierrezept freie Zeche zu bekommen.
"Ja," antwortete er, "ich mache es selbst, und es wird sehr gern getrunken, besonders im Sommer."
"Was nimmst du dazu?"
"Herr, das kann ich nicht verraten."
"Warum nicht?"
"Es ist ein großes Geheimnis."
"O, in Baweria kennt jedes Kind dieses Geheimnis. Ich kenne sogar mehrere Geheimnisse der Biere und weiß, wie man dunkle und lichte macht, schwere und leichte, auch ganz helle, welche man Ak arpa suju[11] nennt."
"Herr, so bist du noch ein viel geschickterer Brauer, als derjenige, welcher bei mir war und von welchem ich es gelernt habe."
"Woher kam der Mann?"
"Aus Stambul."
Aha! Er war es ganz gewiß.
"Und wo wollte er hin?"
"In seine Heimat."
"Aber von hier aus auf welchem Wege?"
"Nach der Tuna."
Nach der Donau, also nach Norden. Und ich wollte nach Westen. Da konnte ich den eifrigen Sendling des Gambrinus freilich nicht einholen. Ich wäre gern noch eine kleine Weile "errötend seinen Spuren" gefolgt, errötend wegen der Leistung desjenigen seiner Schüler, bei welchem ich kürzlich ein türkisches Erzeugnis seines deutschen Rezeptes getrunken hatte.
"Ich habe bereits von ihm gehört und auch von seinem Bier getrunken," bemerkte ich.
"Wie war es, Herr?"
"Sehr – warm!"
"So muß man sehr kaltes Brunnenwasser dazuschütten. Willst du einen Krug voll davon haben?"
"Allerdings."
"Einen großen Krug?"
"Gib mir erst einen kleinen, damit ich es probieren kann."
Er entfernte sich in dem Augenblick, als meine drei Gefährten hereinkamen. Sie hatten die Pferde auf eine hinter dem Hause liegende Weide geführt und der Obhut eines Hüters übergeben. Als ich ihnen sagte, daß sie Bier zu trinken bekämen, äußerten sie eine lebhafte Freude darüber. Es schien mir aber, als ob sie das mehr mir zu Gefallen als aus ›innerem‹ Antrieb täten. Sie mußten sich natürlich über den Haupt- und Krafttrank meines Heimatlandes freuen.
Der Wirt brachte einen Krug, welcher vielleicht anderthalb Liter faßte. Ich öffnete kühn die Säume meines Mundes und setzte den Krug an. Wahrhaftig, es stieg mir so eine Ahnung von Kohlensäure in die Nase.
"Wo bewahrst du dieses Arpa suju auf?" fragte ich.
"In großen Krügen, deren Oeffnungen ich fest verstopft habe."
"Wozu verstopfest du sie?"
"Weil dann in dem Arpa suju eine Blähung entsteht, wodurch es besser schmeckend wird. Es steigen Blasen und Perlen auf."
"Wer hat dir das gezeigt?"
"Der Bawerialy, der mir das Kochen des Arpa suju gelehrt hat. Koste es nur einmal!"
Ich kostete nicht, sondern ich trank, denn das Gebräu war gar nicht so übel. Meinen Gefährten ging es ebenso. Darum bestellte ich mir nun einen viel größeren Krug, womit ich mir, wie ich erkannte, das Herz des Bulgaren im Flug eroberte.
...
"... und laßt das Arpa suju bringen!"
Dieser Befehl ward mit Jubel beantwortet. Große, dickbauchige Krüge wurden gebracht, welche mit Bier gefüllt waren. Da der Türke früher das Bier nicht kannte, so hat er kein eigenes Wort dafür. Er bedient sich entweder des tschechischen Ausdruckes Piwa oder der schon öfter erwähnten Umschreibung. Arpa heißt Gerste, Su ist Wasser, und ju bedeutet den Genitiv des Wortes Su. Arpa suju heißt also wörtlich Gerstenwasser, eine Bezeichnung, welche keineswegs empfehlend klingt.

