An tausend Welten steht geschrieben (Gedicht)

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Eintrag im Poesiealbum

An tausend Welten steht geschrieben ist ein Gedicht von Karl May.

Text

An tausend Welten steht geschrieben:
  "Ihr Erdenbürger, denkt und wißt,
Daß Eures Herzens warmes Lieben
  Ein göttliches Vermächtniß ist!"
    Es schmerzt der haß, der Neid kann drücken,
      Doch Feindschaft erntet Qual und Pein;
    Mit Seligkeiten Dich beglücken,
      Das kann die Liebe nur allein.
Sei ihr zu eigen und verhehle
  Dem Busen nicht des Himmels Pracht:
Sie ist des Lebens einz'ge Seele
  Und Deines Herzens schönste Macht!
Nach welkem Tand und eitlem Flitter
  Hascht nur der einsichtslose Thor
Und findet dann die Täuschung bitter,
  Wenn falsches Gold den Glanz verlor.
    Nur in dem tiefsten Innern wohnet
      Geheimnißvolle Sympathie;
    Steigst Du hinunter, so belohnet
      Die Liebe Dich mit Harmonie.
Vertraue ihrem stillen Gruße,
  Wenn sie Dich freundlich an sich zieht:
Sie ist des Lebens einz'ge Muse
  Und Deines Herzens schönstes Lied!
Schneit auch der Winter seine Flocken
  In dichten Wolken um Dich her,
Des Pulses Wärme kann nicht stocken,
  Des Herzens Raum ist niemals leer.
    Es muß ein neuer Frühling tagen,
      Der siegreich durch die Fluren geht,
    Um allen Sehnenden zu sagen,
      Daß auch die Liebe neu ersteht.
Dann fluthet es durch Dein Gemüthe
  Wie Glockenklang in milder Luft:
Sie ist des Lebens einz'ge Blüthe
  Und Deines Herzens schönster Duft!
Der Mann muß kämpfen mit Gewalten,
  Die finster seinen Herd umstehn,
Und seine ganze Kraft entfalten,
  Um siegreich aus dem Streit zu gehn.
    Und in dem Weib muß ihn umschlingen
      Die Liebe warm und hoffnungsreich
    Um Muth und Tröstung ihm zu bringen,
      Beklückend und beglückt zugleich.
Sie bleibe Dir mit ihrer Wonne,
  Mit ihrem Segen nimmer fern:
Sie ist des Lebens einz'ge Sonne
  Und Deines Herzens schönster Stern!

Hohenstein, den 18ten November 1878   Verfaßt und gewidmet zur freundlichen Erinnerung   von       Carl May.[1]

Textgeschichte

Anna Schneider war eine Freundin Emma Pollmers und lebte nicht weit von in am Hohensteiner Markt. Das Album A. Schneider ist ein Poesiealbum und umfasst 40 Seiten. Karl May trug sich am 18. November 1878 mit obigem Gedicht ein. Weitere Einträge stammen von Anna Uhlig, einer weiteren Freundin (24. Juli 1878), von Christian Gotthilf Pollmer (26. März 1879) und von seiner Enkelin Emma (ohne Datum).

Karl May verwendete sein Gedicht nicht in seinen Publikationen, es wurde auch anderweit zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht.

Erhalten ist ein Entwurf auf einem mehrfach benutzten "Konzeptpapier", das in den Karl-May-Welten IV vollständig faksimiliert wurde. Dass es sich bei diesem titellosen Gedicht um die Widmung an Anna Schneider handelt, wurde hier noch nicht erkannt, sondern erst Karl-May-Welten V aufbereitet.

aktuelle Ausgaben

Anmerkungen

  1. KMJb 1979, S. 204.

Literatur