Ade (Himmelsgedanken)

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Ade ist ein Gedicht von Karl May.

Text

          Ade.
Ich gehe fort, und dennoch geh ich nicht.
  Ade, mein Heim, und doch auch nicht ade!
Ich scheide zwar, doch leist ich nicht Verzicht,
  Daß ich dich einst nach Jahren wiederseh.
Ob dich mein Fuß für eine Zeit verläßt,
Du hältst doch meine ganze Seele fest.
  Ans Land, wo meine Wiege einst gestanden,
  Bleib ich gekettet mit geheimen Banden.
Ich gehe fort, und dennoch geh ich nicht.
  Ade, lieb Mütterlein, und nicht ade!
Ob auch der Mund das Wort des Abschieds spricht,
  Das Herz weiß doch, daß ich nicht von dir geh.
Treibt das Geschick mich in die Welt hinaus,
Es scheint nur so; ich bleib bei dir zu Haus.
  Wohl mag der Gram mein Gehn ein Scheiden nennen,
  Die Ferne kann nie Sohn und Mutter trennen.
Ich gehe fort, und dennoch geh ich nicht.
  Ade, ihr Lieben, und doch nicht ade!
Trägt mich der Tod jetzt auf zum ewgen Licht,
  Wißt, daß unsichtbar stets ich bei euch steh.
Von Gott zu eurem Schutz herabgesandt,
Halt über euch ich meine treue Hand.
  Es stirbt der Körper nur, und nach dem Tode
  Wird mein Gebet für euch ein Himmelsbote.[1]

Textgeschichte

Am 18. Dezember 1900 erschien ein Gedichtband Mays mit dem Titel Himmelsgedanken im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld.[2] In dieser Ausgabe ist das Gedicht auf den Seiten 43 und 44 enthalten. Der auf der gegenüberliegenden Seite abgedruckte Aphorismus lautet:

Jeder Mensch ist Schöpfer einer eigenen Welt. Seine Thaten sind die festen, seine Worte die flüssigen, seine Gedanken die imponderabilen Bestandteile dieser Welt. Er schafft sie sich nicht bloß für hier, sondern wird sich auch in jenem Leben nicht von ihr lossagen können.[3]

aktuelle Ausgaben

siehe auch

Anmerkungen

  1. Karl May: Himmelsgedanken, S. 43 f.
  2. Hainer Plaul/Gerhard Klußmeier: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 244.
  3. Karl May: Himmelsgedanken, S. 45.

Weblinks