Bertha von Suttner

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Bertha Sophia Felicita Freifrau von Suttner (* 9. Juni 1843 in Prag; † 21. Juni 1914 in Wien) war eine österreichische Pazifistin und Schriftstellerin (Pseudonym B. Oulot). Sie wurde 1905 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Leben und Werk

Frühe Jahre

Bertha von Suttner stammte aus böhmischem Adel als gebürtige Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau und erbte das Vermögen ihres Vaters, welches sie jedoch verbrauchte. 1873 wurde sie deshalb Gouvernante beim Freiherrn von Suttner in Wien und erteilte den Töchtern der Familie Unterricht in Musik und Sprache. In diesem Haus lernte sie auch den Sohn der Familie Arthur Gundaccar von Suttner kennen, den sie 1875 gegen den Willen seiner Eltern heiratete. Arthur Suttner wurde in der Folge enterbt und beide zogen gemeinsam in den Kaukasus und versuchten Anstellungen als Lehrer zu finden, Arthur fand stattdessen eine Anstellung als Ingenieur.

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Bertha von Suttner begann in den Jahren 1877 bis 1878 als Journalistin tätig zu werden und berichtete über den Krieg zwischen dem Osmanischen Reich und Russland. Sie lebte in Georgien, schrieb für österreichische Zeitungen Kurzgeschichten und Essays, ihr Mann Kriegsberichte und Reisegeschichten. Im Jahre 1885 kehrten sie gemeinsam nach Wien zurück, söhnten sich mit der Familie aus und bezogen das Familienschloss in Harmannsdorf (Gemeinde Burgschleinitz-Kühnring) in Niederösterreich.

Journalistische und schriftstellerische Tätigkeit

Auch nach ihrer Rückkehr schrieb Bertha von Suttner weiter, wobei sie auf soziale Missstände fokussierte und sich dem Thema Pazifismus verschrieb. So schrieb sie etwa 1886 das Buch High Life, in dem sie den Respekt vor dem Menschen und seiner freien Entscheidungskraft thematisierte. Kurz darauf erfuhr sie durch eine Gesprächsrunde mit dem französischen Philosophen Ernest Renan von der Existenz der International Arbitration and Peace Association, die der Brite Hodgson Pratt 1880 gegründet hatte.

Im Jahre 1889 veröffentlichte sie den pazifistischen Roman Die Waffen nieder!, der großes Aufsehen erregte und Bertha von Suttner zu einer der prominentesten Vertreterinnen der Friedensbewegung machte. Sie beschrieb die Schrecken des Krieges und traf damit den Nerv der Gesellschaft, die zu dieser Zeit in heftigsten Diskussionen über den Militarismus und den Krieg begriffen war. Im September 1891 kündigte sie die Gründung einer österreichischen Friedensgesellschaft in einem Artikel in der Neuen Freien Presse an, und 1892 gründete sie die Deutsche Friedensgesellschaft, die binnen kurzer Zeit über 2.000 Mitglieder hatte. In der Folge nahm sie an mehreren internationalen Friedenskongressen teil, so etwa 1892 in Bern, 1894 in Antwerpen und 1897 in Hamburg. Sie war auch an den Vorbereitungen zur ersten Friedenskonferenz 1899 in Den Haag beteiligt, deren Ergebnisse allerdings nicht den Erwartungen der Initiatoren entsprachen. Kriegerische Konflikte wurden zwar beigelegt, eine Beendigung oder Reduzierungen sowie die Einrichtung von internationalen Schiedsgerichten wurden jedoch nicht durchgesetzt. Auf eine Kontaktanzeige hin wurde Bertha von Suttner Privatsekretärin von Alfred Nobel und regte ihn zur Stiftung des Friedensnobelpreises an, den sie selbst 1905 als erste Frau erhielt.

1902 starb ihr Ehemann und Bertha von Suttner zog nach Wien zurück, wo sie weiterhin publizierte, u. a. auch in der deutschsprachigen Zeitung Ungarns Pester Lloyd. 1907 war sie auch bei der zweiten Friedenskonferenz in Den Haag anwesend, die diesmal noch mehr als 1899 auf Regelungen des Kriegsrechts fokussiert waren als auf die Frage einer stabilen Friedensordnung. In der Folge versuchte sie vermehrt über die Gefahren der internationalen Aufrüstung und die Interessen der Rüstungsindustrie zu informieren, ab 1912 mahnte sie auch die Gefahr eines internationalen Vernichtungskrieges an.