in Im Lande des Mahdi I

Ich erinnerte mich meines frühern Aufenthaltes in Kairo und bog in eine enge Seitengasse ein. Sie mündete in eine andere Gasse, und als ich diese erreichte, winkten mir von der alten Lehmmauer eines niedrigen Hauses die vier Inschriften entgegen:
Beer-house
Cabaret à bière
Birreria
Bira, ingliziji we nimsawiji,
also englisch, französisch, italienisch und arabisch. Die vierte Zeile war natürlich in arabischer Schrift geschrieben. Ich blieb stehen und betrachtete das Lokal. Das Aussehen desselben stieß mich ab, aber das Wort Bier zog mich an. Das Haus hatte weder Thüre noch Fenster. Die vordere Seite desselben bestand aus zehn hölzernen, vielfach zersprungenen Säulen, welche den obern Teil der Wand trugen. Hinter diesen Säulen lag das also nach der Straße offene Bierlokal. Man sah die wenigen Gäste rauchend auf Stroh- und Bastmatten sitzen oder auf hölzernen Marterfallen hocken, welche höchst wahrscheinlich Stühle sein sollten. Ein unendlich dicker Kerl, welcher auf einem solchen Sitze schwitzte, sah, daß ich mich bedachte; er winkte mit beiden Händen, grinste mir höchst freundlich zu und rief:
"Gel tschelebi, gel tschelebi! Arpa suju pek eji, pek eji – kommen Sie, Herr, kommen Sie! Das Bier ist sehr gut, sehr gut." – Das war türkisch; der Mann war also ein Osmanli. Als ich seiner Aufforderung nicht sofort folgte, hielt er mir mit der linken Hand die Flasche entgegen und winkte mit der rechten so angelegentlich, daß sein schwerer, faßförmiger Leib in schütternde Bewegung kam; das konnte der Stuhl, welcher ohne Lehne war und schusterschemelartig nur aus drei dünnen Beinen und einem dünnen Sitze bestand, nicht aushalten; er knackte zusammen, und der Dicke fuhr mit einem lauten Krach zur Erde nieder. "O jarik, o göküm, o babalarim, o tenim, o azalarim, o bukalim – o wehe, o mein Himmel, o meine Väter, o mein Leib, o meine Glieder, o meine Flasche!" zeterte er, indem er die Linke hoch empor hielt, aber keinen Versuch zum Aufstehen machte.
Ich sprang hinzu und konnte mich zunächst nur davon überzeugen, daß sein letzter Ausruf "o meine Flasche!" sehr begründet war. Er hatte sie an einer der erwähnten Säulen zerschlagen und hielt nur noch den leeren Hals in der Hand. Der Inhalt hatte sich über sein Gesicht und seinen ganzen Anzug ergossen. Die andern Gäste blickten lächelnd herüber, aber keiner von ihnen machte Miene, herzukommen, um ihm beim Aufstehen behilflich zu sein.
...
"Allaha schüke, szagh im! Bu wakyt n'asl idiniz – Gott sei Dank, ich bin gesund! Wie ging es Ihnen diese Zeit?"
"Diese Zeit?" fragte ich erstaunt. "Sie kennen mich, wie es scheint?"
"Und Sie mich nicht?"
"Ich kann mich wirklich nicht erinnern."
"Ich glaube es, denn Sie haben damals nicht mit mir gesprochen. Setzen wir uns! Sie sind ein Deutscher und werden gern ein Glas Bier trinken. Ich habe Sie gerufen, und Sie müssen die Güte haben, mein Gast zu sein."
...
"A'tina kizazaten bira nimsawiji – gieb uns zwei Flaschen österreichisches Bier!" lautete nun der weitere Befehl.
Das war eine Höflichkeit gegen mich; ich als Deutscher sollte österreichisches und kein englisches Bier trinken. Desto unhöflicher verhielt er sich gegen den Jungen, denn kaum hatte dieser die Flaschen und die beiden Gläser vor uns hingestellt, so bekam er eine so kräftig verbesserte Auflage der ersten Kaff[12], daß er wie eine Forelle blitzschnell quer durch den Raum und hinten zur Thüre hinausflog.
"Bu-war partschasi – der hat seinen Teil!" sagte der Türke lachend, indem er die Flaschen öffnete, um sich und mir einzugießen. Der Mann trank jedenfalls nicht zum ersten Male mit einem Abendländer, denn er stieß ganz regelrecht mit mir an. Es war Pilsener Bier, ja wirklich Pilsener, und wenn ich mich nicht irre, aus der bürgerlichen Brauerei! Liebster Orient, es wird mir langsam angst um dich! Aber trinke nur weiter, trinke immer Bier; das ist besser als der scharfe Araki, der dir das Blut vergiftet und die Nerven tötet, obgleich Muhammed ihn nicht so wie den Wein verboten hat!