Urne Bertha von Suttners

Bertha von Suttner starb 1914 wenige Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, vor dem sie immer gewarnt hatte. Neben ihrer Arbeit hatte sie den Bau des ersten deutschen Krematoriums in Gotha gefördert und testamentarisch verfügt, dass ihr Leichnam nach Gotha überführt und dort verbrannt werde. Die Urne mit ihrer Asche wird dort heute noch im Columbarium aufbewahrt.

Bertha von Suttner und Karl May

Nachruf B. v. Suttners auf Karl May

May lernte sie vermutlich 1905 kennen, als sie in Dresden einen Vortrag hielt. Sie hielt sich zwar auch 1898 in Wien auf, als May dort war, und veranstaltete Treffen der "Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde", aber da hatte er viel zu viel mit den Erzherzögen zu tun.

Nach ihrem Vortrag in Dresden schrieb May sie am 17. Oktober 1905 an:

Am Sonntag Abend war ich einer Ihrer Hörer. Die ersten beiden Billets, welche erworben wurden, holte sich meine Frau, eine Ihrer aufrichtigsten Verehrerinnen. Wir saßen auf der ersten Reihe, Ihnen grad vis-à-vis. Denn wir wollten Ihnen so nahe wie möglich sein; wir hatten Sie noch nie gesehen, obgleich wir Ihr großes, segensreiches Wirken und auch alle Ihre Bücher kennen. Wir freuten uns unendlich über die Gelegenheit, Ihre weithin schallende, gewichtige Stimme, die uns bisher nur schriftlich erklungen war, nun auch in Wirklichkeit zu hören. Und wir hörten sie, bis zur tiefsten Erschütterung. Meine Frau, die Gute, weinte, und auch ich wehrte mich der Thränen nicht, als Sie sagten, daß Christus wohl noch nirgends an einer besseren Stelle gestanden habe.
Warum ich Ihnen das sage, ich, der dreiundsechzig Jahre alte Mann, dessen Zeit so sehr durch die Zuschriften seiner Leser gekürzt wird und der also wissen muß, wie kostbar Ihnen auch die Ihre ist? Weil Sie uns Hörer aufforderten, in Ihrem Sinne thätig zu sein, und weil ich in der Lage bin, Ihnen sagen zu können, daß wir, die Schüler, schon längst an diesem Wunsche unserer Meisterin eine Quelle ausdauernder Begeisterung besessen haben.
Ich muthe Ihnen, verehrteste Fran Baronin, nicht zu, das Beweisstück, welches ich Ihnen zu senden wage, zu lesen, doch bitte ich, gütigst nur einen kurzen Blick auf die beiden Strophen 644 und 646[1] zu werfen, dann darf ich offenbaren, daß Ihre Seele alle meine Bücher belebt, auch das hier vorliegende.
Wir, die wir uns von dieser Seele leiten lassen, scheuen weder Haß noch Hohn. Wir gehen ruhig des Weges, den Sie uns führen. Schon sehen wir das Ziel; wir werden es erreichen. Gott segne Sie! [2]

Die bereits nach Danzig weitergereiste Suttner antwortete am 22. Oktober:

Mit Ihrem Briefe und Ihrem Buche haben Sie mir eine wahrhaft große Freude bereitet.
Gerührt drücke ich Ihnen und Ihrer Lebensgefährtin die Hand für die Tränen die Ihnen ins Auge getreten sind.
Tun Sie mir den Gefallen und lassen Sie sich von Pierson das kleine Büchelchen, "Es Löwos" kommen – ich glaube Sie beide werden es gern lesen. [3]

Sein Drama Babel und Bibel sandte Karl May gleich nach Erscheinen an Bertha von Suttner, die ihm kurz darauf antwortete, den Empfang bestätigte, sich aber inhaltlich nicht äußerte.

Auf Grund eines Rundschreibens von Ludwig Ullmann und Philipp Berger am 13. März 1912 an verschiedene Schriftsteller und Gelehrte, mit dem Karl Mays guter Ruf wiederhergestellt werden sollte, antwortete Bertha von Suttner wie auch 25 andere der Angeschriebenen.