in Der Scout/Winnetou II

Es war Mittag und sehr heiß geworden. Ich befand mich in der schönen, breiten Common-Street, als mir das Firmenschild einer deutschen Bierstube in die Augen fiel. Ein Schluck Pilsener in dieser Hitze konnte nichts schaden. Ich ging hinein.
Welcher Beliebtheit sich schon damals dieses Bier erfreute, konnte ich aus der Menge der Gäste ersehen, welche in dem Lokale saßen.
...
"... Jedenfalls habt Ihr Hunger und Durst. Kommt, wir wollen uns irgendwo vor Anker legen, wo es ein gutes Bier zu trinken gibt. Euer deutsches Lagerbier scheint sich überall breit zu machen. In diesem elenden Neste ist es auch bereits zu finden, und ich kalkuliere, daß dieses Bier das Beste ist, was man von Euch haben kann. ..."
...
Die Wirkung seiner [nämlich Winnetous] Persönlichkeit war so groß, daß sich bei seinem Eintreten eine wahre Kirchenstille einstellte. Diese Geräuschlosigkeit mochte den Wirt überzeugen, daß die Gefahr vorüber sei. Er steckte den Kopf zur halb geöffneten Türe herein und zog dann, als er sah, daß er nichts zu fürchten brauche, die übrige Gestalt vorsichtig nach.
"Ich bitte um ein Glas Bier, deutsches Bier!" sagte der Indianer mit wohlklingender, sonorer Stimme und im schönsten, geläufigen Englisch.
Das war den Rowdies merkwürdig. Sie steckten die Köpfe zusammen und begannen zu flüstern. Die versteckten Blicke, mit denen sie den Indianer musterten, ließen verraten, daß sie nichts Vorteilhaftes über ihn sprachen.
Er erhielt das Bier, hob das Glas gegen das Fensterlicht, prüfte es mit einem behaglichen Kennerblick und trank.
"Well!" sagte er zum Wirte, indem er mit der Zunge schnalzte. »Euer Bier ist gut. Der große Manitou der weißen Männer hat sie viele Künste gelehrt, und das Bierbrauen ist nicht die geringste unter denselben."

in Deadly dust/Winnetou III

Wir nahmen, abgesondert von den Uebrigen, Platz.
"Was trinkt ihr, Mesch'schurs?" fragte der Wirt.
"Bier," antwortete Bernard.
"Porter oder Ale?"
"Was besser ist!"
"Dann nehmt Ale, Mesch'schurs! Es ist echtes Burton-Ale aus Burton in Staffordshire."
Ich war ein wenig neugierig auf diesen Trank, der aus England und dazu von dem Orte, welcher wegen des besten Bieres weltberühmt ist, nach dem Sacramento gekommen sein sollte. Wir bekamen fünf Flaschen, von denen ich gleich eine nahm, um sie Bob hinauszutragen. Er steckte den Hals der Bottle in den Mund, daß ich dachte, derselbe müsse ihm bis hinab in den Magen reichen, und leerte sie auf einen Zug. Kaum aber hatte er das Gefäß wieder herausgezogen, so verdrehte er die Augen, riß den Mund auf, daß derselbe drei Vierteile des Gesichtes einnahm, und stieß einen Laut aus, wie ein Schiffbrüchiger, der zum letzten Male über das Wasser kommt.
"Was ist's?" fragte ich, in der Meinung, er habe sich mit dem Halse der Flasche den Gaumen verletzt.
"Massa, oh, ah, Bob sterben! Bob haben getrunken Gift!"
"Gift? Es ist ja englisches Ale!"
"Ale? Nein, oh, nein! Bob kennen Ale. Bob haben getrunken Gift; Bob fühlen in Mund und Leib Arsen' und Tollkirsch'!"
Unser guter Neger war kein Feinschmecker; wie also mußte dieses Ale erst einem raffinierten Gaumen munden!
...
Jetzt wurde das Bier gekostet. Wären wir direkt aus der Savanne hierher gekommen, so hätten wir es vielleicht genießen können; da wir unsere zerrütteten Gaumen aber im Hotel Valladolid bei der gastfreundlichen Donna Elvira bereits wieder hergestellt hatten, so war das Zeug auf keinen Fall hinunterzubringen. Es war klar, der Mann kochte sich sein Ale aus irgend welchen Kräutern und Zutaten selbst zusammen und verkaufte es – die Flasche zu drei Dollars.

in Old Surehand I

Helmers' Home wurde mehr besucht als andere Ansiedelungen in der Einsamkeit des wilden Westens. Wer in den Llano estacado wollte oder wer aus demselben kam, der pflegte hier einzukehren und auszuruhen. Darum führte Helmers stets einen Vorrat von solchen Gegenständen, welche einem Westmanne oder Reisenden nötig sind. Er war nicht bloß Farmer, sondern nebenbei auch Kaufmann und Restaurateur. Ich hatte bei ihm schon manches Glas texanisches Bier getrunken, welches nach deutschem Rezepte gebraut worden war.

in Old Surehand II

"Julep hin und Julep her, wir trinken keinen Schnaps. Habt Ihr denn kein Bier?"
"Sehr gutes sogar."
"So bringt zwei Töpfe voll; aber groß müssen sie sein!"
Sie bekamen das Verlangte. Hammerdull setzte das Glas an und trank es in einem Zuge aus. Als Pitt Holbers dies sah, leerte er das seinige auch bis auf die Nagelprobe.
"Was meinst du, Pitt, wollen wir nochmals eingießen lassen?"
"Wenn du denkst, Dick, daß wir nicht daran ersaufen, so habe ich nichts dagegen. Es schmeckt besser als Savannenwasser."
Sie bekamen ihre Krüge wieder gefüllt und nahmen sich erst nun die Zeit, das Lokal und die darin befindlichen Gäste in Augenschein zu nehmen.

in Die Gum/Orangen und Datteln

"Du bist ein Deutscher?"
Im Nu hatte er sich trotz seiner Last zu mir herumgedreht.
Sein breites, ehrliches Gesicht glänzte von einem Ohre bis zum andern.
"Dos will ich wohl meinen, Herr! Sie wohl auch?"
"Allerdings. Wo bist du daheim?"
"Ich bin zu Haus' in Kaltenbrunn bei Staffelstein."
"Also in Bayern. Aber dein Dialekt ist ein anderer als der in der Gegend von Staffelstein, wo ich ein so gutes, laufiges Bier getrunken habe!"
"... Ja, in Staffelstein, da giebt's aan Bier, aan Bier, sag' ich, dos läuft wie die Maus ins Loch; drum ist's ganz richtig, wenn Sie sag'n, daß es laufig is. Also dort gewes'n sind Sie? Na, dos is halt schön; dos is halt prächtig! Und an meiner Sprach' is halt niemand schuld als die Leut' aus Baden und der Rheinpfalz hier, die mir den Staffelsteiner Dialekt halt ganz verdorben hab'n."

in Et in terra pax/Und Friede auf Erden!

Er blieb stehen, deutete die Gasse hinab und sagte:
"Sablah kirri, Pilsen Birr!"
Sablah kiri heißt so viel wie »links«. Also links in dieser Straße gab es Pilsener Bier. Der Mann hatte mich ganz richtig abgeschätzt. Ich drückte ihm vor Freude ein Trinkgeld in die Hand und eilte dann die Gasse hinab. Ja, da stand linker Hand ein europäisch aussehendes, nettes Haus, dessen Paterre eine Restauration enthielt. Die breite Tür hatte keine Flügel, sondern leinene Vorhänge, und das Fenster war bis oben hinauf mit Flaschen besetzt. Da konnte man auch, und zwar in deutscher Sprache, lesen: "Echt Hamburger Pilsener Bier". Ich hatte keine Zeit, stundenlang über diese sonderbare Echtheit nachzudenken, denn soeben prasselte der Regen in der Weise los, als ob an Stelle des Himmels ein sehr weitmaschiges Sieb vorhanden sei. Ich tat einen schnellen Sprung zwischen die Vorhänge hinein und entging dadurch zwar vorn, leider aber nicht auch hinten dem drohenden Bade. Es traf, wie der biedere Erzgebirgler sich auszudrücken pflegt, der erste "Schwabb" des Regens meinen Rücken noch dergestalt, als ob mir eine Gießkanne voll Wasser nachgeschüttet worden sei. An der "Vorderhand" vollständig trocken, fühlte ich mich an der "Hinterhand" bis auf die Haut durchnäßt und wurde von dem herzlichen Lachen zweier weiblicher Stimmen empfangen, in welches ich sofort einstimmte. Die Beiden saßen am Fenster; die Eine, welche die Mutter war, häkelte an einer weißen Spitze; die Andere, natürlich die Tochter, putzte sich eine Feder auf den Hut. Ihre Gesichtszüge und besonders ihr Lachen paßten so genau in die Gegend, wo man gern so unbefangen lustig ist, daß ich, anstatt zu grüßen, die Frage aussprach:
"Sie sind Oesterreicherinnen?"
"Ja," antwortete die Mutter. "Kennen Sie uns?"
"Nein."
"Woher wissen Sie da, daß wir Oesterreicherinnen sind?"
"Weil Sie ausschauen wie Ihre Majestät die Kaiserin Maria Theresia und ein so liebes, cisleithanisches Lachen haben."
"Cis – – – cis – – cis – –! Wie ist das? Wer lacht cis?" fragte die Tochter.
"Lassen Sie das Cis, und geben Sie mir ein Pilsener! Ist es echt?"
"Ja, aus Hamburg. Das aus Pilsen hält sich nicht bei uns."
Ich kannte das. Man trinkt dieses echte Pilsener aus Hamburg im ganzen Osten; die Flasche wird mit zwei, oft auch mit drei Mark bezahlt.