So viel ich weiß, war der gegen Karl May geführte Prozeß ein Gemenge von Verleumdungen und Haarspaltereien. und der Ausgang des Prozesses hat auch den zu unrecht Angegriffenen vollständig rehabilitiert.
Was den literarischen Wert der May'schen Arbeiten betrifft, so nimmt ein Autor, der eine ganze Jugendgeneration durch seine spannenden phantasiereichen Erzählungen zu fesseln verstand, jedenfalls einen achtunggebietenden Rang ein, und der erhobene Vorwurf, daß Karl May Länder beschrieben hat, die er niemals gesehen, so kann man darauf erwidern, daß auch Jules Verne nicht im Mond und nicht 10,000 Meilen unterm Wasser gewesen, und daß auch Schiller die Schweizerberge nicht kannte, die seinem Tell als Schauplatz dienen.[4]

Karl May traf zwei Tage vor seinem Vortrag, am 20. März 1912, in Wien ein und stieg im Hotel Krantz ab. Dort suchte ihn Bertha von Suttner auf, und an diesem Tage wurden offensichtlich zum erstenmal persönlich zwischen den beiden "Gesinnungsgenossen" Worte gewechselt. Am 22. März saß Bertha von Suttner vor Karl Mays Rednerpult.

Am gleichen Tage noch trug sie stichwortartig in ihr Tagebuch ein:

Abends Vortrag Karl May. 70 Jahre. Wassertropfen. Menschheitsfragen. Gedicht von der Großmutter. Gleichnisse. Geisterschmiede. Fliegen können wir. Aviatiker des Geistes. Zuletzt liest er aus "Hochgedanken" vor [...][5]

Zehn Tage später (am 1. April 1912) finden sich noch vier Worte:

Karl May ist gestorben [...]
Gästebucheintrag 1913: Mit einem Herzensgruß nach dem Jenseits

Als Klara May nach Mays Tod die Neuausgabe von Mein Leben und Streben vorbereitete, war als Anhang Karl Mays letzter Vortrag vorgesehen. Um den Vortrag in möglichst allen seinen Teilen rekonstruieren zu können, wendete sich die Witwe mit einer Anfrage an Bertha von Suttner, die darauf am 12. April 1912 antwortete, und half, die sie selbst betreffenden Stellen zu rekonstruieren. Die Neuauflage ging am 25. August 1912 mit einem längeren Geleitbrief Klara Mays an Bertha v. Suttner ab.

[...] Bei der Lecture Ihres letzten Buches schweiften meine Gedanken oft zur Verfasserin, wie viel Gleiches haben Sie mit Karl May! In seinem "Friede auf Erden" begegnen Sie einander auf Schritt und Tritt! Sicherlich gab Gott Ihnen und ihm die gleiche Aufgabe! Frau Baronin durften stolz erhobenen Hauptes den Weg zum Ziel verfolgen an der Hand eines gütigen Schicksals. Ihr Weg lag im Sonnenschein, den auch das Leid nicht zu trüben vermochte. [...][6]

Am 12. Februar 1913 besuchte Bertha von Suttner Klara May in Radebeul und trug sich auch in das Gästebuch ein. Klara May vermerkte in ihrem Tagebuch:

Bertha von Suttner hier. Schöne Stunden. Sie spricht in höchster Verehrung von Karl Mays Wirken, sie sei nichts gegen ihn.

Sonstiges

Hansotto Hatzig erkennt in Aschta Züge Bertha von Suttners.

Auffallend ist auch die äußere Parallele, daß Aschta mit ihrem Mann fern von der Heimat sehr glücklich lebt. Nach der Rückkehr wird dann ersichtlich, daß sie sich während dieser Zeit auf ihr Wirken für den Frieden vorbereitet hat.[7]

Werke

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  • Das Maschinenzeitalter entsteht, 1889
  • Die Waffen nieder!, 1889 Faksimile bei Austrian Literature Online
  • Die Waffen nieder! (Hrsg.), Monatszeitschrift 1892-1899
  • Die Haager Friedenskonferenz, Leipzig 1900
  • Die Entwicklung der Friedensbewegung, Leipzig 1907
  • Randglossen zur Zeitgeschichte, 1892-1900 und 1907-1914
  • Rüstung und Überrüstung, Berlin 1909
  • Die Barbarisierung der Luft, Berlin 1912

Anmerkungen

  1. Nach Hatzig sind die beiden Strophen Tragt Euer Evangelium hinaus in Und Friede auf Erden! gemeint.
  2. Zitiert nach Hatzig, S. 249.
  3. Zitiert nach Hatzig, S. 250.
  4. Zitiert nach Hatzig, S. 252 f.
  5. Titiert nach Hatzig, S. 253.
  6. Zitiert nach Hatzig, S. 255.
  7. Hatzig, S. 252.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.

Weblinks