in Mein Leben und Streben

Uebrigens war Vater selbst in der angeregtesten Gesellschaft außerordentlich mäßig. Ich habe ihn niemals betrunken gesehen. Wenn er einkehrte, so war sein regelmäßiges Quantum ein Glas einfaches Bier für sieben Pfennige und ein Glas Kümmel oder Doppelwacholder für sechs Pfennige; davon durfte auch ich mit trinken.

in Karl Mays Leben

Karlmayicon.jpg Dieser Artikel oder Abschnitt ist noch sehr kurz oder unvollständig. Es wäre schön, wenn Du ihn ergänzt, wenn Du mehr über das Thema weißt.

Karl May selbst hat von Jugend an Bier getrunken. Als zwölfjähriger Kegeljunge erhielt er in der Hohensteiner Schankwirtschaft Engelhardt gelegentlich ein Butterbrod und ein Glas abgestandenes, zusammengegossenes Bier (Mein Leben und Streben). In diesem Buch schreibt May im Kapitel Im Abgrunde: Für Bier besitze ich keineswegs die Zuneigung, welche man empfinden muß, um ein Trinker zu werden. Er erinnert sich anschließend an sein Leben als Zweiunddreißigjähriger: Jetzt aber fühlte ich in seltsamer Weise stets großen Durst, wenn ich auf Spaziergängen an einem Wirtshause vorbeiging und auch des Abends ... trat mir das Verlangen nahe ... in die Kneipe zu gehen. Ich tat es aber nicht. Hingegen tat es sein Vater Heinrich August May: Er konnte sein Glas einfaches Bier ... nicht gut entbehren.

Sonstiges

Werbepostkarte, um 1995

Anlässlich Karl Mays 150. Geburtstag am 25. Februar 1992 braute die Glückauf-Brauerei Gersdorf nahe Hohenstein-Ernstthal ein "Karl May Premium-Pils", welches noch heute im Sortiment ist. Das Rückenetikett der Flasche zitiert den oben genannten Auszug aus Old Surehand II.

In den 1990er Jahren verwendete die Köstritzer Schwarzbierbrauerei Bilder von Dichtern für ihre Werbung, darunter auch Bilder von Goethe und Karl May.

2007 gab es im "Bier-Museum" in Loimersdorf, Österreich, eine kleine Ausstellung "Buch und Bier – Karl May und die Indianer".[13]

Anmerkungen

  1. Geld.
  2. Bayern.
  3. Schweiz.
  4. Donau.
  5. Mittelländischer Archipel.
  6. Wilhelm der Siegreiche.
  7. Wilhelm der Friedensstifter.
  8. Bismarck ohne Haar.
  9. Zündnadeln.
  10. Bier.
  11. Weißbier.
  12. Arab. Ohrfeige.
  13. Hans Langsteiner: Wilder Westen im Marchfeld. In: Wiener Karl-May-Brief Heft 3/2007, S. 4.

Literatur

Weblinks

  • Der vollständige Eintrag in der großen Wikipedia.
  • Das Portal Bier in der großen Wikipedia.